Lade Daten...
06.01.2013
Schrift:
-
+

Schutz gegen Krisen

Aufseher geben Banken mehr Zeit

dapd

Deutsche-Bank-Zentrale: Viele europäische Institute müssen die Reserven aufstocken

Für die Geldindustrie ist es eine Entlastung: Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat die Regeln für Liquiditätsreserven gelockert. Mit dem massiven Puffer sollen sich die Institute gegen Krisen wappnen. Dafür erhalten sie nun vier Jahre mehr Zeit als ursprünglich geplant.

Basel - Die globale Bankenbranche bekommt mehr Zeit für den Aufbau massiver Reserven, mit denen im Krisenfall eine Pleite vermieden werden soll. Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht beschloss am Sonntag, dass die Institute die Mindest-Liquiditätsquote (LCR) schrittweise erst bis 2019 aufbauen müssen, statt sie 2015 vollständig erfüllen zu müssen. Zu diesem Zeitpunkt reichen nun 60 Prozent der Reserve. Bis 2019 soll sie in jährlichen Schritten auf 100 Prozent erhöht werden.

Der Bankensektor hatte die bisher geplanten Regeln als zu strikt kritisiert. Aufseher und Politiker hatten befürchtet, dass die Geldkonzerne die Kreditvergabe einschränken und damit die Konjunktur abwürgen würden, wenn sie die LCR so früh wie geplant einhalten müssten.

Denn Liquidität vorzuhalten, ohne sie für Kredite einsetzen zu können, ist teuer für die Institute. "Die Übergangsfrist wird sicherstellen, dass der neue Liquiditätsstandard auf keinen Fall die Fähigkeit des globalen Bankensystems beeinträchtigen wird, die konjunkturelle Erholung zu finanzieren", sagte der britische Notenbankchef Mervyn King.

Nach einer Erhebung des Basler Ausschusses fehlten den weltgrößten Instituten Ende 2011 noch rund 1,8 Billionen Euro an flüssigen Mitteln, um die LCR zu erfüllen. Zwei Drittel davon entfielen auf europäische Institute. Im Schnitt hatten die 102 weltgrößten Banken damals 91 Prozent der geforderten Liquiditätsreserven beisammen. 38 Prozent kamen allerdings auf weniger als 75 Prozent. Nun reicht es, wenn sie 2015 auf 60 Prozent kommen. Es ist das erste Mal, dass der für weltweit einheitliche Spielregeln bei den Banken zuständige Basler Ausschuss neben Kapitalvorschriften auch eine Mindest-Ausstattung an Liquidität vorschreibt.

Überlebenssicherung für 30 Tage

Die Vorschriften sind eine Lehre aus der Finanzkrise. Damals waren zahlreiche Banken - wie Lehman Brothers oder die britische Northern Rock - nicht an zu wenig Kapital gescheitert, sondern daran, dass die Kapitalmärkte austrockneten und sie sich kein Geld mehr beschaffen konnten oder dass Kunden blitzschnell ihre Einlagen abzogen. Mit dem in der LCR vorgeschriebenen Reserven-Topf soll künftig jede Bank 30 Tage allein überleben können, ohne dass ihr das Geld ausgeht.

Die Aufseher schreiben auch vor, wie die Liquiditätsreserve aussehen muss. Denn sie muss im Notfall schnell zu Geld gemacht werden können. 60 Prozent davon müssen aus Barem, erstklassigen Staatsanleihen und anderen zentralbankfähigen Papieren bestehen.

Bis zu 40 Prozent dürfen es auch Unternehmensanleihen mit hoher Bonität, Hypothekenpapiere und bestimmte Aktien sein. Diese werden allerdings nur zum Teil angerechnet. Mit diesen Papieren müssen die in einer Krise innerhalb von 30 Tagen zu erwartende Mittelabflüsse abgedeckt sein.

"Eine klare Verpflichtung"

Um die LCR hatte es im Basler Ausschuss Streit gegeben. Am Wochenende hatten sich daher in Basel die Notenbankchefs und die Chefs der nationalen Aufsichtsbehörden aus den 27 Teilnehmer-Ländern unter dem Vorsitz von King getroffen. Sie fungieren als Überwachungsgremium für den Ausschuss.

"Die Vereinbarung ist eine klare Verpflichtung darauf, dass die Banken ausreichend flüssige Mittel halten, um zu verhindern, dass gleich wieder die Notenbanken einspringen müssen", erklärte das Gremium.

Nach dem Kompromiss gilt für die Liquiditätsquote nun die gleiche Übergangsfrist wie für die Kapitalregeln von "Basel III", dem Banken-Regelwerk, auf das der Ausschuss sich 2010 verständigt hatte.

2018 soll eine zweite Liquiditätsquote - die NSFR - in Kraft treten. Doch auch daran dürfte in den nächsten zwei Jahren noch gearbeitet werden. Sie soll dafür sorgen, dass die Banken ihre langfristig ausgegebenen Kredite nicht mehr allzu kurzfristig refinanzieren. Diese Praxis hatte in der Finanzkrise Institute wie die Hypo Real Estate an den Rand des Abgrunds gebracht.

sto/dpa/Reuters/AFP

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
1.
dunnhaupt 06.01.2013
Falls die Banken die Bedingungen in vier Jahren noch immer nicht erfüllt haben, kann man die Frist ja nach Belieben jederzeit wieder verlängern.
Falls die Banken die Bedingungen in vier Jahren noch immer nicht erfüllt haben, kann man die Frist ja nach Belieben jederzeit wieder verlängern.
2.
RalfHenrichs 06.01.2013
Wie Wäre statt 4 Jahre ein Aufachub auf den Sankt Nimmerleinstag& nicht ehrlicher?
Wie Wäre statt 4 Jahre ein Aufachub auf den Sankt Nimmerleinstag& nicht ehrlicher?
3. Die Spekulation geht weiter
fuchs008 06.01.2013
wie hoch muss die Absicherung der vergebenen Kredite sein, warum sagt das der Autor nicht? 10% der Kreditsumme oder noch weniger? Und warum soll das helfen? Mein Eindruck ist, dass weiter Insolvenzverschleppung betrieben wird. 4 [...]
wie hoch muss die Absicherung der vergebenen Kredite sein, warum sagt das der Autor nicht? 10% der Kreditsumme oder noch weniger? Und warum soll das helfen? Mein Eindruck ist, dass weiter Insolvenzverschleppung betrieben wird. 4 weitere Jahre werden die Steuerzahler einspringen müssen, wenn Banken die Insolvenz droht.
4. Aufseher geben Banken mehr Zeit? *LOL*
wibo2 06.01.2013
Stefan Best, Bankenanalyst der Ratingagentur Standard & Poor’s, sagt im Handelsblatt: "Das größte Risiko besteht darin, dass die Verzögerung ein Indiz dafür sein könnte, dass die ohnehin nicht allzu strengen [...]
Zitat von sysopdapdFür die Geldindustrie ist es eine Entlastung: Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat die Regeln für Liquiditätsreserven gelockert. Mit dem massiven Kapitalpuffer sollen sich die Institute gegen Krisen wappnen. Dafür erhalten sie nun vier Jahre mehr Zeit als ursprünglich geplant. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/banken-erhalten-mehr-zeit-fuer-liquiditaetsreserven-a-876023.html
Stefan Best, Bankenanalyst der Ratingagentur Standard & Poor’s, sagt im Handelsblatt: "Das größte Risiko besteht darin, dass die Verzögerung ein Indiz dafür sein könnte, dass die ohnehin nicht allzu strengen neuen Regeln verwässert werden." Basel III ist im Prinzip geplatzt, weil die USA wohl nicht mehr mitmachen wollen. Die Kritik an Bankenregulierung vereint deutsche Kreditwirtschaft, weil das ihren Profit schmälert. Fazit: Die Banker hintertreiben Regulierung und Restrukturierung mit aller Macht. Wie viel besser könnte es uns allen gehen, wenn die Talente im Investment Banking ihre Energie in produktive Branchen einbringen würden ... siehe Basel III: Banken drohen Lasten von bis zu 300 Milliarden Euro - Banken - Unternehmen - Handelsblatt (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/basel-iii-banken-drohen-lasten-von-bis-zu-300-milliarden-euro/3357200.html)
5.
alpenkraut 07.01.2013
Ein optimistisch stimmender Artikel...
Ein optimistisch stimmender Artikel...

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Basel III
RSS
Rubriken

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten