06.01.2013
Hauptstadt-Airport
Flughafen-Eröffnung droht erneut zu scheitern
Hauptstadt-Flughafen: Probleme beim Brandschutz
Berlin - Der Eröffnungstermin für den Berliner Großflughafen BER steht offenbar wieder auf der Kippe. Die Flughafen-Gesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) habe die Inbetriebnahme am 27. Oktober 2013 abgesagt, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf interne Unterlagen. Aufgrund massiver Baufehler sei ein BER-Start frühestens 2014 möglich. Ursprünglich war die Eröffnung für Sommer 2012 geplant. Die DPA bestätigte die Meldung ebenso wie der RBB, der sich auf Quellen aus dem Aufsichtsrat berief.
"Die FBB informierte am 18.12.2012 die Gesellschafter und die anwesenden Firmenvertreter (...) über die Terminabsage", zitierte die "Bild" aus einem Vermerk der BER-Baufirma. Technik-Chef Horst Amann habe eine Eröffnung 2013 ausgeschlossen. Hauptproblem sei, dass beim Brandschutz abweichend von der Baugenehmigung gebaut worden sei.
Demnach schrieb die Bauaufsichtsbehörde am 28. Dezember 2012 einen mahnenden Brief an den Brandschutzplaner des Flughafens. Die Genehmigung zu erreichen werde "Zeit und Kraft verlangen", heißt es darin. Der zuständige Beamte habe vermerkt, er werde sich nicht "verbiegen, um den Murks zur Genehmigung zu führen".
Grüne fordern Konsequenzen für Bürgermeister Wowereit
Bereits Ende Dezember hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer gesagt, der Bund sehe Anzeichen dafür, dass auch der 27. Oktober 2013 als Eröffnungstermin nicht eingehalten werden könne. Ähnlich hatte sich zuvor bereits Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit - Chef des Flughafenaufsichtsrats - geäußert. Er hatte Mitte Dezember gesagt, niemand könne garantieren, dass der Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 eingehalten werde.
Die Inbetriebnahme des Baus in Berlin-Schönefeld war wegen Mängeln bei der Bauplanung und technischer Probleme bereits dreimal verschoben worden. Unter anderem gab es Beanstandungen der Brandschutzanlagen, zuletzt wurde über mögliche Probleme bei der Kofferbeförderung berichtet.
Die Verzögerungen verursachen hohe Zusatzkosten. Berichten zufolge soll der Flughafen statt ursprünglich zwei mindestens 4,3 Milliarden Euro kosten. Der Bund ist mit 26 Prozent an der Betreibergesellschaft des Flughafens beteiligt. Weitere Anteilseigner sind die Länder Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent.
Wegen der erneuten Verschiebung werfen die Berliner Grünen Wowereit "völliges Versagen" vor. Die Fraktionschefin Ramona Pop sprach von einem schwarzen Tag und einem riesigen Schaden für die Stadt. Am Sonntagabend kündigte Pop in einer RBB-Sendung die Beantragung einer Sondersitzung des Berliner Abgeordnetenhauses für kommende Woche an. Dann müsse Wowereit die Wahrheit sagen, so Pop.
Zudem wollen die Grünen einen Misstrauensantrag gegen Wowereit stellen. "Er ist zu einer Belastung für unsere Stadt geworden", sagte Pop. Sie sei fassungslos, dass die neuerliche Verschiebung offenbar seit Mitte Dezember bekannt gewesen und Wowereit in den Weihnachtsurlaub gefahren sei, ohne zu informieren. Wenn das stimme, müsse das Konsequenzen haben.
ulz/AFP/dapd/dpa