09.01.2013
Hauptstadtflughafen
Fluglinien erwarten Hunderte Millionen Schaden
Hauptstadtflughafen BER: Fluggesellschaften wollen Schadensersatz
Berlin - Die Schäden, die durch die Verzögerungen beim Bau des neuen Hauptstadtflughafens entstehen, sind zahlreich und hoch, politisch und finanziell. Jetzt warnen auch die Fluggesellschaften vor hohen Kosten. Bis der Flughafen im Südosten Berlins betriebsbereit sei, könne der Schaden "leicht ein dreistelliger Millionenbetrag sein", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Klaus-Peter Siegloch, dem Deutschlandfunk.
Wie die Unternehmen darauf juristisch reagierten, sei noch nicht endgültig entschieden, die Fluggesellschaften gingen aber eher von einer Schadensersatzpflicht aus, sagte Siegloch weiter. Air Berlin habe dazu bereits eine Feststellungsklage eingereicht, auch die Lufthansa halte Schadensersatz für möglich. Insgesamt sei der Neubau inzwischen ein "Trauerspiel", sagte Siegloch, "bei dem einem langsam auch die Worte fehlen".
Der Einfluss der Politik im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft sei durch den Einsatz öffentlicher Gelder gerechtfertigt. Siegloch räumte allerdings ein: "Inwieweit nun jetzt einzelne Entscheidungen, Planungsentscheidungen oder so etwas jeweils durch die Politik im Aufsichtsrat beurteilt werden können und sollen - ich halte das auch für problematisch."
Immer wieder kommen auch neue Einzelheiten über das Planungschaos am Hauptstadtflughafen ans Licht. Wie die "Welt" unter Berufung auf den jüngsten Controlling-Bericht schreibt, wurden nicht nur Baugenehmigungen missachtet und Kabel falsch verlegt, auch 1036 Bäume seien falsch gepflanzt worden und müssen nun eigentlich ausgetauscht werden.
Weil das der Öffentlichkeit schlecht zu vermitteln wäre, hat die Geschäftsführung allerdings beschlossen, nicht alle Bäume zu tauschen. "Um eine negative Auswirkung durch die Rodung und Beseitigung von circa tausend zumeist gut angewachsenen Bäumen zu vermeiden", zitiert die Zeitung aus dem Bericht, wolle man bei etwa 400 Bäumen darauf verzichten, vom Auftragnehmer wegen der "nicht vertragskonformen Pflanzung" einen Austausch zu verlangen. Die anderen 600 Bäume sollen dagegen herausgerissen und neu gepflanzt werden, "da ein Belassen dieser Bäume auf Grundlage der Bewertungskriterien nicht begründbar ist".
nck/dpa
