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11.01.2013
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Ultimatum aus Brüssel

EU-Kommissar droht Google mit Kartellstrafen

REUTERS

Google-Zentrale in New York: EU-Kommission untersucht Wettbewerbsverzerrungen

Die EU will härter gegen Google durchgreifen als die USA. Wettbewerbskommissar Almunia droht mit harten Strafen, sollte der Internetkonzern die Darstellung von Suchergebnissen nicht bald ändern. Denn Google missbrauche seine marktbeherrschende Stellung.

Brüssel - In den USA war Google noch glimpflich davongekommen: Gegen ein paar Zugeständnisse hat die US-Kartellaufsicht ihre Untersuchungen gegen den Konzern in der vergangenen Woche eingestellt. Die EU-Kommission gibt sich jetzt deutlich härter: Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia drohte Google mit Strafen, sollte das Unternehmen nicht bald seine Suchmaschineneinstellungen ändern. Google bevorzuge bei den Suchergebnissen seine eigenen Dienste gegenüber Mitbewerbern, sagte Almunia der "Financial Times" ("FT").

Die EU-Kommission sei verpflichtet Sanktionen zu beschließen, wenn der Konzern nicht bis Monatsende zufriedenstellende Änderungsvorschläge unterbreite. Er sei der Überzeugung, dass Google mit der Platzierung der Links zu eigenen Angeboten den Internetverkehr umleite, sagte Almunia der "FT".

Google verfolgt die Strategie, mit der erfolgreichen Suchmaschine den Nutzern seine anderen Dienste nahezubringen. Wer eine Adresse googelt bekommt ganz oben einen Ausschnitt aus Googles Kartendienst, wer nach einem Produkt sucht, bekommt einen Preisvergleich aus Googles Shoppingdienst. Alternativen von anderen Unternehmen würden in den Suchergebnissen weiter hinten präsentiert, so der Vorwurf.

Almunia schränkte allerdings ein, dass die Untersuchungen noch liefen. Die Differenzen zwischen der Haltung der US-Behörde FTC und der EU-Wettbewerbshüter erklärte Almunia mit dem Unterschied zwischen den rechtlichen Rahmenbedingungen. In den USA sei das Potential für Klagen aus der Privatwirtschaft größer. Außerdem ist die Dominanz von Google bei der Internetsuche in Europa noch deutlich größer als in den USA. Im Heimatmarkt laufen rund zwei Drittel aller Suchanfragen über Google, in Europa sind es bis zu 90 Prozent.

Gleichzeitig unterstützte Almunia andere Teile der US-Einigung wie die Verpflichtung von Google, Werbekunden die Arbeit mit anderen Plattformen zu erleichtern, und Einschränkungen für Klagen mit Standard-Patenten. Die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Google-Betriebssystem Android für Smartphones und Tablets sollen separat weiterlaufen, kündigte Almunia an.

Die US-Kartellwächter waren zu dem Ergebnis gekommen, die Platzierung von Googles eigenen Diensten vor den Angeboten von Konkurrenten in den Suchergebnissen sei keine Verzerrung des Wettbewerbs. Google verteidigte dies damit, dass die Nutzer dadurch eine bessere Dienstleistung bekämen. "Die Aufgabe der FTC ist es, den Wettbewerb zu schützen und nicht einzelne Wettbewerber", lautete das Fazit der amerikanischen Behörde.

Ein härteres Vorgehen der europäischen Wettbewerbshüter würde Google das Geschäft erschweren. Möglicherweise müssten dann mit einigem Aufwand regional unterschiedliche Angebote betrieben werden. Im vergangenen Jahr hatte Google der EU-Kommission bereits Zugeständnisse angeboten, Brüssel gingen sie aber offenbar nicht weit genug. Gibt es keine Einigung, drohen dem Internetriesen Geldbußen im Umfang von bis zu zehn Prozent seines Geschäftsvolumens.

nck/dpa/AFP

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insgesamt 93 Beiträge
1. optional
Knarzi 11.01.2013
Da sich Google inzwischen Wettbewerbstechnisch verhält wie MS um die Jahrtausendwende, wie zum Beispiel durch das Aussperren von Browser, weil man ja lieber nur noch auf Webkit optimiert, statt sich wie immer von Google gefordert [...]
Da sich Google inzwischen Wettbewerbstechnisch verhält wie MS um die Jahrtausendwende, wie zum Beispiel durch das Aussperren von Browser, weil man ja lieber nur noch auf Webkit optimiert, statt sich wie immer von Google gefordert an Webstandards zu halten, haben sie mal einen richtig dicken Dämpfer verdient. Google verkommt zu einem asozialen Drecksladen. Don't be evil? Schon lange nicht mehr!
2. Och mann, EU...
MitKohlensäure 11.01.2013
Klar, Google bietet kostenlose Maps (die Besten dieser Klasse weltweit), kostenloses Mailtool (für mich das Beste dieser Klasse), den besten Videohoster dieser Klasse etc...für den Endverbraucher gratis. Und auch die Suchmaschine [...]
Klar, Google bietet kostenlose Maps (die Besten dieser Klasse weltweit), kostenloses Mailtool (für mich das Beste dieser Klasse), den besten Videohoster dieser Klasse etc...für den Endverbraucher gratis. Und auch die Suchmaschine ist für uns gratis (sieht man mal von den Werbeeinblendungen ab, die jeder etwas erfahrene Internetnutzer schon seit Jahren aus seiner aktiven Wahrnehmung verbannt hat). Wieso zur Hölle soll Google seine eigenen Services nicht bevorzugt anzeigen?? Sollen andere Anbieter einfach besser sein und ähnlich tolle Angebote liefern - dann dürfen sie sich ebenfalls darstellen wie sie wollen, so einfach ist das! Meine Güte, auf der einen Seite darf ein Unternehmen wie Apple alles und jeden Mist, der schon seit Jahren existiert, patentieren lassen und sich als hochinnovativen Marktretter darstellen - Google darf jedoch nicht für seine eigenen Produkte werben (auf ihren eigenen Seiten, wohlbemerkt) -> Was für eine wirre Welt! "Martkmacht" - das ich nicht lache.
3. Na dann sollen die mal anfangen
blob123y 11.01.2013
da gibt es noch ein paar andere eindeutig "fishy" Sachen z.B. werden seit einen Jahr groessere Firmen ueber die sogenannte authority Bewertung gegenueber Kleineren bevorzugt. Der "Witz" ist das in der Regel der [...]
Zitat von sysopDie EU will härter gegen Google durchgreifen als die USA. Wettbewerbskommissar Almunia droht mit harten Strafen, sollte der Internetkonzern seine Suchmaschineneinstellungen nicht bald ändern. Denn Google missbrauche seine marktbeherrschende Stellung. EU-Kommission: Google soll Suchergebnisse anders darstellen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eu-kommission-google-soll-suchergebnisse-anders-darstellen-a-876912.html)
da gibt es noch ein paar andere eindeutig "fishy" Sachen z.B. werden seit einen Jahr groessere Firmen ueber die sogenannte authority Bewertung gegenueber Kleineren bevorzugt. Der "Witz" ist das in der Regel der Inhalt dieser Groesseren wesentlich schlechter ist als bei Kleineren Firmen aber Google blockiert die Kleinen zum Vorteil der Grossen, das ist eindeutig illegal da dadurch eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung stattfindet.
4. Ablenkungsmanöver
Fackus 11.01.2013
"ich denke - ich befürchte - dass es einen Missbrauch dieser dominierenden Position gibt", sagte der EU-Kommissar in Interview." Da haben wir aber ganz andere Missbräuche von staatlicher/EU- Seite im [...]
Zitat von sysopDie EU will härter gegen Google durchgreifen als die USA. Wettbewerbskommissar Almunia droht mit harten Strafen, sollte der Internetkonzern seine Suchmaschineneinstellungen nicht bald ändern. Denn Google missbrauche seine marktbeherrschende Stellung. EU-Kommission: Google soll Suchergebnisse anders darstellen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eu-kommission-google-soll-suchergebnisse-anders-darstellen-a-876912.html)
"ich denke - ich befürchte - dass es einen Missbrauch dieser dominierenden Position gibt", sagte der EU-Kommissar in Interview." Da haben wir aber ganz andere Missbräuche von staatlicher/EU- Seite im Überwachungsbereich. Schaumschlägerei das. Bei aller Kritik daran - das ist eben Marktwirtschaft. Wenn VW seine Kunden bevorzugt an eigene VW-Kundendienste schleust ist das auch nichts anderes. Man muss weder VW fahren noch die Google-Suchmaschine benutzen. Oder man sucht einfach ein wenig ausführlicher und klickt nicht gleich auf den erstbesten Link. Reklame ist überall nervig dominant - da muss man sowieso permanent drüberhinwegschauen. Mir wärs lieber, der Herr Kommissar würde mehr gegen die reale, allgegenwärtige Reklameflut vorgehen.
5. Macht doch eine EU-Suchmaschine
MetalunaIV 11.01.2013
Google ist ein Unternehmen mit eigenen Wirtschaftsinteressen - und natürlich werden da die eigenen Produkte stärker beworben als andere. Gerne kann die EU aber eine eigene, öffentlich-rechtliche Suchmaschine aufbauen, die dann [...]
Google ist ein Unternehmen mit eigenen Wirtschaftsinteressen - und natürlich werden da die eigenen Produkte stärker beworben als andere. Gerne kann die EU aber eine eigene, öffentlich-rechtliche Suchmaschine aufbauen, die dann total fair und ohne jeden Einfluss von Lobbyisten, Politikern oder NGOs ihre Suchergebnisse ausspuckt - weil, so kennt man die EU: Unabhängig, demokratisch und bürgerorientiert.

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