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11.01.2013
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Feuer, Fensterriss, Ölleck

US-Luftfahrtbehörde ermittelt wegen Dreamliner-Pannen

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REUTERS

Nach einer ganzen Serie von Pannen bei Boeings Dreamliner schaltet sich die US-Luftfahrtaufsicht FAA ein. Die Behörde will umfassende Prüfungen durchführen lassen. Am Freitag musste wegen Problemen mit der Bremse erneut ein Dreamliner am Boden bleiben.

Washington - Die US-Luftfahrtbehörde FAA will der Pannenserie bei Boeings Prestigejet Dreamliner nicht länger tatenlos zusehen. Nach der mittlerweile vierten Panne in wenigen Tagen wird die FAA Ermittlungen aufnehmen. Sie kündigte eine umfassende Überprüfung aller kritischen Systeme der Boeing 787. Betroffen davon seien Design, Produktion und Bauteile der Maschine. Details will die Behörde am Freitag auf einer Pressekonferenz nennen.

Ähnlich wie am Airbus A380 in der Anfangszeit hatten sich zuletzt Zwischenfälle bei dem laut Listenpreis gut 200 Millionen Dollar teuren Boeing-Flugzeug gehäuft. Am Montag war in einem Dreamliner aus Tokio nach der Landung in Boston ein Feuer ausgebrochen. Am Dienstag wurde - ebenfalls in Boston - wegen eines Lecks am Treibstofftank der Start eines Dreamliners abgebrochen. Am Mittwoch musste wegen eines Problems an der Bremse einer Boeing 787 in Japan ein Inlandsflug annulliert werden.

Am Donnerstag verteidigte der Boeing-Chefingenieur öffentlich das Prestigeobjekt des Konzerns gegen Kritik und sagte, das Flugzeug sei absolut sicher. Jetzt kam allerdings ein weiterer Zwischenfall dazu: Auf einem Inlandsflug in Japan trat am Freitag ein Riss in der Scheibe des Cockpits einer 787 auf. Der Pilot konnte aber sicher landen. Die Maschine war am Freitag von Tokio nach Matsuyama im Südwesten des Landes geflogen, den Rückflug sagte die Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) ab. Der Grund für den Riss in der Cockpit-Scheibe war zunächst unklar.

An einer weiteren Dreamliner-Maschine am Flughafen Miyazaki wurde am Freitag ein Leck im Ölsystem entdeckt. Nach Überprüfung des Triebwerks sei die Maschine wieder zum Flug freigegeben worden, werde aber in Tokio erneut überprüft, teilte ANA mit.

Der 787 Dreamliner ist Boeings Prestigeprojekt. Das Langstreckenflugzeug ist zu einem großen Teil aus leichten Kohlefaserverbundwerkstoffen gefertigt und soll so bis zu 20 Prozent Treibstoff sparen. Die komplizierte Verarbeitung des Hightech-Materials hat die Produktion des Flugzeugs allerdings stark verzögert, erst drei Jahre später als geplant wurden die ersten Maschinen ausgeliefert.

Boeing will mit dem Dreamliner die Luftfahrt revolutionieren und den europäischen Rivalen Airbus stoppen: Die 787 bewältigt als erstes mittelgroßes Flugzeug Langstrecken. Fluggesellschaften sollen so künftig neue Nonstop-Flugrouten ins Programm aufnehmen. Airbus setzt mit seinem Großraumflieger A380 dagegen auf den Transport möglichst vieler Passagiere zu den großen Drehkreuzen der Welt.

nck/Reuters

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insgesamt 46 Beiträge
1.
PublicTender 11.01.2013
Airbus weiss schon warum sie GLARE verbauen. Das mit den Bremsen und den Leitungen ist allerdings peinlich, hoffentlich passiert da nicht noch mehr...
Zitat von sysopNach einer ganzen Serie von Pannen bei Boeings Dreamliner schaltet sich die US-Luftfahrtaufsicht FAA ein. Die Behörde will Ermittlungen aufnehmen. Am Freitag musste wegen Problemen mit der Bremse erneut ein Dreamliner am Boden bleiben. US-Luftfahrtbehörde ermittelt wegen Dreamliner-Pannen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/us-luftfahrtbehoerde-ermittelt-wegen-dreamliner-pannen-a-876970.html)
Airbus weiss schon warum sie GLARE verbauen. Das mit den Bremsen und den Leitungen ist allerdings peinlich, hoffentlich passiert da nicht noch mehr...
2. Auweia
abominog 11.01.2013
Also nichts gegen den Fortschritt, aber offenbar stossen gewisse Materialien mittlerweile an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Immerhin muss man auch unseren amerikanischen Freunden aufrichtig attestieren, dass derartige Pannen [...]
Also nichts gegen den Fortschritt, aber offenbar stossen gewisse Materialien mittlerweile an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Immerhin muss man auch unseren amerikanischen Freunden aufrichtig attestieren, dass derartige Pannen nicht gleich zwangsläufig verheerende Konsequenzen nach sich ziehen. Ich bin selbst ein paar mal mit einer Boeing geflogen und kenne die Belastungsgrenzen relativ gut. Bei einem Flug nach Berlin bin ich zum Beispiel mal mit einer 737 in Turbulenzen geraten, die ziemlich heftig waren. Es war kurz vor der Landung, als die Maschine in eine Schlechtwetterfront geriet und je näher wir dem Flughafen kamen, desto schlimmer wurde es. Es blitzte und donnerte um uns herum, dazu starker Regen, Windböen ohne Ende und selbstverständlich auch ein paar Luftlöcher, in der die Maschine offenbar innerhalb von Sekunden massiv an Höhe verlor. Es fühlte sich so an wie in einer Achterbahn, womöglich hatten alle Passagiere sogar kurzfristig das Vergnügen, die Schwerelosigkeit zu erfahren. Ich sass direkt neben einer Tragfläche und konnte deutlich sehen, wie diese erst stark vibrierte und dann in Schwingungen geriet. Die Tragfläche bog sich derart durch, so dass ich wirklich Angst bekam. Diesen Anblick werde ich nie vergessen. Dennoch hielt die Maschine diesen Belastungen stand, der Pilot landete sicher und als wir langsam ausrollten, spendeten sämtliche Passagiere spontan Beifall. Man kann unseren amerikanischen Mitbewerbern nur Glück wünschen, dass die neuen Maschinen "Dreamliner" ähnlich konzipiert wurden. Ich hoffe das wirklich, denn immerhin kann es durchaus passieren, dass ich auch mal in so einer Maschine sitze und plötzlich in eine heftige Schlechtwetterfront gerate...
3. Nothing to see here
contrail08 11.01.2013
Die 787 ist genau wie die A380 in einem Umfang, den sich ein Laie kaum vorstellen kann neu. Beide Hersteller gehen beim Versuch, den Energieverbrauch erheblich zu senken völlig neue Wege. Dabei treten technische Probleme auf, die [...]
Die 787 ist genau wie die A380 in einem Umfang, den sich ein Laie kaum vorstellen kann neu. Beide Hersteller gehen beim Versuch, den Energieverbrauch erheblich zu senken völlig neue Wege. Dabei treten technische Probleme auf, die ebenfalls ein Laie kaum verstehen kann. Wichtig ist, dass Menschen und Institute mit viel Kenntnis und Erfahrung die damit verbundenen Prozesse managen. So werden nach einer Reihe von Vorfällen formal jetzt Untersuchungen eingeleitet. Darin liegt keine Vorwegnahme eines Ergebnisses, gar dass das Flugzeug nicht sicher sei. Das Gegenteil ist der Fall: Bitte sehen sie diesen Untersuchungsprozess als weiteres Sicherheitsnetz in einer langen Prozesskette, die sicherstellt, dass die Luftfahrt immer effizienter und sicherer wird. Es ist heute kaum mehr vorstellbar, wie sicher die Luftfahrt im Vergleich zu dem 70er-Jahren geworden ist. Insofern stört mich der Kammerton der Meldung. Wenn es tatsächliche Zweifel am Produkt 787, den verbundenen Prozessen und Einsatzprofilen gäbe, würde die FAA die innerhalb von Stunden "grounden" - ausser Betrieb stellen. Das gab es zuletzt bei der DC-10-30 nachdem sich Strukturschwächen zeigten - an zwei schlimmen Totalverlusten. Also: Nothing to see here, alles erforderliche wurde und wird getan. Steigen Sie völlig beruhigt in jeden Airbus, jede Boeing oder Tupolev.
4. Bitte keine Verwechslungen...
contrail08 11.01.2013
... zwischen persönlichen Erlebnissen und unverstandenen Fachbegriffen. Lieber abominog, seien Sie ganz sicher, dass Sie die Belastungsgrenzen eines Airliners nicht kennen. Nur als Tipp: Die halten Dinge aus, die die Passagiere [...]
... zwischen persönlichen Erlebnissen und unverstandenen Fachbegriffen. Lieber abominog, seien Sie ganz sicher, dass Sie die Belastungsgrenzen eines Airliners nicht kennen. Nur als Tipp: Die halten Dinge aus, die die Passagiere nicht unverletzt überleben. Und sie flogen - so wie es sich anhört - auch nicht durch eine Front (woran sieht man das) sondern nahe an einer Gewitterzelle vorbei. Und Luftlöcher gibt es nur im Märchen. Ja, das war sicher ganz schön turbulent, doch auch hier bitte ganz entspannt. Ihre Piloten wissen genau was sie tun... und die kennen auch die erforderlichen Fachbegriffe...
5.
KlausErmecke 11.01.2013
Der A380 ist im Marktsegment der Boeing ex-Cash-Cow 747-400 angesiedelt, die früher das gesamte Geschäft für Flugzeuge oberhalb von 300 Sitzplätzen (Grenze je nach Komfortanspruch und Klasseneinteilung) monopolistisch abschöpfen [...]
Der A380 ist im Marktsegment der Boeing ex-Cash-Cow 747-400 angesiedelt, die früher das gesamte Geschäft für Flugzeuge oberhalb von 300 Sitzplätzen (Grenze je nach Komfortanspruch und Klasseneinteilung) monopolistisch abschöpfen konnte. Diese Cash-Cow zu schlachten war mindestens die strategische Sekundärzielsetzung von Airbus bei der Konzeption der A3XX alias A380. Das Segment der viel kleineren 787 wird von Airbus bisher mit dem A330 bedient, den Airbus in den letzten Jahren technisch immer mehr aufgewertet hat, sowie mit dem ganz neuen (und teureren) A350. Im untersten Segment greift Airbus die kleinste 787 mit einem ebenfalls aufgewerteten A321neo an, wie der gerade zugesagte Auftrag von Hawaiian Airlines zeigt.

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