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13.01.2013
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Auf dem Weg zur Weltmarktspitze

VW eröffnet sein 100. Werk in Mexiko

AP

Käfer-Taxis in Mexiko-Stadt: Hier muss Volkswagen um seinen Marktanteil nicht bangen

Es ist das 100. Werk weltweit. Am Dienstag eröffnet Volkswagen eine Motorenfabrik im mexikanischen Silao. Der Staat spielt eine Schlüsselrolle für das große Ziel von VW-Chef Winterkorn: den Konzern endlich zum Weltmarktführer zu machen.

Wolfsburg - 2012 dürfte Volkswagen die Absatzkrone noch verpasst haben. Toyota hat nach bisherigen Schätzungen die meisten Autos weltweit verkauft, und auch General Motors spielt ganz vorne mit. Bis spätestens zum Jahr 2018 wollen der Wolfsburger Konzern aber all seine Rivalen überholt haben. Autoexperten rechnen sogar damit, dass dies schon ein paar Jahre vorher gelingen könnte.

Auf dem Weg an die Spitze gibt Volkswagen mächtig Gas. Am 15. Januar eröffnet Konzernchef Martin Winterkorn das 100. Volkswagen-Werk weltweit. Es steht in Silao in Zentralmexiko. 700 Mitarbeiter werden hier jährlich 330 000 TSI-Motoren produzieren. Umgerechnet rund 400 Millionen Dollar hat sich Volkswagen die moderne Fabrik kosten lassen.

Von Silao aus gehen die Motoren sowohl ins mexikanische Puebla, wo bis vor zehn Jahren noch der legendäre Käfer vom Band lief, als auch in das 2011 eröffnete Passat-Werk im US-amerikanischen Chattanooga. Dank der Freihandelszone Nafta können die fertigen Wagen dann problemlos bis nach Kanada verkauft werden.

Vor Volkswagen liegt somit ein Markt mit 460 Millionen Menschen. Im Kampf um die weltweite Autokrone spielt Nordamerika für den Konzern eine Schlüsselrolle. Denn der Markt boomt. Alleine in den USA legten die Verkäufe im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 14,5 Millionen zu. Doch die Konkurrenz ist hart: Die Wolfsburger müssen sich hier sowohl den "Big Three" General Motors, Ford und Chrysler stellen, als auch den starken Asiaten mit Toyota an der Spitze.

In den USA noch Luft nach oben

Die Verkäufe der wichtigsten Konzernmarke VW dümpelten in den USA lange Zeit vor sich hin. Erst mit dem neuen Jetta (aus Puebla) und dem neuen, gegenüber der europäischen Version deutlich billigeren US-Passat (aus Chattanooga) wendete sich das Blatt. Die Premiumschwester Audi erreichte zuletzt sogar Rekordverkäufe. Der Gesamtkonzern legte in den USA im vergangenen Jahr um stattliche 31 Prozent zu auf 580 000 verkaufte Wagen. Damit hat Volkswagen allerdings gerade mal einen US-Marktanteil von rund 4 Prozent. Positiv formuliert: Da ist noch Luft nach oben.

Aus dem mexikanischen Straßenbild sind VW-Autos dagegen seit den Käfer-Zeiten kaum wegzudenken. Der konzernweite Marktanteil liegt hier bei rund 17 Prozent. Die Tochtergesellschaft Volkswagen de México wurde schon 1964 gegründet, derzeit arbeiten hier knapp 14 000 Menschen. Im VW-Werk Puebla laufen etwa der Beetle, der Jetta und der Golf Variant vom Band. Sie können nun mit Motoren aus Silao bestückt werden. Der Blick der Konzernstrategen reicht dabei aber nicht nur über den Grenzfluss Rio Grande in die Vereinigten Staaten; ebenso verlockend ist das robuste Wachstum in Zentralamerika.

Auch der Export in andere Teile der Welt wird erleichtert, weil Mexiko mehr Handelsabkommen unterhält als die USA. Unter anderem aus diesem Grund hat sich Audi entschieden, sein erstes Amerika-Werk in Mexiko zu errichten. Ab 2016 sollen dort sportliche Geländewagen vom Band rollen.

"Vieles spricht für das Land, auch die günstigen Arbeitskosten", sagt Branchenexperte Stefan Bratzel. "Aber man muss aufpassen: Die meisten Staaten wollen, dass neue Jobs dort entstehen, wo die Autos verkauft werden." Vor allem die patriotisch gesinnten US-Amerikaner lieben es, wenn ihr neuer Wagen auch im eigenen Land hergestellt wird. Das machten sich schon die Japaner zunutze und zogen Fabriken in den USA hoch. Heute ist Toyota dort die Nummer drei auf dem Markt nach GM und Ford. Auch Honda und Nissan gehören zur Topriege.

Nächster Schritt von VW in den USA könnte sein, einen günstigen, mittelgroßen Geländewagen in Chattanooga zu bauen. Entsprechende Überlegungen hatte Konzernchef Winterkorn im Oktober bei einem Besuch in New York geäußert. Betriebsratschef Bernd Osterloh hält die Aussichten für gut. Entschieden sei aber noch nichts, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Einen überraschenden Rückschlag erlitt Volkswagens amerikanische Expansionsstrategie allerdings in Brasilien: Der Autobauer soll dort bis zu 400.000 Fahrzeuge zurückrufen. Der Wolfsburger Konzern zeigte sich überrascht. Ein Gericht im Bundesstaat Rio Grande del Sul hatte am Freitag angeordnet, dass VW bestimmte Fahrzeuge des Modelljahrs 2009/10 zurückrufen muss. Bei vorzeitiger Abnutzung der Motoren könnten die Wagen extrem laut werden und zusätzliche Kosten für Ölwechsel anfallen, teilten die Richter mit. Volkswagen solle nun Anzeigen in den größten Zeitungen des Landes schalten, die Modelle Fox, Voyage und Novo Gol auf die Mängel hin untersuchen und für mögliche Ersatzteile aufkommen. Gegen das Urteil ist Berufung möglich.

VW teilte am Samstag mit, noch keine offizielle Kenntnis von dem Spruch zu haben. Man sei aber überrascht. Schließlich sei das Problem, von dem weder ein Gesundheits- noch ein Sicherheitsrisiko ausgehe, bereits 2009 erkannt worden. Damals sei mit mehreren brasilianischen Bundesstaaten unter anderem vereinbart worden, dass VW kostenlose Ölkontrollen anbiete und die Garantie für die Motoren verlängere. Volkswagen ist in Brasilien die zweitgrößte Marke. Der Wolfsburger Konzern hat im vergangenen Jahr dort 773.358 Autos verkauft und damit 21 Prozent des Marktes für sich gewonnen.

dpa/rtr

Forum

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insgesamt 31 Beiträge
1.
rotweisser 13.01.2013
Entweder Sportwagen ODER Geländewagen. Beides zusammen ergibt nur weichgespülte SUV für gelangweilte Großstadt-Snobs, die weder das eine noch das andere ihres möchtegern-Sportgeländewagens nutzen.
Entweder Sportwagen ODER Geländewagen. Beides zusammen ergibt nur weichgespülte SUV für gelangweilte Großstadt-Snobs, die weder das eine noch das andere ihres möchtegern-Sportgeländewagens nutzen.
2. Respekt
bürger 29 13.01.2013
Man kann es kaum glauben, aber im Moment macht Volkswagen kaum etwas falsch. Tolle Autos zu noch akzeptablen Preisen!
Man kann es kaum glauben, aber im Moment macht Volkswagen kaum etwas falsch. Tolle Autos zu noch akzeptablen Preisen!
3. Wasmist am Golf
friedenspfeife 13.01.2013
toll????? Und wo hoeren die akzeptablen Preise auf??????
Zitat von bürger 29Man kann es kaum glauben, aber im Moment macht Volkswagen kaum etwas falsch. Tolle Autos zu noch akzeptablen Preisen!
toll????? Und wo hoeren die akzeptablen Preise auf??????
4.
Steve Holmes 13.01.2013
Bei etwas über 1,3 Mio. € für den Bugatti Veyron 16.4 (http://de.wikipedia.org/wiki/Bugatti_Veyron_16.4)
Zitat von friedenspfeifetoll????? Und wo hoeren die akzeptablen Preise auf??????
Bei etwas über 1,3 Mio. € für den Bugatti Veyron 16.4 (http://de.wikipedia.org/wiki/Bugatti_Veyron_16.4)
5. 50% mehr Werke für 10% weniger Autos
WernerT 13.01.2013
Sollte die Überschrift lauten - denn sowohl GM als auch Toyota haben weniger Werke produzieren aber mehr Autos
Sollte die Überschrift lauten - denn sowohl GM als auch Toyota haben weniger Werke produzieren aber mehr Autos

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