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17.01.2013
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Boeings Pannenflieger

Behörden ziehen Dreamliner aus dem Verkehr

Weltweit ziehen Luftfahrtbehörden Konsequenzen aus der Pannenserie bei Boeing. Alle in den USA, Europa, Japan und Indien registrierten Dreamliner müssen vorläufig am Boden bleiben. Seit 1979 hat es keine derart drastische Aktion gegen einen amerikanischen Flugzeughersteller gegeben.

Washington - Es ist ein Desaster für den US-Luftfahrtkonzern Boeing. Nach der jüngsten Pannenserie beim Dreamliner müssen die meisten bisher ausgelieferten 787-Maschinen am Boden bleiben. Europa, Japan und Indien schlossen sich am Donnerstag einer entsprechenden Anordnung der US-Luftfahrtbehörde FAA an. Diese hatte angewiesen, die Dreamliner in den USA vorübergehend aus dem Verkehr zu ziehen.

Die Airlines müssten nachweisen, dass die Lithium-Ionen-Batterien sicher seien, bevor weitere Flüge erlaubt würden. Laut Analysten ist es das erste Mal seit 1979, dass Sicherheitsbehörden weltweit auf diese Weise gegen einen US-Flugzeugbauer vorgehen. Boeing-Chef Jim McNerney gab sich trotzdem zuversichtlich, dass der Dreamliner sicher sei. Man wolle so schnell wie möglich Lösungen für die Probleme finden. Der Boeing-Aktie half dies wenig. Sie gab im Handel nach Börsenschluss zwei Prozent nach.

Am Mittwoch musste eine 787-Maschine wegen Rauchentwicklung in der Kabine im japanischen Takamatsu notlanden. Das Verkehrsministerium in Tokio beschrieb den Vorfall als "höchst ernsthaft". Damit bezeichnen Sicherheitsbehörden eine Situation, die zu einem Unfall hätte führen können. Zuvor war es bereits zu einer Reihe von Zwischenfällen mit Dreamlinern gekommen. In den vergangenen Tagen war der Airbus-Rivale mit zwei Treibstofflecks, einem Batteriefeuer, einem Kabelproblem, einer Bremsstörung sowie einem zersprungenen Cockpit-Fenster in die Schlagzeilen geraten.

Die Rating-Agentur Moody's teilte bereits mit, die Vorfälle seien negativ für die Kreditwürdigkeit des US-Unternehmens, würden aber noch keine Herabstufung auslösen. Die Probleme bei Boeing könnten den Wettbewerb mit Airbus beeinflussen. Die EADS-Tochter hatte vor rund einem Jahr mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Damals ließen ein Triebwerksbrand sowie Haarrisse in den Tragflächen das Vertrauen in den Riesenflieger A380 schwinden.

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Superflieger: Die Pannen von Boeings Dreamliner
Boeing bekommt jedenfalls Zeit, den Problemen nachzugehen. Japans Vizeverkehrsminister Hiroshi Kajiyama teilte mit, es sei noch unklar, wie lange der Dreamliner am Boden gehalten werde. Japan ist bisher der größte Markt für die 787. Die beiden führenden japanischen Fluggesellschaften All Nippon Airways und Japan Airlines haben 24 der 50 bisher ausgelieferten Maschinen in Betrieb. Der Luftfahrtsprecher der indischen Regierung nannte ebenfalls kein Datum, wann der Dreamliner wieder abheben darf. Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA sagte, man schließe sich den Amerikanern an. In Europa operiert bisher nur Polens LOT Airlines mit dem Dreamliner.

yes/Reuters/dapd

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insgesamt 121 Beiträge
1. Große Lithium-Ion Akkus sind gefährlich
founder 17.01.2013
Große Lithium Ion Batterien sind gefährlich. Deswegen darf man auch nur ganz wenig Lithium-Ion Batterien in ein FLugzeug mitnehmen. Soviel halt wie der größte Notebook Akku hat. Für größere System sollte man nur [...]
Große Lithium Ion Batterien sind gefährlich. Deswegen darf man auch nur ganz wenig Lithium-Ion Batterien in ein FLugzeug mitnehmen. Soviel halt wie der größte Notebook Akku hat. Für größere System sollte man nur Lithium Eisen Phosphat verwenden, das ist sicher. Ich teste seit 2008 Elektroroller mit Lithium Eisen Phosphat Akkus. Zuletzt war ich bei Testfahrten dabei, wo ein 12 m Autobus mit 324 kWh Lithium Eisen Phosphat Akkus den Gaisberf rauf und runter fuhr (http://auto.pege.org/2012-elektrobus/). Ein Elektrofahrzeug mit Lithium Ion traue ich mir jedenfalls nicht in die Garage stellen. So 2005 sah ich ein Video über Beschußtests von Akkus welche die US Armee als Ausrüstung für Soldaten verwendet, ein so 2 kg schweres Akku Paket. Nach dem Beschuß war der Lithium Eisen Phosphat Akku einfach hin. Der Lithium Ion Akku begann hingegen zu brennen und jede einzelne der 24 Zellen ging mit einer großen Stichflamme hoch.
2. Nightmareliner
hadili 17.01.2013
Wie heißt es doch so schön? Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber manchmal könnte Konkurrenz auch Menschenleben kosten. Seit es zwei nahezu gleichwertige Flugzeugbauer gibt, treiben die sich gegenseitig zu immer größeren [...]
Wie heißt es doch so schön? Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber manchmal könnte Konkurrenz auch Menschenleben kosten. Seit es zwei nahezu gleichwertige Flugzeugbauer gibt, treiben die sich gegenseitig zu immer größeren Maschinen. Dass die neueste (vielleicht noch nicht ganz ausgereifte Technik) verbaut wird versteht sich von selbst. Die Entwicklungszeiten werden immer kürzer, die Kunden drängen und immer öfter kommen neue Maschinen mit mehrjähriger Verspätung auf den Markt. Boeing und Airbuss machen sich gegenseitig Druck. Gut für Neuentwicklungen, aber bitte nicht auf Kosten der Ausgereiftheit, der Testzeiten und schon gleich garnicht auf Kosten der Sicherheit. Abgesehen von den Menscheleben bei einem Totalverlust eines "Dreamliners" zum jetzigen Zeitpunkt wäre der Schaden für Boeing nur schwer reparabel. Also bitte langsamer und sorgfältiger entwickeln, ich möchte auch in Zukunft unbesorgt fliegen können.
3. Und welches Modell war
anders_denker 17.01.2013
1971 betroffen... könnte man dann ja schon noch erwähnen. Und warum!
1971 betroffen... könnte man dann ja schon noch erwähnen. Und warum!
4. Dass die Batterie...
HenryS 17.01.2013
... konstruktionstechnische Mängel aufweist, liegt wohl eher am Hersteller der Batterie und nicht an Boeing. Eine defekte Batterie macht aus dem Dreamliner noch lange kein schlechtes Flugzeug. Bei dem massiven Zuwachs des [...]
... konstruktionstechnische Mängel aufweist, liegt wohl eher am Hersteller der Batterie und nicht an Boeing. Eine defekte Batterie macht aus dem Dreamliner noch lange kein schlechtes Flugzeug. Bei dem massiven Zuwachs des Luftverkehrs, sind sparsamere Flugzeuge nicht nur wünschenswert, sondern eine Notwendigkeit. Man kann also nur hoffen, dass Boeing bald eine Lösung aus dem Hut zaubert und die Allgemeinheit sich nicht zu sehr auf die Meinung, dass der Dreamliner ein unsicheres Flugzeug sei, versteift.
5. Kinkerlitzchen
Bezahler 17.01.2013
Boing wird die Probleme bald in den Griff bekommen und mit dieser Maschine den Weltmarkt für sich zurückerobern.Der technische Vorsprung beträgt immer noch Jahre. Wer kann sich noch an die Einführung der 747 erinnern? Damals [...]
Boing wird die Probleme bald in den Griff bekommen und mit dieser Maschine den Weltmarkt für sich zurückerobern.Der technische Vorsprung beträgt immer noch Jahre. Wer kann sich noch an die Einführung der 747 erinnern? Damals war Boing faktisch pleite .Der amerikanische Staat mußte Boing stützen."Solch ein großes Flugzeug wird nie beherrschbar werden " In den folgenden Jahren hat sich die 747für Boing zu einer noch nie dagewesenen Cahs-Kuh entwickelt und deren Marktführerschaft für Jahrzehnte zementiert!Genauso wird es auch mit dem Dreamliner kommen.Also: Aktie noch weiter fallen lassen und dann kaufen.

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