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25.01.2013
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Vorsätzliche Körperverletzung

Schönheitspapst Mang zu Geldstrafe verurteilt

Von
dapd

Die Affäre um einen seiner früheren Ärzte hat für Werner Mang strafrechtliche Konsequenzen. Der Schönheitschirurg wurde vom Amtsgericht Lindau wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Er ließ einen Mediziner operieren, obwohl dieser keine Genehmigung dafür hatte.

Hamburg - Das Amtsgericht Lindau hat einen der prominentesten deutschen Ärzte verurteilt: Schönheitspapst Werner Mang von der Bodenseeklinik hat einen Strafbefehl wegen vorsätzlicher Körperverletzung in acht Fällen erhalten. Wie die Staatsanwaltschaft Kempten im Allgäu mitteilte, wurde gegen den Professor als ärztlichen Direktor der Bodenseeklinik eine Gesamtgeldstrafe von 200 Tagessätzen erlassen.

Nach Informationen des SPIEGEL soll die Geldbuße insgesamt rund 300.000 Euro betragen. Mang habe den Strafbefehl, der bereits vor einer Woche ergangen sei, inzwischen akzeptiert. Die Strafe sei also rechtskräftig, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Mang werde zur Last gelegt, dass er von Januar bis April 2009 in seiner Klinik einen Arzt habe operieren lassen, obwohl er wusste, dass dieser über keine gültige Approbation verfüge. Die Patienten hätten "bei Kenntnis der fehlenden Approbation keine Zustimmung zum medizinischen Eingriff gegeben", schreibt die Staatsanwaltschaft in einer Erklärung.

Anlass der Ermittlungen war ein Bericht des SPIEGEL vom Oktober 2011, der darlegte, dass Mang von einer Mitarbeiterin der Bodenseeklinik bereits im Jahr 2009 schriftlich darauf hingewiesen wurde, dass der Arzt Dr. Hecker über gar keine Approbation verfüge. Dennoch führe er in der Klinik eigenständig Operationen durch. Dieser Ärztin hatte Prof. Mang geantwortet: "Dr. Hecker hat eine offizielle Bewilligung, ärztliche Leistungen zu vollbringen, wie ... Assistenz bei Operationen unter meiner Aufsicht."

Der SPIEGEL berichtete damals jedoch, dass mehrere OP-Berichte zeigen, dass Hecker keineswegs nur als Assistent, sondern als alleiniger Operateur arbeitete. Über seinen Anwalt Steffen Ufer ließ Mang damals mitteilen: "Die Behauptung, dass Dr. Hecker ohne Assistenz operiert hätte, ist für unseren Mandanten vollkommen neu."

Ermittlungsbehörden stellten einige Fälle ein

In der Begründung für den Strafbefehl teilt die Staatsanwaltschaft nun mit, dass Mang Hecker "trotz Kenntnis" der fehlenden Approbation habe operieren lassen. Die Ermittlungsbehörde wirft Mang vor, Hecker im Frühjahr 2009 "in acht Fällen plastische, ästhetische oder rekonstruktive Operationen ermöglicht zu haben." Das heißt nicht, dass es nicht noch mehr Fälle gebe, teilte Staatsanwalt Gunther Schatz auf Anfrage mit. "Aber wir haben auch Fälle eingestellt, weil die betroffenen Patienten keine Angaben machen wollten."

Nach Veröffentlichung des SPIEGEL-Berichts hatten die Präsidenten mehrerer Fachgesellschaften Ermittlungen gegen Mang gefordert. Sein Berufskollege Wolfgang Gubisch, bis 2012 Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen, sagte damals: "Es ist notwendig, dass die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe klärt, denn die Ärztekammern sind dazu nicht in der Lage." Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen, Peter Vogt, sagte: "Wenn bei Mang tatsächlich ein Arzt ohne Zulassung operiert haben sollte, wäre das ein schwerwiegender Verstoß. Die Grundsätze der Patientensicherheit und das geltende Berufsrecht erfordern eine dringliche Aufklärung."

Gegen den Operateur Hecker hat das Amtsgericht Lindau ebenfalls einen Strafbefehl in Höhe von 220 Tagessätzen wegen vorsätzlicher Körperverletzung erlassen. Mangs Anwalt Steffen Ufer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Forum

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insgesamt 22 Beiträge
1.
Motorpsycho 25.01.2013
Ja und? Der Bundestag lässt mit $1631d BGB doch sogar Nichtmediziner operieren und geht straffrei nach Hause.
Zitat von sysopEr ließ einen Mediziner operieren, obwohl dieser keine Genehmigung dafür hatte.
Ja und? Der Bundestag lässt mit $1631d BGB doch sogar Nichtmediziner operieren und geht straffrei nach Hause.
2. Endlich einmal ein Urteil für den Aufschneider vom Bodensee
Roßtäuscher 25.01.2013
Logischerweise hat Mang als Chef seiner privaten Klinik die Pflicht, Zulassungen seiner angestellten Ärzte zu kontrollieren. Wer sonst soll das übernehmen. Als Privatmann kann ich auch nicht jeder x-beliebigen Person ein [...]
Zitat von sysopDie Affäre um einen seiner früheren Ärzte hat für Werner Mang strafrechtliche Konsequenzen. Der Schönheitschirurg wurde vom Amtsgericht Lindau wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Er ließ einen Mediziner operieren, obwohl dieser keine Genehmigung dafür hatte. Werner Mang: Schönheitschirurg wegen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/werner-mang-schoenheitschirurg-wegen-a-879739.html)
Logischerweise hat Mang als Chef seiner privaten Klinik die Pflicht, Zulassungen seiner angestellten Ärzte zu kontrollieren. Wer sonst soll das übernehmen. Als Privatmann kann ich auch nicht jeder x-beliebigen Person ein Fahrzeug geben, ohne seine Fahrerlaubnis zu kontrollieren. Ist der Tausendsassa (in Österreich "der Wunderwuzzi") der schönen Verwandlungen jetzt sauer auf Lindau und verlagert seine Gelddruckeinrichtung kurzerhand woanders hin? Könnte passieren, wenn er seinen "guten Ruf" beschmutzt sieht.
3. Mang operiert nicht immer
kuba84 25.01.2013
Des lustige ist dass die Leute die bei ihm unterm Messer liegen der Meinung sind er würde sie operieren...tja man bezahlt bei der OP für seinen Namen meistens die wenigsten Patienten werden von ihm persönlich operiert aber [...]
Des lustige ist dass die Leute die bei ihm unterm Messer liegen der Meinung sind er würde sie operieren...tja man bezahlt bei der OP für seinen Namen meistens die wenigsten Patienten werden von ihm persönlich operiert aber Vollnarkose "kaschiert" diese kleine Sache.
4. super!
silberstern 25.01.2013
Und wieder zeigt sich: Wenn es um Gesundheit und Leben eines Normal-Bürgers oder millionen- und milliardenschwere Schädigung der Gesellschaft geht, gibts für den Bessergestellten eine Strafe für die Portokasse. Unterschlägt der [...]
Und wieder zeigt sich: Wenn es um Gesundheit und Leben eines Normal-Bürgers oder millionen- und milliardenschwere Schädigung der Gesellschaft geht, gibts für den Bessergestellten eine Strafe für die Portokasse. Unterschlägt der Normal-Bürger einen Centbetrag oder nimmt sich halbvergammelte Reste aus einem Buffet, wird dessen Existenz nachhaltig vernichtet.
5. Mang der neue Pinocchio!
schreibwerk 25.01.2013
Lieber Herr Mang, sicher können Sie all die Nasen besser restaurieren wie andere, aber jetzt sollten Sie sich an Ihre eigene Nase fassen und nachdenken! So dummdreist kann doch keiner sein, dass er öffentlich behauptet nichts [...]
Lieber Herr Mang, sicher können Sie all die Nasen besser restaurieren wie andere, aber jetzt sollten Sie sich an Ihre eigene Nase fassen und nachdenken! So dummdreist kann doch keiner sein, dass er öffentlich behauptet nichts gewußt zu haben? Ich will nicht böse sein, aber sofort weg mit Ihrer Approbation! 300.000€ Strafe? Das sind lediglich drei bis vier voll restaurierte Damen, die Ihren Schaden wieder ausgleichen. Nichts gegen Ihre ärztliche Kunst, aber wird meine Frau bei Ihnen das nächste mal von einem Klempner restauriert? Wissen wir das?? Na ja, auch Pinocchio bekam eine lange Nase vor lauter Lügen... und wenn ich mir jetzt Ihre Nase so genau betrachte... grummel, grummel...mit Ihrer Approbation! 300.000€ Strafe? Das sind lediglich 3 vollrestaurierte Damen, die Ihren Schaden wieder beheben. Nichts gegen Ihre ärztliche Kunst, aber wird meine Frau bei Ihnen das nächste mal von einem Klempner restauriert? Wissen wir das?? Naja, auch Pinocchio bekam eine lange Nase vor lauter Lügen... wenn ich mir jetzt Ihre Nase so genau betrachte... grummel, grummel...

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