06.02.2013
GfK-Studie
Deutsche misstrauen Bankern - und lieben die Polizei
Skyline von Frankfurt am Main: Menschen misstrauen den Banken
Hamburg/Nürnberg - Krise und Finanzskandale haben bei den Deutschen ihre Wirkung hinterlassen. Inzwischen vertraut nicht einmal jeder dritte Bundesbürger noch Banken und Versicherungen. Das geht aus dem "Global Trust Report" hervor, einer Studie des GfK Vereins, dem Mehrheitsgesellschafter der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die SPIEGEL ONLINE vorab vorliegt. Der Analyse zufolge belegte die Finanzbranche zwar schon im Vorjahr den letzten Platz, büßte aber im Vergleich mit anderen Wirtschaftsbranchen in der aktuellen Erhebung noch einmal satte sieben Prozentpunkte ein.
"Hier wirken sich wohl vor allem die Skandale der letzten Zeit aus", sagte Raimund Wildner, Geschäftsführer des GfK Vereins. "Die reichen von Zinsmanipulationen bis hin zu Razzien wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung." Im internationalen Vergleich bildet Deutschland mit seinen Werten fast das Schlusslicht, nur Italiener und Spanier sind gegenüber dem Finanzsektor noch misstrauischer. Dort traut nicht mal jeder Fünfte den Banken und Versicherungen.
Ganz anders als in Europa sieht es beispielsweise in Indien aus. Dort vertrauen der Umfrage des GFK-Vereins zufolge 80 Prozent der Bürger den Banken und Versicherungen. Und auch im internationalen Durchschnitt liegt der Wert deutlich höher, beinahe zwei Drittel der rund 28.000 Befragten verlassen sich noch auf die Finanzbranche.
Parteien verlieren Vertrauen, aber Merkels Regierung gewinnt hinzu
Unter den abgefragten Wirtschaftsbranchen trauen die Deutschen nach wie vor am ehesten dem Handwerk, 87 Prozent halten diese Branche für seriös. Damit belegt sie - wie auch schon im vergangenen Jahr - klar den Spitzenplatz der elf untersuchen Wirtschaftsbereiche. Auf Rang zwei folgen die Hersteller von Unterhaltungs- und Haushaltsgeräten, Platz drei belegen die Autohersteller.
Bei den separat von den Wirtschaftsbranchen abgefragten gesellschaftlichen Institutionen in Deutschland genießt die Polizei unangefochten das meiste Vertrauen. 81 Prozent verlassen sich auf die Ordnungshüter, rund vier Prozent weniger als im letzten Jahr. Mit diesen Einbußen steht die Polizei nicht allein da. So verloren auch die Bundeswehr und die großen Konzerne an Vertrauen. Den letzten Platz der Institutionen belegen die politischen Parteien, gerade noch jeder Sechste bringt ihnen Vertrauen entgegen. Das entspricht auch dem internationalen Vergleich, in dem ebenfalls die politischen Parteien das Schlusslicht des Vertrauens-Rankings bilden.
Einzig die Bundesregierung konnte ein Vertrauensplus einfahren. Zwar rangiert sie mit 34 Prozent im hinteren Drittel des Rankings, konnte aber im Vergleich zum Vorjahr fünf Prozentpunkte hinzugewinnen. "Grund für diese Entwicklung könnte die - laut Medienberichten - positive Wahrnehmung des derzeitigen Krisenmanagements durch die Bundeskanzlerin sein", sagte Wildner.
Zur Studie: Die Ergebnisse des "GfK Global Trust Report" 2013 basieren auf rund 28.000 Verbraucherinterviews, die zwischen September und November in insgesamt 25 Ländern durchgeführt wurden. Grundlage der Untersuchung ist die Abfrage des Vertrauens in elf Branchen und zwölf Institutionen.
kut
