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19.02.2013
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Großrazzia bei S&K

Mit dem Rammbock gegen Anlagebetrüger

Von manager-magazin-online-Redakteur Christoph Rottwilm

1200 Ermittler waren im Einsatz, durchsuchten bundesweit Wohnungen und Büros: Mit einer Großrazzia sind Fahnder gegen einen mutmaßlichen Betrügerring rund um die Immobiliengruppe S&K vorgegangen. Die Beschuldigten sollen Tausende Anleger geschädigt haben, es geht um mehr als 100 Millionen Euro.

Frankfurt, Kennedyallee 123, Dienstagvormittag, zehn Uhr. Vor der Jugendstilvilla mit den goldenen Firmenschildern am Tor parken beinahe 30 Polizeifahrzeuge. Uniformierte Beamte steigen aus, rücken gegen das Gebäude vor. Einem Augenzeugen zufolge haben die Polizisten einen Rammbock dabei - der Hausbesitzer öffnet aber freiwillig.

Die Firma, die unter dieser Adresse residiert, heißt S&K, benannt nach den Initialen der Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller. Laut Eigendarstellung handelt es sich um ein Immobilienunternehmen, das mit dem Handel von Wohn- und Geschäftshäusern zu den großen Playern im deutschen Immobiliengeschäft aufsteigen will. Einen Immobilienbestand mit einem Volumen von über 1,7 Milliarden Euro verwaltet S&K angeblich bereits. Zudem werden laut Website Beteiligungen an Finanzdienstleistern mit Provisionserlösen von rund 100 Millionen Euro pro Jahr gehalten.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat offenbar ein anderes Bild der S&K-Gruppe. Laut Pressemitteilung ermittelt sie bereits seit 2012 umfangreich gegen S&K sowie gegen ein Partnerunternehmen in Hamburg. Bei letzterem handelt es sich um das Fondsemissionshaus United Investors, wie die Polizei Hamburg auf Anfrage bestätigt.

Die Behörde hegt einen "dringenden Tatverdacht": Die Verantwortlichen sollen über Jahre ein groß angelegtes Betrugssystem installiert haben. Im Rahmen eines "Schneeballsystems" seien fortlaufend Anlegergelder betrügerisch erlangt worden. Den Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf einen Betrag im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. "Tausende Anleger" seien betroffen, es gehe um "mehrere Anlagefonds im neunstelligen Euro-Bereich".

Fotostrecke

Ermittlungen gegen S&K: Razzia in Frankfurt am Main

Zwei Verhaftungen in Hamburg

In der Kennedyallee in Frankfurt fuhren laut Augenzeugen im Laufe des Tages zwei Polizei-Lkw vor, um kistenweise Material abzutransportieren. Insgesamt gab es in ganz Deutschland in Räumen der S&K sowie von deren Partnerunternehmen 130 Durchsuchungen. In Hamburg etwa wurden unter anderem zwei Firmensitze des Emissionshauses United Investors sowie zwei Privatwohnungen von Verantwortlichen des Unternehmens gefilzt. Auch eine Steuerberatungsgesellschaft in der Hansestadt erhielt Besuch von den Ermittlern.

Alles in allem waren in sieben Bundesländern rund 1200 Beamte im Einsatz. Der Schwerpunkt der Aktionen lag laut Staatsanwaltschaft in Hessen, Hamburg und Bayern. Sechs Haupttäter im Alter von 31 bis 70 Jahren wurden verhaftet. Dabei handelt es sich zum einen um die S&K-Chefs Schäfer und Köller, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt auf Anfrage bestätigt. Zudem wurden nach Informationen von manager magazin online zwei Geschäftsführer von United Investors verhaftet sowie zwei Personen, die nicht direkt der Firmengruppe S&K zuzurechnen sind, ihr jedoch zugearbeitet haben sollen.

Weitere Beschuldigte wurden vorläufig festgenommen, heißt es. Insgesamt werde gegen etwa 50 Personen ermittelt, darunter auch mehrere Notare und Rechtsanwälte. Zudem wurden bei der Razzia nach Angaben der Justiz Vermögenswerte von über 100 Millionen Euro gesichert, darunter Immobilien, Autos und Konten.

Abfahrt mit quietschenden Reifen

Von der S&K-Gruppe war zu den Vorgängen zunächst keine Stellungnahme zu bekommen. Auch eine Sprecherin von United Investors wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Völlig überraschend geriet die Firma S&K indes nicht ins Visier der Fahnder. Schon länger verfolgen Anlegerschützer und Marktkenner die Aktivitäten der S&K-Gruppe skeptisch. "Es wurde Zeit, dass sich Staatsanwälte der S&K annehmen und deren Geschäftsmodell systematisch unter die Lupe nehmen", sagt etwa Rechtsanwalt Marc Gericke von der Kanzlei Göddecke Rechtsanwälte in Siegburg. "Die fragwürdigen Geschäftspraktiken dieser Immobiliengruppe sind spätestens seit vergangenem November öffentlich."

Damals hatte manager magazin online berichtet, wie das Unternehmen bei der Bewertung von Immobilien aus dem eigenen Bestand augenscheinlich mogelt und so den eigenen Bestand offenbar künstlich in die Höhe treibt. Zuletzt war bekannt geworden, wie sich das Unternehmen im Bereich geschlossener Immobilienfonds ausbreitet.

Bemerkenswert: Auch für die S&K-Gruppe selbst kam der staatliche Besuch mit Rammbock womöglich nicht ganz unerwartet. Ein Augenzeuge will beobachtet haben, wie am späten Montagabend ein Wagen "mit quietschenden Reifen" vom Grundstück in der Kennedyallee 123 gefahren sei. Das, so der Beobachter, sei sonst nicht die Art der S&K-Leute.

Forum

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insgesamt 45 Beiträge
1. Ohne Beteiligung von Anwälten und Notaren
echo0815 19.02.2013
läuft nun mal nichts. Das sollte jeder mal einsehen und begreifen. Da wird man den Initiatoren eine gewisse "Gemeinnützigkeit und mildtätige Absichten" nicht absprechen. Daher tippe ich auf den Ausgang eines [...]
läuft nun mal nichts. Das sollte jeder mal einsehen und begreifen. Da wird man den Initiatoren eine gewisse "Gemeinnützigkeit und mildtätige Absichten" nicht absprechen. Daher tippe ich auf den Ausgang eines Prozesses mit einer Verwarnung und strenge Bestrafung derjenigen, die sich hatten einwickeln und verführen lassen.
2. Hoffentlich...
intenso1 19.02.2013
Hoffentlich müssen auch mal die "GROSSEN" daran glauben und nicht immer die "KLEINEN". Bei den "Kleinen" hat man tausend Beweise bei den "großen" fehlen sie plötzlich und ALLE leiden [...]
Zitat von sysop1200 Ermittler waren im Einsatz, durchsuchten bundesweit Wohnungen und Büros: Mit einer Großrazzia sind Fahnder gegen einen mutmaßlichen Betrügerring rund um die Immobiliengruppe S&K vorgegangen. Die Beschuldigten sollen Tausende Anleger geschädigt haben, es geht um mehr als 100 Millionen Euro. Razzia bei S&K: Mutmaßlicher Anlagebetrug mit Schneeballsystem - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/razzia-bei-s-k-mutmasslicher-anlagebetrug-mit-schneeballsystem-a-884391.html)
Hoffentlich müssen auch mal die "GROSSEN" daran glauben und nicht immer die "KLEINEN". Bei den "Kleinen" hat man tausend Beweise bei den "großen" fehlen sie plötzlich und ALLE leiden unter Gedächnisverlust.
3. Unschuldsvermutung? Fehlanzeige!
discipulus_neu 19.02.2013
Mappus, Schlecker und nun S&K. Wieder werden Leistungsträger der Gesellschaft kriminalisier. Westerwelle, Rösler und Niebel dürfen nicht schweigen. Schließlich geht es um ihr Clientele!
Zitat von sysop... Razzia bei S&K: Mutmaßlicher Anlagebetrug mit Schneeballsystem - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/razzia-bei-s-k-mutmasslicher-anlagebetrug-mit-schneeballsystem-a-884391.html)
Mappus, Schlecker und nun S&K. Wieder werden Leistungsträger der Gesellschaft kriminalisier. Westerwelle, Rösler und Niebel dürfen nicht schweigen. Schließlich geht es um ihr Clientele!
4. Wirklich lustig...
Dr.W.Drews 19.02.2013
...ist der Vergleich dieser Bilder vom Spiegel mit der gleichen Adresse bei google street view. Auf letzter stehen die fast schon klischeemäßig bevorzugten Luxuskarossen der Anlagebetrüger, auf den anderen die Polizeifahrzeuge. [...]
...ist der Vergleich dieser Bilder vom Spiegel mit der gleichen Adresse bei google street view. Auf letzter stehen die fast schon klischeemäßig bevorzugten Luxuskarossen der Anlagebetrüger, auf den anderen die Polizeifahrzeuge. Merke, wo zu viele Porsche stehen kommt bald die Polizeirazzia!
5. gier
autocrator 19.02.2013
schneeballsystem? in beiden artikeln ist das bisher nicht beschrieben worden. Wahrscheinlich ist es die frage nach der "Henne und dem Ei": sorry, wie blöd muss man eigentlich sein, und wie wenig muss man von [...]
schneeballsystem? in beiden artikeln ist das bisher nicht beschrieben worden. Wahrscheinlich ist es die frage nach der "Henne und dem Ei": sorry, wie blöd muss man eigentlich sein, und wie wenig muss man von wirtschaft und immobilienblase und finanzkrise der letzten 3 jahre mitbekommen haben, um allen ernstes glauben zu können, mit immobilienfonds ließen sich renditen von über 12% seriös erwirtschaften??? es ist die blanke unvernunft und reine gier der anleger, die sich von hochglanzbroschüren und billigen güldenen firmenlogos blenden lassen. Wenn dann noch notare (!), also leute mit einer exzessiven ausbildung und "organen der rechtspflege", da mitmischen, das ganze dann noch von managermagazinen hochgejubelt wird, und angeblich seit über 4 monaten die geschäftspraktiken "öffentlich bekannt" sind, sich aber offensichtlich kein staatsanwalt über ein viertel jahr befleissigt gefühlt hat, da was zu unternehmen (oibwohl die konkurrenz sicher zeter und mordio geschrieen hat) ... - das wird juristisch sicher interessant. Dummheit muss bestraft werden, deshalb hält sich das mitleid für die anleger auch ziemlich in grenzen.

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