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22.02.2013
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Betrugsaffäre

Skandalpleitier Jürgen Schneider beriet S&K-Chef

Von manager-magazin.de-Redakteur Christoph Rottwilm
WirtschaftsWoche

Neue Entwicklung im Anlageskandal: Ausgerechnet der schillernde Immobilienunternehmer, Milliardenpleitier und verurteilte Kreditbetrüger Jürgen Schneider beriet zeitweise einen der Chefs der S&K-Gruppe. Diese steht im Verdacht, Investoren um eine dreistellige Millionensumme betrogen zu haben.

Hamburg - Einer der Chefs der S&K-Gruppe wurde bei seinen Aktivitäten im Immobiliengeschäft zeitweise vom früheren Skandalpleitier Utz Jürgen Schneider beraten. Das hat Schneider heute im Gespräch mit manager magazin online bestätigt. Laut Schneider endete die geschäftliche Beziehung zu dem seit Dienstag inhaftierten Stephan S. allerdings, als dieser begann, ins Fondsgeschäft einzusteigen.

"Ich habe Stephan S. vor etwa fünf Jahren kennengelernt", sagt Schneider zu manager magazin online. "Zu der Zeit handelte S. gerade mit einfachen Wohnungen. Ich schaute mir seine Projekte und Zahlen an und gab hier und da Ratschläge." Laut Schneider war S. auf diesem Sektor des Immobilienhandels durchaus erfolgreich. Ohnehin, so der ehemalige sogenannte Baulöwe, sei dies ein "sehr gutes Geschäft, in dem man praktisch nicht pleitegehen kann".

Als S. seine Geschäfte ausweitete und auch geschlossene Fonds ins Spiel kamen, zog sich Schneider eigenen Angaben zufolge aus der Beratung zurück, weil er dort keine Ratschläge habe geben können. "Das Fondsgeschäft insgesamt ist überwiegend ein großer Sumpf in Deutschland, mit dem ich nichts zu tun haben will", sagt er. "Anleger verlieren dort regelmäßig viel Geld. Es ist gut, dass die Justiz einmal kräftig durchgreift." Der Markt, so Schneider, müsste allerdings auch stärker staatlich beaufsichtigt und kontrolliert werden, insbesondere die Banken, die ebenfalls dieses Geschäft betrieben.

Privat hatte Schneider eigenen Angaben zufolge bis zuletzt Kontakt zu S. Der S&K-Chef habe ihm erst kürzlich aus den USA ein Buch mitgebracht, so Schneider. Im Jahr 2008 habe er sogar einmal Weihnachten mit der Belegschaft von S&K bei S. zu Hause in Erlenbach gefeiert. Das sei jedoch ein ruhiges, solides Fest gewesen. Etwaige "Schampus-Partys mit Prominenten", von denen in den Medien die Rede ist, hat der frühere Immobilienunternehmer nach eigenen Angaben nie besucht. "Ich kenne S. als fleißigen, hilfsbereiten, fähigen und tierlieben Menschen", betont Schneider.

Schneider hinterließ gigantischen Schaden

Zum Hintergrund: Jürgen Schneider war einst einer der größten Immobilienunternehmer in Deutschland, der vor allem auf die Sanierung historischer Gebäude spezialisiert war. Mitte der neunziger Jahre legte er eine der größten Immobilienpleiten Deutschlands hin. 1995 wurde Schneider wegen Betrugs, Kreditbetrugs und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt.

Schneider hatte bei Banken und Geschäftspartnern einen gigantischen Schaden verursacht. Offene Forderungen in Höhe von beinahe sieben Milliarden D-Mark (rund 3,6 Milliarden Euro Chart zeigen) standen im Raum. Allein die Deutsche Bank blieb auf Forderungen von 1,2 Milliarden D-Mark sitzen. Legendär wurden in dem Zusammenhang die Worte des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Hilmar Kopper, der offene Handwerkerrechnungen aus der Schneider-Pleite in Höhe von rund 50 Millionen D-Mark auf einer Pressekonferenz als "Peanuts" bezeichnete - "Peanuts" wurde daraufhin zum Unwort des Jahres 1994.

1999 kam Schneider aus der Haft frei. Der 79jährige ist heute wieder als Immobilienberater für junge Unternehmer tätig.

Stephan S. ist einer der Köpfe der S&K-Gruppe, gegen die die Justiz in dieser Woche eine Großrazzia in ganz Deutschland durchführte. S. und weiteren Verdächtigen wird vorgeworfen, mit einem sogenannten Schneeballsystem Tausende Anleger um insgesamt einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag erleichtert zu haben. Dabei wurden den Anlegern mit Immobilieninvestments hohe Renditen versprochen. Die Beschuldigten waren bislang für keine Stellungnahme zu erreichen.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
1.
dongerdo 22.02.2013
..... wie der A**** auf den Eimer.....
Zitat von sysopDPANeue Entwicklung im Anlageskandal: Ausgerechnet der schillernde Immobilienunternehmer, Milliardenpleitier und verurteilte Kreditbetrüger Jürgen Schneider beriet zeitweise einen der Chefs der S&K-Gruppe. Diese steht im Verdacht, Investoren um eine dreistellige Millionensumme betrogen zu haben. Anlageskandal: Baulöwe Jürgen Schneider beriet Chef von S&K - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/anlageskandal-bauloewe-juergen-schneider-beriet-chef-von-s-k-a-885041.html)
..... wie der A**** auf den Eimer.....
2. Betrugsproblematik ist systemisch bedingt
sabine_26 22.02.2013
Die gesamte Betrugsproblematik ist systemisch bedingt und kann nur durch ein Verbot von Provisionen verhindert werden. Folgendes Grundprinzip muss immer gelten: "Der Auftraggeber bezahlt"! Auf Abschluss- Bestands- und [...]
Die gesamte Betrugsproblematik ist systemisch bedingt und kann nur durch ein Verbot von Provisionen verhindert werden. Folgendes Grundprinzip muss immer gelten: "Der Auftraggeber bezahlt"! Auf Abschluss- Bestands- und Verkaufsprovisionen können wir als Gesellschaft verzichten.
3. S & K & Schneider
eule_neu 22.02.2013
Der ehemalige Pleitier Schneider - ohne den wohl einige Bauten heute nicht stehen würden - ist immer gut für einen Artikel-Aufhänger. Also, was soll das, liebe Spiegel-Redakteure? Zu diesem Thema gibt es viel mehr und auch [...]
Der ehemalige Pleitier Schneider - ohne den wohl einige Bauten heute nicht stehen würden - ist immer gut für einen Artikel-Aufhänger. Also, was soll das, liebe Spiegel-Redakteure? Zu diesem Thema gibt es viel mehr und auch Interessanteres zu sagen: Also nicht aus jedem Peanut einen Artikel machen ...
4. Dreist!
g.bruno 22.02.2013
Schon sehr verwunderlich, dass solche Betrüger wie dieser Herr Schneider, die einen Miliardenschaden bei gutgläubigen Investoren und Handwerksfirmen verursacht haben, in Deutschland weiterhin als "Berater" tätig sein [...]
Schon sehr verwunderlich, dass solche Betrüger wie dieser Herr Schneider, die einen Miliardenschaden bei gutgläubigen Investoren und Handwerksfirmen verursacht haben, in Deutschland weiterhin als "Berater" tätig sein und seine Ausgüssen in manager magazin bzw. SPON verbreitern können. Es wäre das Mindeste, diese Sorte von Zeitgenossen wenigstens konsequent zu ignorieren.
5. Arbeit ohne Bezahlung??
Fettnäpfchen 22.02.2013
Es ist in der Tat schändlich, wie Anleger wiederum betrogen wurden. Aber eine ganze Branche deswegen in "Sippenhaft" zu nehmen und zu verteufeln, ist absolut falsch. Von den erfolgreichen Kapitalanlagen des [...]
Zitat von sabine_26Die gesamte Betrugsproblematik ist systemisch bedingt und kann nur durch ein Verbot von Provisionen verhindert werden. Folgendes Grundprinzip muss immer gelten: "Der Auftraggeber bezahlt"! Auf Abschluss- Bestands- und Verkaufsprovisionen können wir als Gesellschaft verzichten.
Es ist in der Tat schändlich, wie Anleger wiederum betrogen wurden. Aber eine ganze Branche deswegen in "Sippenhaft" zu nehmen und zu verteufeln, ist absolut falsch. Von den erfolgreichen Kapitalanlagen des sogenannten grauen Kapitalmarktes wird leider nie berichtet - und ich weiß sehr genau, worüber ich schreibe. Hundertprozentigen Anlegerschutz gibt es schlichtweg nicht. Vor Kriminellen schützt auch nicht das allerbeste Anlegerschutzgesetz. Man könnte den gesamten grauen Kapitalmarkt verbieten. Das wäre jedoch volkswirtschaftlich kontraproduktiv, denn immerhin schafft der SERIÖSE Teil des grauen Kapitalmarktes auch Arbeitsplätze. Provisionen zu verbieten, ist ebenfalls unsinnig. Wer arbeitet, verdient ein Honorar. Wichtig ist, dass Kapitalanlageberater völlig unabhängig, sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Anleger bewußt sind und keine unseriösen Produkte an den Mann/die Frau bringen. Ein seriöser Kapitalanlageberater kann durchaus die guten von den schlechten Kapitalanlagen unterscheiden. Provisionen gibt es sowohl für schlechte als auch für gute Produkte. Der seriöse Kapitalanlageberater, der seine Mandanten langfristig an sich binden möchte, wählt die guten Produkte. Ist doch logisch, oder?

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