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24.02.2013
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Konzern in der Krise

Opel-Werk Bochum droht schnelles Aus

Von Dietmar Hawranek
DPA

Opel-Werk in Bochum: Aus für die Produktion möglicherweise bereits Ende 2014

Der Plan für die Sanierung stand, doch nun drohen die Verhandlungen zwischen General Motors und den Arbeitnehmervertretern von Opel doch noch zu scheitern. Hardliner bei GM und in Bochum blockieren die Gespräche. Kommt es zu keiner Einigung, wird das Werk Bochum bereits Ende 2014 geschlossen.

Bochum - Seit Monaten verhandeln GM, die Arbeitnehmervertreter von Opel und die IG Metall über einen Sanierungsplan für den angeschlagenen Autohersteller, der weiter große Verluste macht. Die Gespräche sollen bis Ende Februar abgeschlossen sein. GM und die Arbeitnehmervertreter sind sich in vielen Punkten schon einig. So ist der US-Konzern bereit, die Produktion in Bochum bis 2016 weiterzuführen, Autoteile dort zu fertigen und anschließend eine Transfergesellschaft mitzufinanzieren, die versucht, bis 2018 neue Arbeitsplätze in Bochum anzusiedeln. Zudem soll eine Entwicklungsgesellschaft neue Jobs schaffen. Dieser Plan bietet Bochum die Chance, möglichst viele der bislang gut 4000 Arbeitsplätze zu erhalten, wenn die Autoproduktion eingestellt wird.

Doch jetzt blockiert GM eine Einigung mit einem Plan, der bei Opel als nicht akzeptabel abgelehnt wird: Die zentrale Fertigungsplanung, der Werkzeugbau und der Prototypenbau in Rüsselsheim sollen aufgegeben werden. Die Arbeiten sollen Fremdfirmen übernehmen und teilweise ins GM-Werk in Polen verlagert werden. Betroffen davon wären 700 Arbeitsplätze in Rüsselsheim. Arbeitnehmervertreter könnten einer solchen Verlagerung nicht zustimmen, ohne einen Aufstand in der eigenen Belegschaft zu verursachen.

Streit um Produktion eines neuen Dieselmotors

Als nicht akzeptabel für die Arbeitnehmervertreter gilt auch, dass der US-Konzern bislang nicht erklärt, welche Fahrzeugteile er künftig in Bochum fertigen lassen will, um einen Teil der Arbeitsplätze zu sichern. Möglich wäre beispielsweise die Fertigung eines Dieselmotors ab 2016. Doch diesen will GM lieber in Ungarn produzieren lassen. Damit drohen die Gespräche zu scheitern.

General-Motors-Manager machen den Bochumer Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel für ein mögliches Platzen der Verhandlungen verantwortlich. Man habe die Finanzierung von Opel für die nächsten Jahre garantiert, sagte ein GM-Manager. Man sei den Arbeitnehmern weitgehend entgegengekommen, um neue Arbeitsplätze in Bochum zu schaffen. Die Unternehmensberatung Boston Consulting prüfe, welche Teile der Konzern künftig in Bochum produzieren kann. Doch der Bochumer Betriebsrat stelle immer neue Forderungen. Man werde nicht ewig verhandeln, sagte der GM-Manager.

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insgesamt 246 Beiträge
1. Hilft doch alles nichts
karlsiegfried 24.02.2013
In den 1960ern wurde Steinkohle auf Halde produziert. Der Steuerzahler bezahlte diesen Unsinn. Sollen nun auch Autos auf Halde produziert werden die niemand kauft? Opel hat kein Beschäftigungsproblem, sondern ein Verkaufsproblem. [...]
In den 1960ern wurde Steinkohle auf Halde produziert. Der Steuerzahler bezahlte diesen Unsinn. Sollen nun auch Autos auf Halde produziert werden die niemand kauft? Opel hat kein Beschäftigungsproblem, sondern ein Verkaufsproblem. Wie Peugeot-Citroen auch. So spielt das Leben. Böse, aber wahr.
2.
gbk666 24.02.2013
Wird das Ding nicht sowieso schon ne Weile vom Steuerzahler mit subventioniert? Würde doch Sinn machen die Arbeiter dort schnellstens umzuschulen für zukunftssicherere Jobs als in der Autoindustrie. Die Tage des Wachstums dort [...]
Wird das Ding nicht sowieso schon ne Weile vom Steuerzahler mit subventioniert? Würde doch Sinn machen die Arbeiter dort schnellstens umzuschulen für zukunftssicherere Jobs als in der Autoindustrie. Die Tage des Wachstums dort sind doch schon lange vorbei.
3.
gbk666 24.02.2013
Wohlwahr..aber die meisten Mitmenschen sind da eher "kurzsichtig" und verstehen nicht das bestimmte Industriezweige einfach "out" bzw zu groß sind.
Zitat von karlsiegfriedIn den 1960ern wurde Steinkohle auf Halde produziert. Der Steuerzahler bezahlte diesen Unsinn. Sollen nun auch Autos auf Halde produziert werden die niemand kauft? Opel hat kein Beschäftigungsproblem, sondern ein Verkaufsproblem. Wie Peugeot-Citroen auch. So spielt das Leben. Böse, aber wahr.
Wohlwahr..aber die meisten Mitmenschen sind da eher "kurzsichtig" und verstehen nicht das bestimmte Industriezweige einfach "out" bzw zu groß sind.
4. bei
Felix HAW 24.02.2013
allem Respekt gegenüber der Belegschaft und den notwendigen Mitarbeitervertretern, irgendwann muss man der Realität ins Auge sehen und notwendige, wenn auch schmerzhafte Kompromisse eingehen. Oder man stürzt über seine [...]
allem Respekt gegenüber der Belegschaft und den notwendigen Mitarbeitervertretern, irgendwann muss man der Realität ins Auge sehen und notwendige, wenn auch schmerzhafte Kompromisse eingehen. Oder man stürzt über seine Sturheit und verliert damit alles!
5. Opel
flavour 24.02.2013
hat nicht nur eine schlechte Marktaufstellung und ein schlechtes Konzept sondern das Problem sehe ich auf einem ganz anderen Feld. Die Autos haben einfach an Qualität verloren aber das spiegelt der Preis nicht wieder. Es [...]
hat nicht nur eine schlechte Marktaufstellung und ein schlechtes Konzept sondern das Problem sehe ich auf einem ganz anderen Feld. Die Autos haben einfach an Qualität verloren aber das spiegelt der Preis nicht wieder. Es muss sich doch jeder nur mal in einen Astra setzen... - der Innenraum wirkt billig verarbeitet - das Auto ist bei der Zuverlässigkeit in das letzte Drittel gerutscht, dauernd ist irgendwas kaputt - die Fussfreiheit ist wie bei einem Kleinwagen - der Preis einfach zu hoch

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