Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Airbus gegen Boeing

WTO läutet Finale im Endlos-Handelsstreit ein

Jetzt steht es im weltgrößten Handelsstreit auch offiziell eins zu eins: Der US-Flugzeugbauer Boeing erhielt illegale Subventionen von mehr als fünf Milliarden Dollar. Allerdings hatte die Welthandelsorganisation bereits gigantische Beihilfen für den europäischen Konkurrenten Airbus angeprangert.

AFP

Überarbeitete Boeing 747: Alle sehen sich bestätigt

Donnerstag, 31.03.2011   19:29 Uhr

Genf - Der Handelsstreit über Milliardenhilfen für den Flugzeugbau zwischen Europa und den USA ist schier endlos. Nun sind auch die Amerikaner von der Welthandelsorganisation (WTO) abgewatscht worden.

Ein Ausschuss von WTO-Handelsrichtern entschied, dass Boeing mindestens 5,3 Milliarden Dollar an unrechtsmäßigen Beihilfen erhielt. Mit dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht wird das Ergebnis einer Entscheidung der WTO von Januar erläutert, die damals der EU und der US-Regierung zugegangen war.

Die Beihilfen an Boeing in den Jahren 1989 bis 2006 gelangten dem Entscheid zufolge sowohl über Programme der US-Weltraumbehörde NASA als auch des Pentagon an den Flugzeugbauer. Außerdem wertete die Genfer Organisation Steuererleichterungen auf Bundesebene und in den Bundesstaaten Washington, Kansas und Illinois als illegale Subventionen für den Flugzeugbauer. In dem 900-seitigen Abschlussbericht heißt es, dass diese Zahlungen "bedeutende" Verluste bei den Flugzeugverkäufen des europäischen Konkurrenten Airbus zur Folge gehabt hätten.

"Verhandlungslösung ohne Vorbedingungen"

In einem vergleichbaren Fall hatte die WTO im vergangenen Jahr ein Urteil gegen den europäischen Boeing-Rivalen Airbus gesprochen. Im weltweit größten Handelsstreit liegen sich die USA und die EU seit mehr als sechs Jahren in den Haaren.

Beide Parteien sehen sich durch die WTO bestätigt. EU-Handelskommissar Karel De Gucht klagte, die amerikanischen Hilfsgelder hätten europäischen Interessen deutlich geschadet. "Airbus büßte an Absatz ein, musste seine Flugzeugpreise senken und verlor unfairerweise Marktanteile an Boeing", erklärte De Gucht. Zugleich rief er die USA auf, sich an einen Tisch zu setzen und eine Lösung des Konfliktes auszuhandeln.

Der US-Handelsbeauftragte Ron Kirk machte geltend, dass die europäischen Hilfen viel höher seien. So hätten sich diese über die Jahre auf 20 Milliarden Dollar summiert, während die WTO die derzeitige Unterstützung für Boeing mit lediglich rund 2,7 Milliarden Dollar angegeben habe. Die EU habe ihre Unterstützung insbesondere in Form von Hilfskrediten mit besonders günstigen Zinsen gewährt.

Analysten glauben, dass beide Seiten wegen der Komplexität der Materie gezwungen sind, den Streit letztlich gütlich beizulegen. Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Er begrüßte die WTO-Entscheidung; mit Bezug auf beide Verfahren (um Boeing und um Airbus), erklärte er aber auch, es müsse "auf eine politische Verhandlungslösung ohne Vorbedingungen" hinauslaufen.

böl/Reuters/dapd

insgesamt 1 Beitrag
UnitedEurope 01.04.2011
1. Klar
Natürlich kriegen alle irgendwo irgendwie Subventionen. Die Frage ist doch nur, wer sie besser verstecken kann.
Natürlich kriegen alle irgendwo irgendwie Subventionen. Die Frage ist doch nur, wer sie besser verstecken kann.

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Fotostrecke

Fotostrecke

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP