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Wirtschaft

Betrugsverdacht

NordLB um Millionen geprellt

Schlag für die Norddeutsche Landesbank: Das Institut sieht sich als Opfer von betrügerischen Geschäften. Der Schaden soll sich auf bis zu 130 Millionen Euro belaufen - die Bank erstattete Strafanzeige.

DDP

Eingang der NordLB: Justizbehörden bereits aktiv

Freitag, 19.02.2010   12:21 Uhr

Hannover - Bisher ist die Norddeutsche Landesbank (NordLB) in Hannover ohne größeren Schaden durch die Bankenkrise gekommen. Doch nun ist die Landesbank bei betrügerischen Exportfinanzierungsgeschäften um einen hohen Millionenbetrag geprellt worden. "Wir haben Strafanzeige wegen Betrugsverdachts gestellt", sagte ein Sprecher des Unternehmens am Freitag in Hannover.

Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" ("HAZ") berichtete am Freitag unter Berufung auf Insider, dass es sich um einen Schaden in Höhe von "30 bis 130 Millionen Euro" handele. Diese Summen wollte der Sprecher der NordLB auf Anfrage aber nicht bestätigen. Einzelheiten könne er mit Rücksicht auf das laufende Ermittlungsverfahren in der Schweiz nicht nennen.

Betrogen wurden laut "HAZ" Manager der schweizerischen Skandifinanz Bank AG, die über eine weitere Luxemburger Gesellschaft zu 100 Prozent der gehört. Die Justizbehörden in der Schweiz seien bereits aktiv geworden, hieß es. Zu den Geschäften der Skandifinanz Bank AG gehören nach deren eigenen Angaben seit 1969 handelsbezogene Finanztransaktionen in alle Industriestaaten und wichtigen Schwellenländer.

In Finanzkreisen hieß es am Freitag, es bestehe der Verdacht, dass gefälschte Dokumente zur Exportfinanzierung eingereicht wurden.

Unter Hinweis auf das laufende Verfahren vermied auch der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) jede Stellungnahme. Er sagte lediglich: "Das ist ein höchst ärgerlicher Vorgang." Für die Bank bestehe aber "überhaupt gar keine Gefahr, weil das bei der Schweizer Firma und bei der Luxemburger Firma aufgefangen werden kann." Es seien Wirtschaftsprüfer beauftragt worden, den Vorfall zu untersuchen. Bereits am Dienstag hatte der Minister dem vertraulich tagenden Finanzausschuss des Landtags Bericht erstattet. Möllring ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der NordLB.

Aus Kreisen von CDU und SPD wurde betont, dass sich aus diesem Verlust "keine politische Debatte ergeben wird". Nach den gegenwärtigen Erkenntnissen sei jedenfalls dem Aufsichtsrat kein Vorwurf zu machen.

fro/dpa-AFX/ddp

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