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Wirtschaft

Preisabsprachen der Bierbrauer

Carlsberg wehrt sich gegen Kartellbußgeld - und riskiert höhere Strafe

Das Kartellamt hat mehrere Brauereien wegen verbotener Absprachen zu Bußgeldern verurteilt. Carlsberg zieht als Einzige dagegen vor Gericht - und geht ein großes Risiko ein.

REUTERS

Angezapft: Carlsberg

Mittwoch, 13.06.2018   10:08 Uhr

Am Oberlandesgericht Düsseldorf startet ein Verfahren im Zusammenhang mit dem sogenannten Bierkartell. Die Brauerei Carlsberg wehrt sich dabei als einziges beschuldigtes Unternehmen gegen Geldbußen, die das Bundeskartellamt wegen Preisabsprachen gegen elf Wettbewerber verhängt hat.

Das Bundeskartellamt hat 2013 und 2014 gegen elf Unternehmen, einen Verband und 14 Manager aus der Bierbranche Geldbußen in Höhe von rund 338 Millionen Euro verhängt. Die Strafen bezogen sich auf Absprachen in den Jahren 2006 und 2008 für Fass- und Flaschenbier. Laut den Ermittlungen führten sie dazu, dass ein Kasten Bier rund einen Euro mehr kostete und 100-Liter-Fässer etwa fünf bis sechs Euro teurer wurden.

Der größte Teil der Strafen entfiel dabei mit 222 Millionen Euro auf die zu Dr. Oetker gehörende Radeberger-Gruppe und Carlsberg Deutschland. Beide Brauereien akzeptierten die Bescheide des Bundeskartellamts nicht und zogen vor das Oberlandesgericht. Radeberger zog den Widerspruch einen Tag vor dem Prozessauftakt zurück. Nun geht es im dem anstehenden Verfahren nur noch um Carlsberg.

Der Rückzug von Radeberger könnte eine Vorsichtsmaßnahme vor noch höheren Strafen sein. Die Verhandlung des Widerspruchs vor dem OLG kann nämlich auch zu Ungunsten der Klägerin ausgehen, da das Gericht andere Bewertungsmaßstäbe anlegt als das Kartellamt. Während das Kartellamt seine Bußgeldbescheide auf Basis des Umsatzes berechnete, der zusätzlich durch die vorgeworfenen Preisabsprachen generiert wurde, orientiert sich das OLG am Gesamtumsatz des Unternehmens.

Das Gesetz sieht eine Strafe vor, die bis zu zehn Prozent dessen betragen kann. Carlsbergs Gang vor das OLG sei eine "Hochrisikostrategie", sagte Johannes Paha, Kartellexperte an der Uni Gießen. Dr. Oetker machte 2016 einen Umsatz von 11,7 Milliarden Euro, die Zahlen für 2017 wird das Unternehmen in der kommenden Woche vorstellen.

Andere Brauereien wie Bitburger, Veltins, Warsteiner und Krombacher hatten in den vergangenen Prozessen mit dem Kartellamt kooperiert und geringere Geldbußen akzeptiert. InBev, die ebenfalls angeklagte deutsche Tochter der belgischen Brauerei Anheuser-Busch, musste hingegen gar keine Strafe zahlen, weil sie dem Bundeskartellamt Informationen für das Verfahren geliefert hatte.

Das OLG hat bis September vorerst 20 Verhandlungstage angesetzt. Carlsberg wollte sich vor dem Prozessauftakt mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

ire/dpa-afxp

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