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Wirtschaft

Modell 737 Max 8

Boeing kündigt zügiges Software-Upgrade an

Der US-Flugzeugbauer plant ein Software-Update für sein Modell 737 Max 8 in den nächsten Wochen. Nach zwei Abstürzen innerhalb weniger Monate wollen mehrere Fluggesellschaften ihre Bestellungen zurückziehen.

REUTERS

Maschine des Boeing-Modells 737 Max 8 von Lion Air

Freitag, 15.03.2019   18:44 Uhr

Nach dem Flugzeugabsturz einer Ethiopian Airlines Maschine in Äthiopien will Flugzeugbauer Boeing die Modernisierung einer möglicherweise fehlerhaften Software an Bord des betroffenen Flugzeugtyps in den kommenden Wochen abschließen.

Der Zeitplan dafür habe sich nicht geändert, teilte der US-Flugzeugbauer mit. Boeing überarbeitet seit dem Absturz einer Maschine in Indonesien im Oktober die Software für Piloten-Anzeigen und andere Systeme.

Das Steuerungssystem MCAS war in den Verdacht geraten, für den Absturz der Boeing 737 Max am vergangenen Sonntag mit 157 Toten verantwortlich zu sein. Auch der ähnlich verlaufene Absturz einer Maschine gleichen Typs der Gesellschaft Lion Air im Oktober in Indonesien könnte durch einen Fehler in diesem System ausgelöst worden sein; darauf deuten bisherige Untersuchungsergebnisse hin.

Untersuchung der Blackbox in Frankreich

Mitarbeiter der französischen Luftsicherheitsbehörde (BEA) und Experten aus Äthiopien begannen in Frankreich mit der Auswertung der Flugschreiber, wie Ethiopian Airlines erklärte. Wie lange die BEA für die Analyse brauchen wird, hängt davon ab, wie stark die Flugschreiber beim Absturz beschädigt wurden. Die sogenannten Blackboxes zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache wohl entscheidend sein werden. Der Chef von Ethiopian Airlines kündigte an, die Untersuchung könne noch einige Tage dauern, aber es gäbe eindeutig Ähnlichkeiten zwischen diesem Absturz und dem in Indonesien.

Seit dem jüngsten Unglück in Äthiopien sind weltweit Flugverbote für die Boeing-Maschinen des Typs 737 Max erlassen worden, zuletzt auch in den USA. Der US-Flugzeugbauer teilte mit, das betroffene Modell vorerst nicht mehr auszuliefern.

Für Boeing ist der Absturz ein schwerer Imageschaden, der den Konzern teuer zu stehen kommen könnte. 78 Prozent der Bestellungen in den Auftragsbüchern betreffen die Max-Familie. Rund hundert Airlines haben bereits mehr als 5000 Maschinen geordert.

Weitere Produktion trotz Rückzug von Aufträgen

Mehrere Fluggesellschaften kündigten bereits einen Rückzug ihrer Bestellungen an: Die russische Fluggesellschaft Aeroflot kündigte an, die 20 Bestellungen zu streichen, wenn das Sicherheitsrisiko nicht beseitigt wird. Flyadeal aus Saudi-Arabien will mit seiner Entscheidung auf die Untersuchungsergebnisse der Blackbox warten. Die deutsch-türkische Fluggesellschaft SunExpress hält dagegen an ihren 32 Bestellungen des 737-Max-Modells fest.

Air Canada setzt dagegen das Flugverbot für die Boeing-Maschinen zu: Die Airline strich ihre Gewinnziele für das laufende Jahr. Das Unternehmen teilte mit, es arbeite weiter an einem Notfallplan, um mit der Situation umzugehen. Air Canada hat mehr als 20 Maschinen des Typs in ihrer Flotte. Jeder Tag, an dem die Flugzeuge nicht eingesetzt werden können, verursacht bei den Airlines Kosten, unter anderem weil sie Ersatzflugzeuge einsetzen und Piloten und Flugbegleiter umdisponieren müssen. Dadurch drohen Boeing Vertragsstrafen und Entschädigungsforderungen von Airlines, die ihre neuen Boeings plötzlich nicht mehr fliegen dürfen.

Der Luftfahrtkonzern will jedoch unverändert an der Produktion des Unglücksfliegers festhalten. Dadurch könnten sich vor den Toren des Unternehmens bald nagelneue Flugzeuge aus der Reihe 737 Max stauen. Der Flugzeugbauer produziert Analysten zufolge etwa 50 der Flieger im Monat, doch wegen des Flugverbots der US-Luftfahrtbehörde FAA kann Boeing die Maschinen nicht mehr ausliefern.

mal/AFP/Reuters/dpa

insgesamt 34 Beiträge
shardan 15.03.2019
1. Software Update?
Also will Boeing nun den vermutlich konstruktiven Mangel mit ein bisschen Software beheben... alles andere würde erhebliche Zeit und Geld (Neuabnahme, neue Typgenehmigung) kosten. Mit anderen Worten, nachdem Boeing schnell eine [...]
Also will Boeing nun den vermutlich konstruktiven Mangel mit ein bisschen Software beheben... alles andere würde erhebliche Zeit und Geld (Neuabnahme, neue Typgenehmigung) kosten. Mit anderen Worten, nachdem Boeing schnell eine Neuauflage bringen wollte und dabei offenbar geschlampt hat, wird dieser Fehler nun weiter fortgeschrieben? So wirklich Vertrauen flößen mir solche Maßnahmen nicht ein. Ich möchte nicht einer der Nächsten sein, die das ggf. letal testen müssen.
hileute 15.03.2019
2. Das ding ist ne Fehlkonstruktion
n Software Update hilft gar nichts, vor allem wird das keinen Piloten und Passagier beruhigen
n Software Update hilft gar nichts, vor allem wird das keinen Piloten und Passagier beruhigen
topsykrett 15.03.2019
3. Wieso SW Update?
Wie kommt denn der Hersteller auf die Idee, dass ein Software-Fehler die Ursache war? Die Blackbox ist doch noch gar nicht ausgewertet. Oder vielleicht kennt der Hersteller einfach sein Arsenal an Bugs in der Software..? Man kann [...]
Wie kommt denn der Hersteller auf die Idee, dass ein Software-Fehler die Ursache war? Die Blackbox ist doch noch gar nicht ausgewertet. Oder vielleicht kennt der Hersteller einfach sein Arsenal an Bugs in der Software..? Man kann spekulieren..
frenchie3 15.03.2019
4. @3 Wieso update?
Weil beim ersten Unglück schon was gefunden wurde und die seitdem dran sind? Oder weil es intern schon bekannt war? Oder nur so, aus Spaß?
Weil beim ersten Unglück schon was gefunden wurde und die seitdem dran sind? Oder weil es intern schon bekannt war? Oder nur so, aus Spaß?
HardiJo 15.03.2019
5. Mit Software-Upgrade...
...wird mittlerweile alles behoben !? Siehe Diesel-Skandal - immer noch nicht beendet. Hier geht es aber um die Sicherheit der Crews und der Passagiere. Was soll dieses Vorschieben möglichen Fehlerbehebungen ???
...wird mittlerweile alles behoben !? Siehe Diesel-Skandal - immer noch nicht beendet. Hier geht es aber um die Sicherheit der Crews und der Passagiere. Was soll dieses Vorschieben möglichen Fehlerbehebungen ???

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Boeing

Der Konzern
Boeing ist mit einem Umsatz von fast 70 Milliarden Dollar und rund 170.000 Mitarbeitern der größte Flugzeughersteller der Welt. Neben Passagierflugzeugen ist das Unternehmen auch im Verteidigungssektor und in der Raumfahrt aktiv.
Die Geschäftsfelder
Boeing erzielt jeweils rund die Hälfte seines Umsatzes mit den beiden Bereichen "Kommerzielle Flugzeuge" und "Verteidigung, Raumfahrt & Sicherheit". Zu den bekanntesten Produkten des Konzerns gehören der Jumbojet (B747) und die AWACS-Aufklärungsflugzeuge.
Der Chef
Jim McNerney ist seit 2005 Vorstandsvorsitzender von Boeing. Nach einem Studium in Yale und Harvard arbeitete er unter anderem beim Konsumgüterhersteller Procter & Gamble, der Unternehmensberatung McKinsey und dem Mischkonzern General Electric.

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