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Wirtschaft

3500 Arbeitsplätze bedroht

Honda will wichtiges Werk in Groß­britannien schließen

Der japanische Autohersteller Honda will sein Werk im britischen Swindon schließen. Damit gehen 3500 Arbeitsplätze verloren. Auch der drohende harte Brexit soll eine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben.

REUTERS

Honda-Werk in Swindon

Montag, 18.02.2019   17:01 Uhr

Das Werk des japanischen Autokonzerns Honda im westenglischen Swindon ist von einiger Bedeutung für die gesamte Autoindustrie des Landes: Im vergangenen Jahr wurde dort mehr als jedes Zehnte aller in Großbritannien gebauten Autos produziert - mehr als 160.000 Fahrzeuge der Modelle Civic und CR-V. Doch nun droht dem Riesenwerk das Aus: Honda will das Werk mit 3500 Beschäftigten im Jahr 2022 schließen, berichten Sky News und die BBC übereinstimmend unter Berufung auf Insider. Ein von der Nachrichtenagentur Reuters nicht namentlich genannter Abgeordneter bestätigte die Pläne.

Den Berichten zufolge soll das Aus für Swindon offiziell am Dienstag bekannt gegeben werden. Das Unternehmen wollte auf Anfrage der BBC keine Stellung nehmen. Das britische Wirtschaftsministerium bezeichnete die Berichte als Spekulation, die man nicht kommentieren wolle.

Bei der Entscheidung soll den Berichten zufolge der drohende harte Brexit zwar nicht der einzige Grund gewesen sein, aber auch eine Rolle gespielt haben - vor allem die damit verbundenen möglichen Autozölle, die für Autos aus Großbritannien bei der Einfuhr in die EU erhoben werden könnten. Aber auch andere Ursachen haben demnach zu dem Entschluss geführt, die Fabrik stillzulegen.

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Durch die Schließung wären die 3500 Arbeitsplätze in dem Werk bedroht. Honda plane, die Produktion von Swindon zurück nach Japan zu verlegen, berichtet Sky News. Das Werk in Großbritannien ist das einzige des japanischen Konzerns in der gesamten EU.

Der von Reuters zitierte britische Abgeordnete bestritt aber einen Zusammenhang mit dem Brexit. Vielmehr sei es eine Reaktion auf die Veränderungen im Weltmarkt, Honda wolle die gesamte Produktion für Europa in Japan konzentrieren. Die Werksschließung sei ein "harter Schlag" für ganz Großbritannien und insbesondere die Region um Swindon.

In den vergangenen Wochen hatten mehrere Autokonzerne mit Fabriken in Großbritannien eindringlich vor den Folgen eines ungeregelten Austritts aus der EU gewarnt - und teilweise drastische Konsequenzen verkündet. So drohte etwa der US-Konzern Ford damit, Teile der Produktion aus dem Land abzuziehen, sollte es kein Abkommen mit der EU geben.

Mit Nissan hat bereits ein anderer japanischer Autobauer die Entscheidung getroffen, einen neuen SUV in Japan statt im Vereinigten Königreich zu bauen. Und Honda selbst hatte angekündigt, im April seine gesamte britische Produktion für sechs Tage zu stoppen, um die Logistik nach dem für den 29. März terminierten Brexit wieder in den Griff zu bekommen. Sollte es bis dahin kein Abkommen mit der EU oder eine Verlängerung der Verhandlungsfrist geben, drohen dann Zölle und Grenzkontrollen.

Anmerkung der Redaktion: Das in Swindon gefertigte Honda-Modell heißt CR-V - und nicht wie in einer früheren Version dieses Artikels CV-R.

fdi/Reuters

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