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Wirtschaft

EuGH gibt Luxuskosmetik-Hersteller recht

Markenhersteller dürfen Verkauf über Amazon verbieten

Darf ein Hersteller von Luxusartikeln den Vertrieb über Plattformen wie Amazon oder Ebay verbieten? Ja, sagt der Europäische Gerichtshof - und gibt damit dem Kosmetikunternehmen Coty recht.

DPA

Coty-Konzernzentrale in New York

Mittwoch, 06.12.2017   14:18 Uhr

Anbieter von Luxusprodukten wie hochwertigen Parfüms können ihren Vertragshändlern verbieten, die Waren über eine Drittplattform wie Amazon oder Ebay zu verkaufen. Solch ein Verbot sei geeignet, das Luxusimage der Waren sicherzustellen, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem am Mittwoch in Luxemburg verkündeten Urteil (Az. C-230/16).

Im Ausgangsfall hatte der Luxuskosmetik-Anbieter Coty Germany seinen autorisierten Händlern das Internetgeschäft mit Parfüms etwa der Marke Jil Sander zwar als "elektronisches Schaufenster" des Ladengeschäftes erlaubt. Den Verkauf über die Massenhandelsplattformen Ebay und Amazon hatte er aber verboten. Als sich ein Händler nicht daran hielt, zog Coty vor Gericht.

Dem EuGH zufolge verstößt ein selektives Vertriebssystem, das vor allem der Sicherstellung von Luxuswaren dient, grundsätzlich nicht gegen EU-Recht. Die Auswahl der Wiederverkäufer müsse aber anhand objektiver Gesichtspunkte erfolgen, die für alle einheitlich festgelegt sein müssten.

Der Gerichtshof wies zudem darauf hin, dass die Qualität von Luxuswaren nicht allein auf ihren materiellen Eigenschaften beruht, sondern auch auf ihrem "Prestigecharakter, der ihnen eine luxuriöse Ausstrahlung verleiht". Diese Ausstrahlung sei ein wesentliches Element solcher Waren, da die Verbraucher sie dadurch von anderen ähnlichen Produkten unterscheiden könnten. Daher sei eine Schädigung der luxuriösen Ausstrahlung geeignet, die Qualität der Waren selbst zu beeinträchtigen.

stk/AFP

insgesamt 8 Beiträge
SchwedenSkydiver 06.12.2017
1. Amazon und Pricerunner
...treu nach der Devise "erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Wald gerodet..." werden die Systeme um Amazon und Co dafür sorgen, dass Luxus und Premiumartikel es immer schwerer haben neue Innovationen [...]
...treu nach der Devise "erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Wald gerodet..." werden die Systeme um Amazon und Co dafür sorgen, dass Luxus und Premiumartikel es immer schwerer haben neue Innovationen voranzutreiben. Die Margen schrumpfen und das längst nicht mehr in einem gesunden Maße. Nur sieht das der Konsument nicht. Erst wenn der eigene Arbeitsplatz, die Forschung und Entwicklungen, etc. nicht mehr finanzierbar sind wird man aufwachen. Ich versuche wo es geht fair einzukaufen. Das bedeutet für mich eben nicht bei Amazon und Co. Es ist aber eine Welle, die man nicht mehr aufhält. Ob im unteren Preissegment/commodities oder im Luxussegment. Da heisst es abwarten und dann sehen, was übrig bleibt.
Georg_Alexander 06.12.2017
2. Fragwürdige Qualität
'Qualität' entsteht dadurch, dass ich sie nur beim exclusiven Dealer an der Ecke kaufen kann? Auf diese Art der Qualität kann man getrost verzichten. Aber manche Leute zahlen ja auch Tausende von Euros für ein neckisches [...]
'Qualität' entsteht dadurch, dass ich sie nur beim exclusiven Dealer an der Ecke kaufen kann? Auf diese Art der Qualität kann man getrost verzichten. Aber manche Leute zahlen ja auch Tausende von Euros für ein neckisches Handtäschchen - statt ehrlich Steuern zu zahlen.
alleinerziehend_mit_mann 06.12.2017
3. Da gehts wohl um was Anderes
Wenn Firmen den Verkauf ihrer Produkte bei Amazon scheuen, möchten sie verhindern, dass Käufer ehrliche Bewertungen abgeben können. Nicht dass das überteuerte Teil plötzlich als solches entlarvt wird.
Wenn Firmen den Verkauf ihrer Produkte bei Amazon scheuen, möchten sie verhindern, dass Käufer ehrliche Bewertungen abgeben können. Nicht dass das überteuerte Teil plötzlich als solches entlarvt wird.
noalk 07.12.2017
4. Alle Waren sind gleich
Aber manche Waren sind gleicher als andere. Mit diesem Urteil wird "Luxus" erstmals rechtlich definiert. Ich bin sehr verwundert.
Aber manche Waren sind gleicher als andere. Mit diesem Urteil wird "Luxus" erstmals rechtlich definiert. Ich bin sehr verwundert.
cajun_moon 07.12.2017
5. Der EuGH liegt absolut richtig
Der EuGH liegt absolut richtig. Die Geschichte eines Gegenstands ist wesentliches Element seiner Eigenschaften. Wer zahlt für ein Meisterwerk Millionen, wenn es nicht von einem bekannten Maler (und damit: von einer bekannten [...]
Der EuGH liegt absolut richtig. Die Geschichte eines Gegenstands ist wesentliches Element seiner Eigenschaften. Wer zahlt für ein Meisterwerk Millionen, wenn es nicht von einem bekannten Maler (und damit: von einer bekannten Marke) stammt?

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