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Wirtschaft

Teurer Wechsel nach Turin

Fiat-Arbeiter wollen wegen Ronaldo streiken

Cristiano Ronaldo wechselt zu Juve - viele italienische Fans sind begeistert. Eine Gewerkschaft kritisiert allerdings die hohe Ablösesumme: "Ist das normal, ist das fair?" Jetzt drohen Konsequenzen.

REUTERS

Cristiano Ronaldo

Mittwoch, 11.07.2018   17:48 Uhr

Der Weltfußballer Cristiano Ronaldo hat viele Fans - auch in Italien. Sein bevorstehender Wechsel zu Juventus Turin bringt jetzt allerdings italienische Fiat-Arbeiter gegen ihren Konzern auf. Sie wollen aus Protest streiken.

Die Gewerkschaft USB bezeichnete die Zahlung einer Ablösesumme von 112 Millionen Euro durch den italienischen Fußballmeister als "nicht hinnehmbar". Die Agnelli-Familie, die Juventus Turin kontrolliert, ist auch der größte Aktionär des Automobilkonzerns Fiat-Chrysler Automobiles (FCA). Ronaldo spielte bislang bei Real Madrid.

Medienberichten zufolge sollen 30 Millionen Euro aus den Kassen der Firma Fiat kommen. Ronaldo solle im Gegenzug zur Werbefigur der Automarke werden, hieß es.

Gewerkschaft fordert mehr Geld für die Produktion

Der Proteststreik soll vom Abend des 15. Juli bis zum Morgen des 17. Juli im Fiat-Werk in Melfi in der süditalienischen Provinz Potenza stattfinden. Die USB forderte das Unternehmen auf, mehr Geld in die Autoproduktion zu investieren und Arbeitsplätze zu sichern.

DPA

Fiat-Fabrik Melfi (Archiv)

"Jahrelang hatte das Unternehmen von den Arbeitern große finanzielle Opfer verlangt", schreibt die Gewerkschaft. "Ist das fair? Ist es normal, dass eine einzelne Person Millionen verdient und Tausende von Familien mit ihrem Geld nicht bis Mitte des Monats auskommen?"

Der Transfer kostet den Verein Klubangaben zufolge insgesamt 112 Millionen Euro. Hinzu komme das Nettogehalt für Ronaldo in den kommenden vier Spielzeiten in Höhe von 120 Millionen, heißt es. Mit Steuern und Abgaben wären das laut italienischen Medien brutto zwischen 240 und knapp 300 Millionen Euro. Ob sich der Klub einen solchen finanziellen Kraftakt leisten kann, wird derzeit heftig debattiert.

brt/dpa

insgesamt 37 Beiträge
Europa! 11.07.2018
1. Richtig
Es ist eine Frage der Mitbestimmung, ob man eine Investition in überalterte "Spitzenspieler" mitträgt oder nicht. Der Streik ist mehr als berechtigt, um der zynischen Spekulation der Bosse Paroli zu bieten. Die [...]
Es ist eine Frage der Mitbestimmung, ob man eine Investition in überalterte "Spitzenspieler" mitträgt oder nicht. Der Streik ist mehr als berechtigt, um der zynischen Spekulation der Bosse Paroli zu bieten. Die FIAT-Arbeiter wollen keine "Spiele", sondern mehr Lohn.
axel_roland 11.07.2018
2. Die Summe scheint absurd hoch, aber
die Nachfrage regelt den Preis und wenn Vereine so viel bezahlen können, weil Werbeverträge bei Spielerfolg so viel einbringen, dann ist das eben der Marktpreis. "Schuld" daran sind die vielen Zuschauer, die sich das [...]
die Nachfrage regelt den Preis und wenn Vereine so viel bezahlen können, weil Werbeverträge bei Spielerfolg so viel einbringen, dann ist das eben der Marktpreis. "Schuld" daran sind die vielen Zuschauer, die sich das ganze dann eben anschauen. Deswgeen erhalten die Frauen-WM-Spielerinnen auch nur einen Bruchteil der Männlchen WM-Spieler. Nicht weil sie schlechter sind, sondern weil die Zuschauerzahlen und damit die Werbeeinnahmen entsprechend geringer sind. Das ist weder unfair noch sexistisch, sondern zutiefst demokratisch: Der Zuschauer hat es in der Hand.
sake2013 11.07.2018
3. ..Marktwirtschaft im Sport
..naja, noch macht "der Fan" das mit - aber der Bezug zu dem Volk geht verloren oder ist eigentlich schon nicht mehr da. Wenn man nämlich vorher schon weiß, wer gewinnt wird nicht mehr lange dauern - wir können ja [...]
Zitat von axel_rolanddie Nachfrage regelt den Preis und wenn Vereine so viel bezahlen können, weil Werbeverträge bei Spielerfolg so viel einbringen, dann ist das eben der Marktpreis. "Schuld" daran sind die vielen Zuschauer, die sich das ganze dann eben anschauen. Deswgeen erhalten die Frauen-WM-Spielerinnen auch nur einen Bruchteil der Männlchen WM-Spieler. Nicht weil sie schlechter sind, sondern weil die Zuschauerzahlen und damit die Werbeeinnahmen entsprechend geringer sind. Das ist weder unfair noch sexistisch, sondern zutiefst demokratisch: Der Zuschauer hat es in der Hand.
..naja, noch macht "der Fan" das mit - aber der Bezug zu dem Volk geht verloren oder ist eigentlich schon nicht mehr da. Wenn man nämlich vorher schon weiß, wer gewinnt wird nicht mehr lange dauern - wir können ja nicht alle BayernFans sein! Die Schere öffnet sich überalle zu weit. Bundesliga, Europapokal - würde das eher wie in den USA machen, jede Mannschaft hat ein max. Buget und fertig... und dieses sollte demokratisch bestimmt werden ;-)
bommipit 11.07.2018
4. Irgendwie haben die Arbeiter recht mit dem Streik
Das was im Fussball zur zeit abläuft ist nicht mehr normal. Ich bin wahrlich ein Fussballfan und gehe gerne ins Stadion,aber mir erschließen sich die hohen Ablösesummen auch nicht. Warum ist ein einzelner Mensch soviel wert. [...]
Das was im Fussball zur zeit abläuft ist nicht mehr normal. Ich bin wahrlich ein Fussballfan und gehe gerne ins Stadion,aber mir erschließen sich die hohen Ablösesummen auch nicht. Warum ist ein einzelner Mensch soviel wert. Mir kann niemand erzählen das dieses Geld wieder rein kommt. Weder durch Eintrittsgelder noch Fernsehgelder. Sky habe ich schon lange abgeschafft,weil zu teuer. Ich denke mal viele haben so gedacht und gekündigt. Zumal es ja auch nicht mehr alles zu sehen gibt. Man braucht ja 3 Abos,bei verschiedenen Anbietern,um alles sehen zu können. Ich arbeite im Baunebengewerbe und wir machen Fassaden und Glasdachkonstruktionen. Unsere Vertreter hören oft das ein Angebot zu teuer ist,aber im Fussball scheint Geld keine Rolle zu spielen. Ist wohl ein Hobby der Reichen geworden. Und bei Fiat wird es wohl bald heißen das Leute entlassen werden weil man sich übernommen hat oder der Gewinn der Aktionäre ja weiterhin stimmen muss. Und nebenbei bemerkt,sollte mein Verein die Stadionpreise erhöhen um diesen Wahnsinn zu finanzieren gehe ich nicht mehr ins Stadion. Das sollten dann viele machen.
schehksbier 11.07.2018
5.
Die teils perversen Ablösesummen sowie unbegreifliche Spielergehälter sind möglich, solange Konsumenten diesen Wahnsinn hinnehmen bzw. unterstützen. Ob überhöhte Eintrittspreise in die Stadien, minderwertiges Gelumps aus den [...]
Die teils perversen Ablösesummen sowie unbegreifliche Spielergehälter sind möglich, solange Konsumenten diesen Wahnsinn hinnehmen bzw. unterstützen. Ob überhöhte Eintrittspreise in die Stadien, minderwertiges Gelumps aus den Fan-Shops zu "gepflegten" Preisen oder die Abos der Pay-TV-Sender, solange der Konsument derlei klaglos akzeptiert, wird es so weitergehen. Wenn sich, was natürlich nicht geschehen wird, vermehrter Verzicht des Zuschauers/Abonnenten deutlich bemerkbar machen würde, wäre wohl recht schnell Feierabend mit utopischen Ablösesummen bzw. Jahresgehältern, für die ein Dutzend "Normalos" ein Leben lang arbeiten müssen.

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