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Wirtschaft

Mercedes sieht Batterietechnik skeptisch

Daimler nutzt eigene E-Bus-Premiere für Diesel-Werbung

Kommunen kämpfen um klimafreundlichen Nahverkehr. Doch Daimler äußert sich bei der Vorstellung eines E-Busses für den Nahverkehr über das eigene Produkt skeptisch - und verweist auf eine Alternative.

DPA

Mercedes Elektro-"Citaro"

Von manager-magazin.de-Redakteur
Montag, 05.03.2018   20:19 Uhr

Der Autokonzern Daimler Chart zeigen ist mit der Einführung von Elektrobussen reichlich spät dran. Und begeistert von der Technologie wirkten die Stuttgarter bei der Präsentation ihres ersten serienreifen Exemplars ebenfalls nicht: Das Unternehmen hat die Premiere genutzt, um das Fachpublikum von den Vorzügen anderer Antriebe zu überzeugen - zum Beispiel des Diesels.

"Mit Daimler Buses beginnt nun ganz konkret das Zeitalter der Elektromobilität", sagte der Chef der Bussparte, Hartmut Schick, zur Kritik am Zeitplan. "Unsere Prioritäten hatten wir ganz klar so gesetzt: Wir bringen unseren Elektrobus so zügig wie möglich auf die Straße. Aber wir tun dies nicht überstürzt. Er soll ausgereift sein und leistungsfähig." Ende 2018 solle die Serienproduktion des batterieelektrischen "Citaro E-Cell" beginnen.

Solche lokal emissionsfreien Busse gelten angesichts des Abgasskandals in vielen Kommunen als Hoffnungsträger. Während sie wenig Einfluss auf die Sauberkeit von Pkw in den Innenstädten haben, wollen viele Gemeinden mit modernisierten Busflotten die Luftqualität verbessern. Doch anders als in China, wo bereits Hunderttausende Elektrobusse auf den Straßen unterwegs sind, tun sich etablierte Hersteller in Europa schwer, derartige Fahrzeuge herzustellen.

Reichweite, Kosten, Kälte als Gegenargumente

Der Einsatz sei komplexer als beim Stadtbus mit Verbrennungsmotor, sagte Gustav Tuschen, Entwicklungsleiter von Daimlers Bussparte. "Es ist unmöglich, den Verbrennungsmotor von heute auf morgen durch einen vollelektrischen Antrieb zu ersetzen." Dagegen sprächen derzeit die Kosten und die eingeschränkte Reichweite von E-Bussen, die aufwendige Stromversorgung, aber auch die Werkstattausrüstung, sagte er. "E-Mobilität heißt, den ÖPNV mit Omnibussen völlig neu zu denken."

Verkehrsbetrieben, denen das zu anstrengend ist, zeigte Daimler im Rahmen der E-Bus-Vorstellung denn auch gleich eine mögliche Alternative auf: den Diesel-Bus. "Der Citaro und der Großraumbus CapaCity sowie Citaro hybrid [...] belegen jeden Tag tausendfach im Einsatz den hoch entwickelten Stand von Antrieben mit Verbrennungsmotor", heißt es in der Mitteilung.

Tatsächlich reklamiert Daimler beachtliche Entwicklungsfortschritte beim Diesel. Im Vergleich zu einem Stadtbus der Abgasstufe Euro V seien die Stickoxid-Emissionen beim Diesel-Hybrid "um bis zu 98 Prozent gesunken, die Partikelemissionen gar an der Nachweisgrenze angelangt". Der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid liegt den Angaben zufolge allerdings nur um 20 Prozent niedriger.

Großstädte verlangen emissionsfreie Busse

Dass Daimler sich überhaupt und nur leicht widerwillig am Wettlauf um den ersten im großen Stil produzierten Elektrobus für Europa beteiligt, liegt auch an politischen Beschlüssen in vielen Städten. So wollen Hamburg und Berlin schon in wenigen Jahren nur noch emissionsfreie Busse kaufen. Deshalb haben sie 2017 Dutzende Elektrobusse ausgeschrieben.

Berlin ist mit der Resonanz auf die Ausschreibung eher unzufrieden, weshalb eine Delegation nun in China nach Alternativen sucht. In Hamburg scheint es besser zu laufen - Ende März will die Hochbahn nach eigenen Angaben verkünden, wer den Zuschlag für 60 Fahrzeuge bekommt.

Dass Daimler sich qualifiziert, scheint nach der heutigen Präsentation kein Selbstläufer zu sein. Die Hamburger Hochbahn fordert eine Mindestreichweite von 150 Kilometern mit einer Akku-Ladung. Der Batterie-Mercedes kann diese laut Daimler aber nur im Sommer erreichen, da der Energieverbrauch im Winter durchs Heizen kräftig ansteige.

Abhilfe könne eine mit "Kraftstoff", also womöglich Diesel, betriebene Zusatzheizung schaffen, so Daimler. Ein Hochbahn-Sprecher wollte gegenüber manager-magazin.de nicht sagen, ob Daimler angesichts derartiger Einschränkungen noch im Rennen ist.

Ganz im Sinne vieler Verkehrsbetriebe will Daimler Kommunen bei der Entwicklung von Fahrplänen, Taktzeiten und Einsatzplänen, beim Energiemanagement und der Ladeinfrastruktur beraten. "Wenn ein Verkehrsbetrieb seine Flotte vollständig elektrifizieren möchte, ist das ein komplizierter Eingriff in alle Betriebsabläufe und dauert mehrere Jahre", sagte Schick.

Für die weiteren Aussichten seines neuen E-Busses gab er sich zurückhaltend. Nach dem Serienstart werde man sehen, wie sich die Nachfrage beim vollelektrischen "Citaro" entwickelt. "Abhängig davon fahren wir dann die Produktion hoch."

insgesamt 46 Beiträge
yang0815 05.03.2018
1. In Salzburg fahren sie schon seit Jahren und expandieren
Was sind die größten Kosten bei e-Fahrzeugen? Die Batterien. Was schränkt die Reichweite der e-Fahrzeuge besonders ein? Die Batterien. Was kostet am meisten Platz und Gewicht? .... Und was muss ein Bus in der Stadt [...]
Was sind die größten Kosten bei e-Fahrzeugen? Die Batterien. Was schränkt die Reichweite der e-Fahrzeuge besonders ein? Die Batterien. Was kostet am meisten Platz und Gewicht? .... Und was muss ein Bus in der Stadt garantiert nicht machen? Von seiner angestammten Strecke abweichen. Daher gibt es nichts billigeres als Oberleitungsbusse wie in Salzburg und anderen Städten. Nicht einmal die Installation der Oberleitungen wäre schwierig oder teuer oder langwierig.
power.piefke 05.03.2018
2. @yang0815
toll in salzburg unter dem netz aus leitungen zu laufen. sehr sehenswert.
toll in salzburg unter dem netz aus leitungen zu laufen. sehr sehenswert.
HH1960 05.03.2018
3. Ein Blick nach Tokyo?
Dort ist der Einsatz von Brennstoffzellenfahrzeugen ab 2020 in größerem Stil geplant. Das ist doch eine Alternative, die man sich mal anschauen sollte. Wenn Daimler es nicht kann, kann es vielleicht Toyota oder auch die [...]
Dort ist der Einsatz von Brennstoffzellenfahrzeugen ab 2020 in größerem Stil geplant. Das ist doch eine Alternative, die man sich mal anschauen sollte. Wenn Daimler es nicht kann, kann es vielleicht Toyota oder auch die Koreaner.
Sensør 05.03.2018
4. Loser
Es steht Mercedes natürlich frei, sich eingeschnappt vom Markt zu verabschieden.
Es steht Mercedes natürlich frei, sich eingeschnappt vom Markt zu verabschieden.
sponproquo 05.03.2018
5. viel näher als Salzburg...
... liegt Stuttgarts Nachbarstadt Esslingen. Dort fahren die sog. Obuse seit Jahrzehnten. Um genau zu sein: seit 1944. Muss man nich verstehen, oder? https://de.m.wikipedia.org/wiki/Oberleitungsbus_Esslingen_am_Neckar
... liegt Stuttgarts Nachbarstadt Esslingen. Dort fahren die sog. Obuse seit Jahrzehnten. Um genau zu sein: seit 1944. Muss man nich verstehen, oder? https://de.m.wikipedia.org/wiki/Oberleitungsbus_Esslingen_am_Neckar
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