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Wirtschaft

Gewinnrückgang

Bund fordert Überprüfung von Bahn-Rabatten

Die Bahn wirbt mit zahlreichen Rabatten um Kunden. Offenbar lassen sich damit aber die Kosten nicht decken. Der Bahn-Beauftragte der Regierung will das System nun prüfen lassen.

DPA

Ein Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn

Samstag, 15.09.2018   11:09 Uhr

Der Bund fordert angesichts sinkender Gewinne bei der Bahn eine Überprüfung des aktuellen Rabattsystems. Die Bilanz zeige, "dass sich mit diesem Preismodell die Kosten nicht decken lassen", sage der Bahn-Beauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU), der "Welt".

"Im Fernverkehr steigen die Passagierzahlen zwar, aber die Gewinne sinken. Ich bin überrascht darüber, wie viele Rabatte angeboten werden", sagte er. Der Vorstand müsse sich überlegen, ob er dieses Preissystem so fortführen könne. "Das Rabattsystem muss auf den Prüfstand", forderte Ferlemann.

Womöglich profitierten von Sparpreisen und Sonderrabatten nur wenige, während die Mehrheit dafür einen höheren Normalpreis zahlen müsse, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Ferlemann, weiter.

Kritik an Brandbrief

Für das erste Halbjahr hatte die Deutsche Bahn eine durchwachsene Bilanz vorgelegt. Obwohl sie mehr Fahrgäste und mehr Umsatz verzeichnete, sank der Gewinn spürbar. Angesichts der angespannten Lage rief Bahn-Chef Richard Lutz seine Vorstandskollegen kürzlich in einem Brandbrief zu einer besseren Zusammenarbeit und strenger Kostenkontrolle auf.

"Ich halte nichts davon, solche Briefe zu schreiben", sagte Ferlemann der "Welt". "Richard Lutz muss sich darüber im Klaren sein, dass er damit das Unternehmen in der Öffentlichkeit beschädigt hat."

Den Befund des Bahnchefs hält der Bahn-Beauftragte jedoch für treffend: "Die Bahn hat ein Ertragsproblem. Sie verdient nicht genug, um aus dem Cashflow die nötigen Investitionen stemmen zu können. Sie müsste neue Schulden machen, und genau das funktioniert nun nicht mehr." Dem Bericht zufolge erwarten Aufsichtsrat und Bund auf der geplanten Klausurtagung im November ein Sanierungskonzept des Bahn-Vorstands.

brt/AFP/Reuters

insgesamt 116 Beiträge
tillmatic 15.09.2018
1. Wo ist da die Logik??
"Womöglich profitierten von Sparpreisen und Sonderrabatten nur wenige, während die Mehrheit dafür einen höheren Normalpreis zahlen müsse, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, [...]
"Womöglich profitierten von Sparpreisen und Sonderrabatten nur wenige, während die Mehrheit dafür einen höheren Normalpreis zahlen müsse, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Ferlemann, weiter." Wenn nur wenige von Sparpreisen und Rabatten profitieren und die Mehrheit einen höheren Normalpreis zahlt. Können a) die Rabatte und Sparpreise ja nicht das Problem sein und b) müßte der Gewinn steigen. Auf jeden Fall auf der Einnahmenseite. Also sind wohl eher die Kosten das Problem.
The Restless 15.09.2018
2. Super Sparpreise ...
... bekommt man doch nur in Zügen, die andernfalls halb leer fahren würden. Ich fahre gelegentlich mit solchen Preisen, dann zu unattraktiven Zeiten (Abfahrt um 6 Uhr morgens oder Ankunft um 22 Uhr abends). Würden diese [...]
... bekommt man doch nur in Zügen, die andernfalls halb leer fahren würden. Ich fahre gelegentlich mit solchen Preisen, dann zu unattraktiven Zeiten (Abfahrt um 6 Uhr morgens oder Ankunft um 22 Uhr abends). Würden diese Sparpreise abgeschafft, dann würde ich zu normalen Zeiten fahren wollen, wenn die Züge bereits gut ausgelastet sind. Die Bahn hätte dann Probleme, zu solchen Zeiten genug Kapazitäten anzubieten. Ich glaube also nicht, dass ein Abschaffen dieser Sparpreise wirklich kostensparend wäre.
Hans-WilhelmBerghoff 15.09.2018
3. Absurde Preispreizung
Derzeit kann man eine Fahrkarte für denselben Zug und dieselbe Strecke für Preise von 19,99€ bis über 600€ erwerben, ohne dass man den Preisunterschied beim Reisen ernsthaft spürt - nachdem die 1.-Klasse-Sitze näher [...]
Derzeit kann man eine Fahrkarte für denselben Zug und dieselbe Strecke für Preise von 19,99€ bis über 600€ erwerben, ohne dass man den Preisunterschied beim Reisen ernsthaft spürt - nachdem die 1.-Klasse-Sitze näher zusammengerückt wurden und häufig keinen Ausblick durch Fenster mehr gewähren. Auf manchen Strecken reist man nur deshalb billiger, weil man bestimmte Unterwegsbahnhöfe nicht zum Ein- oder Auststeigen benutzt. Sinnvoll wären 3 Tarifstufen: 100%, 75% (Kostendeckung), 50% (Sozialtarife, Sondertarife und Aktionen). Die Sozialtarife würden durch stattliche Zuschüsse auf Kostendeckung gebracht. Wenn die Bahn FLIXtrain Konkurrenz machen will, dann sollte sie dafür gesonderte, weniger komfortable Züge einsetzen. Davon gibt es ja im IC-Verkehr genügend. Reisen muss wieder einen Wert haben, damit mit Bedacht gereist wird.
oldman2016 15.09.2018
4. Einnahmen gesunken?
Zitat: "Im Fernverkehr steigen die Passagierzahlen zwar, aber die Gewinne sinken." Die Frage stellt sich zunächst ob mit den Passagierzahlen, auch die Einnahmen (Umsätze) gestiegen sind oder nicht. Zur Gewinn- und [...]
Zitat: "Im Fernverkehr steigen die Passagierzahlen zwar, aber die Gewinne sinken." Die Frage stellt sich zunächst ob mit den Passagierzahlen, auch die Einnahmen (Umsätze) gestiegen sind oder nicht. Zur Gewinn- und Verlustrechnung müssen auch die Ausgaben einbezogen werden. Was der CDU Politiker sagt, ist im Grunde genommen nichtssagend.
investor3000 15.09.2018
5.
Preisfindung in einem Unternehmen, sollte nicht von der CSU/CDU nicht staatlich vorgegeben werden. So etwas hatten wir schon in der DDR und es funktionierte nicht. Es ist durchaus sinnvoll leere Plätze noch mit Preisnachlass zu [...]
Preisfindung in einem Unternehmen, sollte nicht von der CSU/CDU nicht staatlich vorgegeben werden. So etwas hatten wir schon in der DDR und es funktionierte nicht. Es ist durchaus sinnvoll leere Plätze noch mit Preisnachlass zu verkaufen, um überhaupt noch Umsatz zu generieren. Gerade das "südlich" geführte Verkehrsministerium handelt ausschließlich zum Wohle unserer Autoindustrie. Solange die Bahn für Ihre eigene Infrastruktur aufkommen muss wird sie immer rumdümpeln, so wie gewollt. Beispiel? Garmisch hat einen Autobahnanschluss, München hat keinen Zug-Hochgeschwindigkeitsanschluss.

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