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Wirtschaft

Klammer Staatskonzern

Bundesregierung verlangt schnelle Bahn-Reform

Fünf Milliarden Euro benötigt die Bahn bis 2022 zusätzlich. Deshalb verlangt die Bundesregierung einen umfassenden Konzernumbau. Dabei steckt das Unternehmen laut einem Bericht bereits viel Geld in Berater.

AFP

Hauptbahnhof in München

Sonntag, 16.12.2018   12:02 Uhr

Streiks zu Weihnachten hat die Deutsche Bahn dank der Einigung mit der Gewerkschaft EVG gerade noch einmal abgewendet. Nun erhöht die Bundesregierung den Druck auf das Unternehmen. "Wir sind besorgt darüber, wie der DB-Vorstand das System Bahn fährt. Mit der Leistung kann man nicht zufrieden sein", sagte der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Staatssekretär Enak Ferlemann, der "Welt am Sonntag". Eine grundlegende Reform des Konzerns in Staatsbesitz sei geplant.

Denn wirtschaftlich ist die Deutsche Bahn angeschlagen. Bis zum Jahr 2022 gibt es eine Finanzierungslücke von fast fünf Milliarden Euro, wie Konzernchef Richard Lutz Mitte der Woche einräumen musste. Allein 2019 fehlen laut Aufsichtsrat 2,2 Milliarden Euro für dringend benötigte Investitionen.

"Die Bahn braucht eine Neustrukturierung", zitierte die "WamS" Ferlemann. "Wir erwarten, dass der Vorstand der Bundesregierung bis März ein entsprechendes Konzept vorlegt", sagte der CDU-Politiker demnach. Damit bestätigt er entsprechende SPIEGEL-Informationen.

Bericht: Mehr als 500 Millionen Euro für externe Berater

Die Forderung nach Reformen wird die Bahn-Spitze künftig jedoch wohl mit deutlich weniger externer Expertise erfüllen müssen. Nachdem sich die Kosten für Berater laut "Bild am Sonntag" in den vergangenen drei Jahren auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summiert hätten, habe Bahnchef Lutz für 2019 eine Obergrenze eingezogen. Laut "BamS" sehe sie "einen Budgetdeckel von 100 Millionen Euro" vor.

Dieses Jahr dürften es demnach noch mal mehr als 150 Millionen Euro werden. Torsten Herbst, FDP-Obmann im Verkehrsausschuss, sagte der Zeitung, dass sich "das Strategiedefizit im DB-Konzern" nicht durch teure Berater lösen lasse.

Wie nötig der Konzern eine Neustrukturierung hat, legt Staatssekretär Ferlemann in der "WamS" nahe. Es gebe unterhalb der Holding Aktiengesellschaften mit Vorständen und Aufsichtsräten, "die aneinander vorbei und zum Teil auch gegen die Interessen der anderen DB-Gesellschaften entscheiden".

Die Kritik an der Bahn nahm in den vergangenen Wochen stetig zu. Erst am Samstag kritisierte der Chef des Schweizer Bundesamts für Verkehr (BAV), Peter Füglistaler, Qualitätsmängel und zu wenig Investitionen bei der Deutschen Bahn führten zu Problemen auf einer der wichtigsten europäischen Routen. Der Bundesrechnungshof wiederum hatte dem Bund mangelnde Kontrolle des Staatskonzerns vorgeworfen. Deshalb laufe beim Erhalt der Infrastruktur vieles falsch - trotz steigender Bundesmittel. Die Bahn wies die Kritik der Rechnungsprüfer zurück.

Um die Löcher im Bahn-Etat zu stopfen, will das CSU-geführte Verkehrsministerium von Andreas Scheuer deutlich mehr Steuergeld in den Konzern stecken. Doch nach SPIEGEL-Informationen herrscht darüber innerhalb der Bundesregierung Streit. Das Finanz- sowie das Wirtschaftsministerium sähen lieber den Verkauf von Tochterfirmen, wie es aus Aufsichtsratskreisen hieß.

Staatssekretär: Beschlüsse des Vorstands dringen nicht durch

Vielleicht liegt dies auch daran, dass auch Staatssekretär Ferlemann aus dem Verkehrsministerium laut "WamS" beklagt: Die Managementebene unterhalb des Vorstands blockiere effiziente Führungsstrukturen. "Beschlüsse des Vorstands bleiben dort hängen und dringen nicht zu den Mitarbeitern durch, die sie umsetzen sollen. Und Kritik und Anregungen der Belegschaft schaffen es durch die Lehmschicht des mittleren Managements nicht bis an die Konzernspitze."

Politiker von SPD und Opposition sowie die Bahngewerkschaft EVG sind offenbar grundsätzlich bereit, über einen Konzernumbau zu sprechen. Carsten Schneider, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, sagte der "WamS": In den einzelnen Unternehmensteilen müsse "das Denken in Kästchen und Vorgärten aufhören".

Ende November hatten die Aufsichtsräte des Staatskonzerns in einer zweitägigen Klausur dennoch bereits höheren Ausgaben für die Bahn zugestimmt. Sie mahnten zugleich aber in deutlichen Worten Besserung an. Defizite müssten beseitigt und Chancen "zügig und konsequent angepackt" werden.

apr/AFP/dpa

insgesamt 119 Beiträge
Dr.Gnaa 16.12.2018
1. Das einzige was sie tun, das Geld in Beratung stecken
Das ist wahrscheinlich das einzige was dort getan wird. Geld in Beratung zu stecken. Da wundert es nun wirklich niemand mehr, dass der Service und damit der Kunde, im Wortsinne auf der Strecke bleibt. Was sagte Luther: "... [...]
Das ist wahrscheinlich das einzige was dort getan wird. Geld in Beratung zu stecken. Da wundert es nun wirklich niemand mehr, dass der Service und damit der Kunde, im Wortsinne auf der Strecke bleibt. Was sagte Luther: "... selber denken ...". In Zeiten in der niemand mehr Verantwortung übernehmen will ; das ist verdamt schweirig.
renker2001 16.12.2018
2.
Das Problem besteht darin, dass mehr Geld eigentlich nichts ändert, solange diese erwähnte Lehmschicht nicht aufgelöst wird. Auch bringt der Verkauf von Töchtern nichts, wenn man daran nicht arbeitet Mehr sogar, wenn man die [...]
Das Problem besteht darin, dass mehr Geld eigentlich nichts ändert, solange diese erwähnte Lehmschicht nicht aufgelöst wird. Auch bringt der Verkauf von Töchtern nichts, wenn man daran nicht arbeitet Mehr sogar, wenn man die Töchter verkauft sinkt der Druck, diese starre Mittelführungsschicht zu entfernen
Nonvaio01 16.12.2018
3. und genau da ist das problem
"Dabei steckt das Unternehmen laut einem Bericht bereits viel Geld in Berater" Es ist leider so das heutzutage viel zu viel in gewisse berater investiert wird. man sollte meinen die Bosse einer Firma wissen was Sie [...]
"Dabei steckt das Unternehmen laut einem Bericht bereits viel Geld in Berater" Es ist leider so das heutzutage viel zu viel in gewisse berater investiert wird. man sollte meinen die Bosse einer Firma wissen was Sie tun, dafuer sind diese eben Chefs und verdienen millionen. Wenn ich fuer alles berater brauche, bin ich evtl kein Guter Chef. Es sollte doch wohl firmenintern genug leute geben die wissen was zu tun ist.
holy64 16.12.2018
4. Kaputtgespart für
vor Jahren geplanten Börsengang. Privatisierung schlechtester aller Wege. Politiker reisen in der Welt umher und verteilen Wohltaten, in Deutschland kriegen sie nichts auf die Reihe.
vor Jahren geplanten Börsengang. Privatisierung schlechtester aller Wege. Politiker reisen in der Welt umher und verteilen Wohltaten, in Deutschland kriegen sie nichts auf die Reihe.
wo_st 16.12.2018
5. Mehr
"Die Deutsche Bahn sollte mehr Geld in Berater stecken und mehr abgehalfterte Politiker einstellen. Nach Möglichkeit die guten Angestellten entlassen." Jeder Betrieb der so von dessen Aufsicht, unseren Politikern, so [...]
"Die Deutsche Bahn sollte mehr Geld in Berater stecken und mehr abgehalfterte Politiker einstellen. Nach Möglichkeit die guten Angestellten entlassen." Jeder Betrieb der so von dessen Aufsicht, unseren Politikern, so kaputt gemacht wurde, wäre auch an der Insolvenz.
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