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Wirtschaft

Nach dem Warnstreik

So geht es bei der Bahn weiter

Vier Stunden Warnstreik, große Wirkung: Millionen Bahnfahrer saßen am Montag fest. Kommt da noch mehr?

DPA

Reisende am Berliner Hauptbahnhof

Von
Montag, 10.12.2018   17:58 Uhr

Wenn die Eisenbahngewerkschaft EVG am Montag ihre Macht demonstrieren wollte, dann hat sie das geschafft. Um 6:27 Uhr, nach nur einer Stunde und 27 Minuten Warnstreik, verschickte die Bahn ihre Kapitulation per E-Mail: "Der Fernverkehr wird bundesweit eingestellt", hieß es in der Pressemitteilung. "Auch der Regionalverkehr ist eingeschränkt." Kein Ersatzfahrplan, die DB-App wenig hilfreich und die Anzeigetafel an manchem Hauptbahnhof: leer.

Millionen Fahrgäste saßen fest, die Auswirkungen im Güterverkehr können sich noch Tage hinziehen. Wie aber kam es zum Streik? Und womit müssen Fahrgäste in den kommenden Tagen rechnen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wer war betroffen?

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte bundesweit zu dem Warnstreik aufgerufen, er dauerte von fünf bis neun Uhr morgens. Alle Sparten der Bahn wurden bestreikt. So fiel der Fernverkehr komplett aus. Daneben waren Regionalzüge ebenso betroffen wie S-Bahnen etwa in Hamburg und Berlin.

Dazu kam: Anders als die zweite Bahngewerkschaft GDL, die vor allem Lokführer vertritt, sind in der EVG nahezu alle Arbeitnehmergruppen der Bahn vertreten, also auch Stellwerksmitarbeiter oder Bedienstete an den Bahnhöfen. Dadurch waren etwa Anzeigetafeln, Website und App der Bahn nicht aktuell, weil in den entsprechenden Bereichen ebenfalls Mitarbeiter ihre Arbeit niederlegten.

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Warnstreiks bei der Bahn: Chaos auf allen Bahnhöfen

Auch die Züge von DB-Konkurrenzunternehmen fielen teilweise aus. "Wir können keine Fahrgäste von A nach B bringen, weil buchstäblich die Weichen nicht gestellt werden", sagte Tobias Heinemann, Chef des DB-Konkurrenten Transdev, zu dem etwa die Bayerische Oberlandbahn oder die Nordwestbahn gehören.

Private Güterbahnen klagten ebenso über weitreichende Zugausfälle. Diese könnten sich noch tagelang auswirken, weil Fahrpläne gestört seien, erklärte der Chef des Verbands Netzwerk Europäischer Eisenbahnen, Peter Westenberger. Man habe "größtes Unverständnis". Die Bahn müsse im Streikfall dafür sorgen, dass der Betrieb nicht komplett stillgelegt wird.

Wie kam es zu dem Ausstand?

Die Deutsche Bahn verhandelt seit Mitte Oktober mit den beiden Gewerkschaften EVG und GDL über neue Tarifverträge. Die Situation gilt als äußerst komplex, beide Gewerkschaften hatten zusammen 79 Forderungen an die Bahn übersandt - und am Ende will die Bahn für alle Beschäftigten denselben Abschluss erreichen.

Am vergangenen Samstag hatte die EVG dann die Verhandlungen abgebrochen, nach 40-stündigen Gesprächen in einem Hotel in Hannover. Aus ihrer Sicht war am Verhandlungstisch keine Lösung mehr möglich. Der Knackpunkt: Die Gewerkschaft hatte 7,5 Prozent mehr Gehalt gefordert, ohne selbst eine Laufzeit zu nennen. Die Bahn hatte nun 5,1 Prozent geboten, in zwei Stufen und mit einer Laufzeit von 29 Monaten. Auf diese lange Zeit gerechnet sei das gerade mal ein Inflationsausgleich, sagte ein EVG-Sprecher.

Der Konzern wiederum rechnet anders. Zusammen mit weiteren Leistungen - etwa einer besseren Altersvorsorge - handele es sich um eine Lohnerhöhung von insgesamt 6,7 Prozent. Eine Lösung am Verhandlungstisch wäre möglich gewesen, der Streik unnötig, heißt es bei der Bahn.

Drohen jetzt weitere Streiks?

Erst mal nicht. Die EVG erklärte sich nach dem Warnstreik zu neuen Verhandlungen bereit. Am Dienstagnachmittag soll es in einem Hotel in Berlin weitergehen. Ein neues Angebot legte die Bahn noch nicht vor, doch es wird damit gerechnet, dass die Konditionen noch einmal angepasst werden.

Die zweite Gewerkschaft GDL kann derzeit nicht streiken. Sie ist an eine Vereinbarung gebunden, wonach Streiks erst nach Ende einer gescheiterten Schlichtung möglich sind. Bisher ist es aber noch nicht einmal zu dieser Schlichtung gekommen, es wird stattdessen normal verhandelt.

Der Konzern erklärte am Montagnachmittag, der Bahnverkehr habe sich nach und nach stabilisiert. Im Fern- und Regionalverkehr könne es jedoch bis in den Abend zu einzelnen Verspätungen und Zugausfällen kommen. Am Dienstag sollen alle Züge wieder nach Plan fahren.

insgesamt 98 Beiträge
Aquifex 10.12.2018
1.
Man überlege sich mal folgende Situation auf einem Schulhof: Zwei 16jährige streiten sich, wer den Längeren hat. Da sie sich nicht einigen können greift sich der eine einen vorbeikommenden 9jährigen, hält ihn fest, tritt ihn [...]
Man überlege sich mal folgende Situation auf einem Schulhof: Zwei 16jährige streiten sich, wer den Längeren hat. Da sie sich nicht einigen können greift sich der eine einen vorbeikommenden 9jährigen, hält ihn fest, tritt ihn immer wieder in den Hintern und sagt zu dem anderen 16jährigen: " Wenn Du endlich zugibst, daß ich den Längeren habe, höre ich auf, den Kleinen zu treten". DAS ist Streik bei der Bahn. Das sich da keiner schämt.
giostamm11 10.12.2018
2. es tut mir schrecklich leid
wenn ich halt wieder auf Italien verweisen muss. Dort gibt es im Zugverkehr selbst bei Generalstreiks, die normalerweise 24 Std. dauern, IMMER ein Minimalangebot im Fernverkehr. Da wird eine Anzahl der HG Verbindungen garantiert [...]
wenn ich halt wieder auf Italien verweisen muss. Dort gibt es im Zugverkehr selbst bei Generalstreiks, die normalerweise 24 Std. dauern, IMMER ein Minimalangebot im Fernverkehr. Da wird eine Anzahl der HG Verbindungen garantiert damit Menschen die in entfernten.Städten leben auch nach hause kommen können. Nach den Streiks wird wieder normal gefahren, was auch klappt, da die Streiks 24 Std. dauern und genau dort wieder angefangen wird wo man die Arbeit niederlegte. Vielleicht sollte die DB ganz generell ihre Organisation in ausländische Hände geben
larslindemann 10.12.2018
3.
Lustig, dass die mit ihrem Kackstreik ausgerechnet diejenigen (mehrfach) bestrafen, die am wenigsten dafür können. Ich muss selber buckeln wie ein Blöder, und habe wirklich weder genug Zeit noch Lust noch Geld, diese [...]
Lustig, dass die mit ihrem Kackstreik ausgerechnet diejenigen (mehrfach) bestrafen, die am wenigsten dafür können. Ich muss selber buckeln wie ein Blöder, und habe wirklich weder genug Zeit noch Lust noch Geld, diese Sperenzchen auf meinem Rücken zu tragen. Löst eure Probleme gefälligst auf andere Weise. Ist ja auch nicht so, dass man sich wegen überragender Leistungen abseits jeglicher Streiks, um einen Orden verdient gemacht hätte.
Nachdenker123 10.12.2018
4. Vollkommen unverhältnismäßig
Das war heute die absolute Katastrophe und vollkommen überzogen. 6% mehr Lohn sind ja immer noch nicht genug. Da können andere Branchen nur von träumen. Aber das ist es ja Wert eine ganze Volkswirtschaft in Geiselhaft zu [...]
Das war heute die absolute Katastrophe und vollkommen überzogen. 6% mehr Lohn sind ja immer noch nicht genug. Da können andere Branchen nur von träumen. Aber das ist es ja Wert eine ganze Volkswirtschaft in Geiselhaft zu nehmen. Eigentlich sollte der Bund ab sofort Milliarden für autonom fahrende Züge und moderne Ticketsysteme ohne lästige Schaffner bereitstellen, damit sowas nicht nochmal passiert.
renker2001 10.12.2018
5.
sie meinen die DB soll Ihre Organisation in Hände geben, die dann gegen deutsche Gesetze verstoßen um die angeblichen Zustände in Italien zu erreichen? Wissen Sie eigentlich was die da plappern? Die DB kann doch nicht [...]
Zitat von giostamm11wenn ich halt wieder auf Italien verweisen muss. Dort gibt es im Zugverkehr selbst bei Generalstreiks, die normalerweise 24 Std. dauern, IMMER ein Minimalangebot im Fernverkehr. Da wird eine Anzahl der HG Verbindungen garantiert damit Menschen die in entfernten.Städten leben auch nach hause kommen können. Nach den Streiks wird wieder normal gefahren, was auch klappt, da die Streiks 24 Std. dauern und genau dort wieder angefangen wird wo man die Arbeit niederlegte. Vielleicht sollte die DB ganz generell ihre Organisation in ausländische Hände geben
sie meinen die DB soll Ihre Organisation in Hände geben, die dann gegen deutsche Gesetze verstoßen um die angeblichen Zustände in Italien zu erreichen? Wissen Sie eigentlich was die da plappern? Die DB kann doch nicht gegen das Streikrecht verstoßen und Fahrer zu Fahrten zwingen

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