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Wirtschaft

EZB-Anweisung

Deutsche Bank muss Ausstieg aus Investmentbanking durchrechnen

Das Investmentbanking ist ihre wichtigste Sparte, doch jetzt muss die Deutsche Bank deren Abwicklung durchrechnen. Die Anweisung erteilte die EZB-Bankenaufsicht.

REUTERS

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Montag, 16.04.2018   11:08 Uhr

Die Deutsche Bank muss auf Anweisung der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) durchrechnen, was die Abwicklung des Investmentbanking kosten würde. Die Berechnungen liefen schon seit einiger Zeit und stünden nicht im Zusammenhang mit dem Chefwechsel bei Deutschlands größtem Geldhaus, berichten die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Insider und die "Süddeutsche Zeitung" übereinstimmend.

Die Deutsche Bank solle simulieren, wie sich der Wert des Kapitalmarkt- und Derivategeschäfts entwickelt, wenn sie als zahlungsfähiges Institut das Neugeschäft plötzlich einstellt. Es gehe also nicht um eine Abwicklung im Fall einer Pleite, die deutlich aufwendiger wäre.

Die Deutsche Bank teilte mit, sie berechne "für Regulatoren routinemäßig die Konsequenzen einer geordneten Abwicklung von Positionen in unseren Handelsbüchern". Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab.

Die wichtigsten Aufgaben des neuen Deutsche-Bank-Chefs

Die Mitarbeiter versöhnen
Die Deutsche Bank ist seit Jahren gespalten: Auf der einen Seite die hochbezahlten und mächtigen Investmentbanker in London, New York und Singapur - auf der anderen Seite die alte Deutsche Bank in ihrem Heimatmarkt. Die Investmentbanker hatten den Konzern fast zwei Jahrzehnte fest im Griff. Nun könnte Sewing, der aus der Privatkundensparte kommt, eine neue Balance herstellen und beide Lager versöhnen.
Das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen
Die Deutsche Bank ist seit jeher die wichtigste Bank der deutschen Großunternehmen. Früher war sie an vielen Konzernen sogar selbst beteiligt. Doch in den Jahren unter Josef Ackermann und Anshu Jain hat sich die Bank zunehmend auf Finanzmarktgeschäfte konzentriert, die relativ wenig mit den eigentlich Kernkunden der Bank zu tun haben. Der neue Chef muss nun zeigen, wie wichtig ihm diese Kunden sind - um so ihr Vertrauen zurückzugewinnen.
Die Investoren begeistern
Der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie entwickelt sich seit Jahren schlecht. Der Börsenwert des Konzerns ist nur noch etwa halb so hoch wie der Buchwert - also all jene Wertpapiere und Kredite, die die Bank als Vermögen in ihrer Bilanz stehen hat. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Investoren der bisherigen Bankführung misstraut haben. Christian Sewing muss nun nicht nur eisern Kosten sparen, sondern auch eine Idee entwickeln, wie die Bank künftig wieder wachsen und ordentlich Geld verdienen kann. Und vielleicht noch wichtiger: Er muss diese Idee den Investoren gut verkaufen.

Laut der "Süddeutschen Zeitung" ist es das erste Mal, dass die Aufsichtsbehörde von eine Großbank eine solche Simulation fordert. Später sollen demnach aber noch weitere Geldhäuser folgen.

Nicht wenige Analysten und größere Anteilseigner fordern von der Deutschen Bank gezielte Schnitte im Investmentbanking und den Rückzug aus nicht profitablen Geschäftsfeldern. Das Geldhaus hat in dem Bereich weitere Marktanteile verloren - nicht zuletzt in den USA.

Auch der Chefwechsel bei der Deutschen Bank hat zuletzt für Unsicherheit über die Zukunft des Investmentbankings gesorgt. Der neue Vorstandschef Christian Sewing führte vor seinem Wechsel an die Spitze das Privat- und Firmenkundengeschäft, dementsprechend skeptisch wird er von den Investmentbankern des Hauses beäugt. (Lesen Sie hier ein Porträt des neuen Deutsche-Bank-Chefs.)

Traditionell gilt das Verhältnis zwischen den hochbezahlten Investmentbankern in London und den eher traditionellen Bankangestellten in Deutschland als schlecht. Allerdings hatte der neue alleinige Investmentbanking-Chef der Bank, Garth Ritchie, vor wenigen Tagen klargestellt, er plane vorerst keine radikalen Schnitte bei der Sparte.

fdi/Reuters

insgesamt 7 Beiträge
acitapple 16.04.2018
1.
Ich finde man sollte generell darauf achten, dass Banken nicht zu groß werden. Man sollte meinen die Politik hätte aus der letzten Krise gelernt. Daher finde ich das Trennbankensystem sehr attraktiv. So könnte man die DBk in [...]
Ich finde man sollte generell darauf achten, dass Banken nicht zu groß werden. Man sollte meinen die Politik hätte aus der letzten Krise gelernt. Daher finde ich das Trennbankensystem sehr attraktiv. So könnte man die DBk in Privat- und Geschäftskunden und in Investmentbank aufteilen. Wobei mir die DBk eher weniger Sorgen macht. Richtig übel wird's, wenn man nach Italien, Frankreich und Spanien schaut. Dort schlummern so einige Banken mit Negativpotenzial.
spadoni 16.04.2018
2. Richtig so
Die Deutsche Bank hat sich jahrelang mit unkalkulierbaren Spekulationen im Investmentbanking total übernommen und auch an Zinsmanipulationen teilgenommen. Dadurch mussten empfindliche Abschreibungen und Strafen hingenommen [...]
Die Deutsche Bank hat sich jahrelang mit unkalkulierbaren Spekulationen im Investmentbanking total übernommen und auch an Zinsmanipulationen teilgenommen. Dadurch mussten empfindliche Abschreibungen und Strafen hingenommen werden. Was ist nur aus der ehemaligen Vorzeigebank der Deutschen geworden?
Sixpack, Joe 16.04.2018
3. Richtige Entscheidung der EZB, längst überfällig....
DB ist die größte Risikobank Europas und für das gesamte Finanzsystems. Weit größer als die Südländer zusammen. Gut, das dies jetzt mal in die Öffentlichkeit kommt. Vielleicht hört das Südländerbasching aus Deutschland [...]
DB ist die größte Risikobank Europas und für das gesamte Finanzsystems. Weit größer als die Südländer zusammen. Gut, das dies jetzt mal in die Öffentlichkeit kommt. Vielleicht hört das Südländerbasching aus Deutschland jetzt endlich mal auf und schaut man in den Spiegel! Obwohl ich da wenig Hoffnung habe. Vielleicht verstaatlicht Finanzminister Scholz die DB noch. Wäre die beste Lösung.
hefe21 16.04.2018
4. Spassige Agentur
.."dagegen sind die heute 150 Milliarden betragenden faulen italienischen Kredite ein Kinderspiel. " Waren das nicht vor nicht allzu langer Zeit noch geschätzte 360 Milliarden? Alles abgebaut? Mit Mikroben, oder mit [...]
.."dagegen sind die heute 150 Milliarden betragenden faulen italienischen Kredite ein Kinderspiel. " Waren das nicht vor nicht allzu langer Zeit noch geschätzte 360 Milliarden? Alles abgebaut? Mit Mikroben, oder mit Staatsanleihen, die zur unmittelbaren Refinanzierung ans EZB-Ankaufsbüro weitergereicht wurden? .."aber diese Bank wird noch einige Probleme schaffen .." - dass die Deutsche Bank noch weitere Probleme schaffen wird, wollen wir nun doch nicht hoffen, die vorhandenen genügen ja vollauf. Und ja, die Investigativkraft der deutschen Presse in wirtschaftlichen Belangen ist mit gedämpft freundlich umschrieben, aber da müssen eben die leistungsfähigen Schwyzer aushelfen - wie wärs mit einer schonungslosen Deutschbankbilanzanalyse aus dem Schwarzgeldmutterland? Roger (Köppel) oder was?
oidahund 16.04.2018
5.
Da scheint die SZ nicht sonderlich gut informiert zu sein. Ich weiß aus jahrelanger eigener Berufserfahrung, dass solche Anforderungen von Seiten der Bankenaufsicht immer wieder gestellt werden - nicht nur für das [...]
Da scheint die SZ nicht sonderlich gut informiert zu sein. Ich weiß aus jahrelanger eigener Berufserfahrung, dass solche Anforderungen von Seiten der Bankenaufsicht immer wieder gestellt werden - nicht nur für das Investmentgeschäft. Auch für das Kreditgeschäft finden solche Szenario-Rechnungen auf Anforderung immer wieder statt. Was passiert, wenn die Branche auf die das Haupt-Portfolio an Krediten entfällt den Bach runter geht, was passiert, wenn Staatsanleihen (ausgewählter Staaten oder insgesamt) erheblich bonitätsmäßig abgewertet werden usw.. Das gehört zu einem ordentlichen Risk-Management dazu und das wird eben regelmäßig geprüft. Viel Rauch um wenig Fakten.

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