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Wirtschaft

Nach Razzien

Deutsche-Bank-Chef Sewing hält zu beschuldigten Mitarbeitern

Zwei Tage lang wurden Büros der Deutschen Bank durchsucht. Der Verdacht: Mitarbeiter sollen Kunden bei der Geldwäsche geholfen haben. "Es gilt die Unschuldsvermutung", sagte nun der Chef des Geldhauses.

ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX

Christian Sewing (Archivbild)

Sonntag, 02.12.2018   21:45 Uhr

Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Christian Sewing, hat sich hinter zwei Mitarbeiter gestellt, die verdächtigt werden, Kunden bei der Geldwäsche geholfen zu haben. Bei den beiden handele es sich um Kollegen, die an der Aufarbeitung der Affäre um die "Panama Papers" beteiligt gewesen seien, sagte Sewing der "Bild am Sonntag". "Wenn wir bei der Deutschen Bank unsere eigenen Mitarbeiter vorverurteilen würden - insbesondere diejenigen, die Sachverhalte aufarbeiten - dann liefe hier etwas ganz gewaltig schief."

Am Donnerstag und Freitag hatten Fahnder Büros des Geldhauses unter anderem in der Zentrale in Frankfurt am Main durchsucht, weil Mitarbeiter des Instituts Kunden dabei geholfen haben sollen, mit Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen Geld aus Straftaten zu waschen. Dieser Verdacht ergab sich den Angaben der Ermittler zufolge unter anderem nach einer Auswertung der "Panama Papers". Die Beschuldigten sind laut Staatsanwaltschaft ein 50 Jahre und ein 46 Jahre alter Mitarbeiter sowie "andere bislang nicht identifizierte Verantwortliche" des Instituts.

Analyse

Alle Vorstandsbüros seien durchsucht worden, auch das von Sewing, sagte der Vorstandschef der Zeitung. "Aber das ist auch in Ordnung, ich habe kein Problem damit." Es werde allerdings gegen keinen Vorstand ermittelt. "Die Durchsuchung unserer Büros galt der Beweisaufnahme." Mit sich selbst sei er im Reinen. Wichtig sei, dass der Sachverhalt möglichst schnell aufgeklärt werde.

Mit Blick auf die beiden Beschuldigten sagte er: "Es gilt hier für mich bis zum Beweis des Gegenteils ganz klar die Unschuldsvermutung." Nach der Veröffentlichung der "Panama Papers" sei der Sachverhalt komplett geprüft worden, es gebe auch unabhängige Gutachten dazu. "Für uns war der Fall abgeschlossen." Ergäben die jüngsten Untersuchungen allerdings, dass Fehler gemacht worden seien, "werden wir die Ersten sein, die die Konsequenzen ziehen wollen".

Sewing sagte im Interview, dass der Ruf der Bank unter den Ermittlungen leide. "Deshalb wollen wir möglichst schnell aus den Schlagzeilen."

kry/dpa

insgesamt 8 Beiträge
bmvjr 03.12.2018
1. Es war einmal
so, dass man als kleiner, unbedeutender Buerger dieses Landes einen ganz kleinen Teil des Glanzes der Nation abbekam, wenn man im Ausland war oder mit Auslaendern sprach. Da wurde "made in Germany" gelobt, die deutschen [...]
so, dass man als kleiner, unbedeutender Buerger dieses Landes einen ganz kleinen Teil des Glanzes der Nation abbekam, wenn man im Ausland war oder mit Auslaendern sprach. Da wurde "made in Germany" gelobt, die deutschen Automarken bewundert, die Staerke und Soliditaet der deutschen Banken anerkannt, der Fussball, der Vorsprung in der Umwelttechnik, die Wiedervereinigung, das Ausbildungssystem, die politische Stabilitaet im Lande und mehr. Heute ist die Deutsche Bank ein Schatten ihrer selbst, die Dresdner ist weg, die Commerz ein Uebernahmekandidat. Die Autoindustrie ist als Schummelbetrieb entlarvt und rennt der Entwicklung hinterher. Bei der Begrenzung der Emissionen hinken wir hinterher, top Technik wird nach China verkauft, keiner will mehr Lehrling (sorry, Auszubildender) werden, die Fussball-WM war ein Fiasko, die politische Landschaft gleicht einem vernachlaessigten Garten, der DAX laesst ein dunkles 2019 erahnen, die Themen Migration und Gesundheitswesen werden nicht angepackt, unsere Fuehrungsrolle in Europa schwaechelt, Altersarmut stellt sich ein, Clanbanden und organisiertes Verbrechen setzen sich hier fest, Rechtsradikale und Gewaltbereitschaft nehmen zu. Haben wir unseren Kompass verloren?
rainercom 03.12.2018
2. Sagen wir mal so
eine Krähe hackt der Anderen kein Auge aus.
eine Krähe hackt der Anderen kein Auge aus.
hans.rueckert 03.12.2018
3. Was, verdammt, ist an dem Satz falsch:
"Wenn wir bei der Deutschen Bank unsere eigenen Mitarbeiter vorverurteilen würden - insbesondere diejenigen, die Sachverhalte aufarbeiten - dann liefe hier etwas ganz gewaltig schief."
"Wenn wir bei der Deutschen Bank unsere eigenen Mitarbeiter vorverurteilen würden - insbesondere diejenigen, die Sachverhalte aufarbeiten - dann liefe hier etwas ganz gewaltig schief."
meister_proper 03.12.2018
4. Natürlich gilt die Unschuldsvermutung
Aber wenn man einer Organisation vorsteht, die so viele Betrugsfälle verwickelt war wie die Deutsche Bank, dann sollte man vielleicht den Ball etwas flacher halten. "Wir unterstützen die Behörden vollumfänglich bei der [...]
Aber wenn man einer Organisation vorsteht, die so viele Betrugsfälle verwickelt war wie die Deutsche Bank, dann sollte man vielleicht den Ball etwas flacher halten. "Wir unterstützen die Behörden vollumfänglich bei der Aufklärung der Vorwürfe" wäre dann eher ein Satz, den ich veröffentlicht sehen wollte. Auch "Mit sich selbst sei er im Reinen" würde ich nicht so gedruckt sehen wollen. Klingt zu sehr nach den üblichen Dementis, denen oft der totale Absturz folgt.
dirk.resuehr 03.12.2018
5. Die Peanutter
Vorstände der DB sind offenbar anfällig für legendenträchtige Sottisen. Jetzt ist im Haus der Wölfe, von bedeutenden Strafzahlungen gepeinigt, ganz plötzlich die Zeit der Lämmer angebrochen. Nichts wie hin mit den Kröten, [...]
Vorstände der DB sind offenbar anfällig für legendenträchtige Sottisen. Jetzt ist im Haus der Wölfe, von bedeutenden Strafzahlungen gepeinigt, ganz plötzlich die Zeit der Lämmer angebrochen. Nichts wie hin mit den Kröten, wollte schon immer ein Schaf finden, daß nichts verwaltet!

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