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Wirtschaft

Dieselskandal

Hinweise auf Autokartell verdichten sich

Deutschlands Autokonzerne geraten im EU-Kartellverfahren noch stärker unter Druck. Neue Belege untermauern laut einem Medienbericht den Verdacht der Absprachen zwischen Audi, BMW, Daimler, Porsche und VW.

DPA

Neuwagen von VW (Archivbild)

Dienstag, 11.09.2018   14:17 Uhr

Die Kartellwächter der EU bekommen offenbar neue Belege für geheime Absprachen der fünf großen deutschen Autokonzerne. In den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig sind laut "Handelsblatt" neue heikle Papiere aufgetaucht, die den Verdacht erhärten, dass sich VW, Audi, Porsche, Daimler und BMW schon früh über die Abgasreinigung ihrer Dieselfahrzeuge abstimmten. Eine E-Mail von 2012 birgt dabei besondere Brisanz.

Die Dokumente, die eine Enthüllung des SPIEGEL aus dem Sommer 2017 untermauern, befinden sich demnach in den Akten der Staatsanwaltschaft Braunschweig, die wegen des Dieselskandals gegen VW ermittelt. Zwei der Hinweise datieren den Angaben zufolge aus dem Jahr 2008.

In den Dokumenten gehe es vor allem um die Größe von Tanks für das Harnstoffgemisch AdBlue. AdBlue wird zur Neutralisierung giftiger Stickoxyde in den Verbrennungsprozess eingespritzt. Wenn das Auto auf dem Prüfstand getestet wurde, steuerte eine Software den Ausstoß der notwendigen Menge Adblue so, dass die Umweltgrenzwerte eingehalten wurden. Im Straßenbetrieb schaltete sie die Abgasreinigung ab.

Eine bisher unbekannte E-Mail aus der Technischen Abteilung von Audi, aus der das "Handelsblatt" zitiert, gibt neue Hinweise: Dort werde einerseits ein "Vorstandsauftrag" genannt, Kosten beim Adblue-System zu sparen. Andererseits verweise der Verfasser auf eine "langfristige Tankvolumenstrategie, die auch von den Häusern VW, BMW und Daimler getragen wird".

Als die Behörden den Abschalteinrichtungen (Defeat-Device) auf die Spur kamen, warnten sich die Konkurrenten demnach offenbar - und brachten diese Systeme sogar in einer E-Mail zur Sprache: Dem Bericht zufolge hieß es Ende 2012 in einer Mail aus dem VW-Konzern an einen Daimler-Mitarbeiter: "Treffen mit deutschen Behörden am 5.12.2012… … Hinweise auf Defeat-Device-Arbeitskreis Audi, BMW, Daimler, Porsche und VW."

Volkswagen und Daimler äußerten sich auf Anfrage nicht dazu, ob oder wie Absprachen für Abschalteinrichtungen gemacht wurden. Ein BMW-Sprecher sagte, ein Arbeitskreis Defeat-Device sei dem Unternehmen nicht bekannt.

ssu

insgesamt 35 Beiträge
funny-smartie 11.09.2018
1. Sorry, als Verbraucher ....
.... habe ich kein "Mitgefühl" für diese Sammelklage der Anleger. In erster Linie sollte meinem Ermessen nach die "gebeutelten" Käufer von Dieselfahrzeuge entschädigt werden, bevor man an Entschädigung der [...]
.... habe ich kein "Mitgefühl" für diese Sammelklage der Anleger. In erster Linie sollte meinem Ermessen nach die "gebeutelten" Käufer von Dieselfahrzeuge entschädigt werden, bevor man an Entschädigung der Anleger denkt. Es mag vielleicht gut sein, den gesamten Skandal öffentlich zu machen, aber wie gesagt, es war "Betrug am Kunden". Die Anleger an sich müssen der Gefahr bewusst sein, dass wenn sie in Unternehmen investieren dass dies mit entsprechenden Risiken verbunden ist. Tut mir zwar für die Anleger leid, aber da ist mir der Kunde/Verbraucher wichtiger. Und wahrscheinlich wird es für die Anleger, und sei es außergerichtlich, eine Entschädigung kommen, während die Verbraucher "leer" ausgehen. Die Argumentation ist dann "die Entschädigung der Anleger war so teuer dass das Geschäftsergebnis eine Entschädigung der Verbraucher nicht hergibt". So oder ungefähr wird dann die Pressemittelung verlauten. Nicht umsonst sagt man, Geld regiert die Welt.
Augustusrex 11.09.2018
2. Immer wieder
sie tarnen es gut, aber zum Schluss doch nicht gut genug. Und sie geben natürlich nur das zu, was ihnen hieb- und stichfest nachgewiesen werden kann. Und zusätzlich waren es immer nur ein paar Ingenieure, die anstatt alles [...]
sie tarnen es gut, aber zum Schluss doch nicht gut genug. Und sie geben natürlich nur das zu, was ihnen hieb- und stichfest nachgewiesen werden kann. Und zusätzlich waren es immer nur ein paar Ingenieure, die anstatt alles richtig zu machen lieber Betrugssoftware entwickelt und eingebaut haben. Die Chefetage wusste natürlich gar nichts und fiel aus allen Wolken, als Außenstehende ihr das mitteilten. Das ist alles so billig und so unwürdig.
derhey 11.09.2018
3. Na und?
Was wird passieren? Nichts!!! Mal locker vielleicht ein paar Milliarden in die EU Kasse zahlen, wird als Betriebsausgabe von der Steuer abgesetzt und wenn es schlimmer kommt hat man ja noch Scheuer und die Kanzlerin. Und [...]
Was wird passieren? Nichts!!! Mal locker vielleicht ein paar Milliarden in die EU Kasse zahlen, wird als Betriebsausgabe von der Steuer abgesetzt und wenn es schlimmer kommt hat man ja noch Scheuer und die Kanzlerin. Und natürlich nicht vergessen - der liebe Kunde der weiterhin brav sein Auto bei VW & Co bestellt, alternativlos. Ich hör schon - Arbeitsplätze und das wissen die Bosse ganz genau. Vor allem die, die mit im Aufsichtsrat sitzen.
peter-11 11.09.2018
4. war zu erwarten
Da ist man nicht mal überrascht. Ich bin mal gespannt, wie lange sich die Union noch hinter fadenscheinigen Argumenten verschanzt. Niemand will die Autoindustrie "umbringen", aber es kann nicht sein, dass man vor diesen [...]
Da ist man nicht mal überrascht. Ich bin mal gespannt, wie lange sich die Union noch hinter fadenscheinigen Argumenten verschanzt. Niemand will die Autoindustrie "umbringen", aber es kann nicht sein, dass man vor diesen arroganten Manager zu Kreuze kriecht und die betroffenen Autobesitzer im Regen stehen lässt. Aber es tut sich etwas, denn zumindest in meinem Umfeld wenden sich langjährige Unionswähler ab, darunter auch Mitglieder. Das dürfte dann auch zu einem anhaltenden Trend unter 30% führen.
prjctdth 11.09.2018
5. Premium-Hersteller
Für mich haben die deutschen selbsternannten Premium Hersteller eindeutig ihren Zauber verloren. Was können die nochmal, was man in Japan oder Korea nicht auch längst drauf hat??? Innovationen waren es jedenfalls nicht. Für [...]
Für mich haben die deutschen selbsternannten Premium Hersteller eindeutig ihren Zauber verloren. Was können die nochmal, was man in Japan oder Korea nicht auch längst drauf hat??? Innovationen waren es jedenfalls nicht. Für mich als VW Kunden ein Schlag ins Gesicht, wenn man mir sagt, ich solle mir eben ein neues Auto (von VW!?!) kaufen!

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