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Wirtschaft

Importaufschlag

Welche Staaten Trumps Autozölle besonders treffen würden

Donald Trump sieht in Importautos eine "Gefahr für die nationale Sicherheit" und droht saftige Strafzölle an. Wie stark wären BMW, VW und Co. betroffen - und ist die Lage der US-Autobauer wirklich so desolat?

DPA

Mercedes-Fahrzeuge warten auf die Verschiffung in Bremerhaven (Archiv)

Von
Freitag, 25.05.2018   16:33 Uhr

Ton und Geste waren - wie so oft bei Donald Trump - ziemlich martialisch. Der US-Präsident droht Amerikas Handelspartnern mit Zöllen auf die Einfuhr von Autos - und weil er dies mit einer "Gefahr für die nationale Sicherheit" begründet, setzte er den mit Handelsfragen sonst eher selten befassten Verteidigungsminister James Mattis in Kenntnis.

Hintergrund sind wohl die 2017 erstmals seit der Finanzkrise deutlich rückläufigen Verkaufszahlen auf dem US-Automarkt. Um heimische Konzerne wie Ford und General Motors zu schützen, erwägt die US-Regierung die Einführung von Zollaufschlägen auf Importfahrzeuge von bis zu 25 Prozent.

Zum Hintergrund: Bislang schlagen die USA auf Importfahrzeuge 2,5 Prozent Einfuhrzölle auf. Die EU hingegen verlangt zehn Prozent. Allerdings haben beide Seiten - sowohl die EU als auch die USA - die jeweiligen maximalen Zollhöhen selbst festgelegt. Das war 1994, bei der Gründung der Welthandelsorganisation WTO. Die Mitglieder haben sich damals auch verpflichtet, die Zölle nicht zu verändern.

Welche Staaten wären besonders stark von der Maßnahme betroffen?

Wichtigste Lieferantenländer von Pkw sowie den in den USA immer beliebteren leichten Trucks und Sportgeländewagen waren in den vergangenen Jahren die Nachbarstaaten Mexiko und Kanada. Auf beide entfielen zuletzt fast die Hälfte aller Einfuhren in die USA. Auf dem dritten Platz folgt - wie aus der Auswertung von Statista hervorgeht - Japan. Deutschlands Autobauer liegen zwar auf Rang vier, das allerdings mit deutlichem Abstand.

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, könnten für Kanada und Mexiko Ausnahmen gemacht werden. Beide Nachbarstaaten sind gemeinsam mit den USA Mitglied des Nafta-Handelsabkommens. Trumps Initiative scheine "auf japanische und europäische Autobauer zu zielen", konstatiert die Zeitung.

Allerdings: Der Wert deutscher Autoeinfuhren in die USA ist bereits seit Jahren rückläufig. Auch der Anteil nicht in den USA gebauter Fahrzeuge deutscher Marken ist deutlich gesunken. Vor einigen Jahren lag er noch bei 15 Prozent, inzwischen sind es etwas mehr als zehn Prozent. Das hat auch damit zu tun, dass viele deutsche Konzerne längst Fabriken in den USA unterhalten. Das Beispiel BMW unterstreicht zudem, wie global der Automarkt inzwischen geworden ist: Die Deutschen bauen in US-Bundesstaat South Carolina etwa den Geländewagen X5 - und exportieren einen Teil der Fahrzeuge von dort aus nach China.

Im Fall der Volkswagen-Stammmarke VW weist eine Erhebung des "Wall Street Journal" für das erste Quartal 2018 aus, dass der Konzern in die Vereinigten Staaten nur wenig mehr Fahrzeuge einführt (etwa 43.000), als das Unternehmen selbst in US-Fabriken fertigen lässt (etwa 41.000).

Die Statistik lässt auch erahnen, dass Importzölle für die VW-Tochter Audi besonders stark ins Gewicht fallen würden: Audi führt fast alle Wagen aus Mexiko oder Europa in die USA ein.

Geht es den US-Autoherstellern wirklich so schlecht?

US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross begründet mögliche Einfuhrzölle mit dramatischen Entwicklungen innerhalb der amerikanischen Autoindustrie. Es gebe "Hinweise darauf, dass Importe aus dem Ausland jahrzehntelang unsere heimische Autoindustrie ausgehöhlt haben", so der Minister. Zwischen 1990 und 2017 sei die Beschäftigung bei den US-Autobauern um 22 Prozent gesunken, obwohl die Amerikaner mehr Autos kauften als früher.

Tatsächlich vollzog sich eine dramatische Wandlung der US-Autobranche zwischen den Jahren 2000 und 2009. Innerhalb von weniger als einem Jahrzehnt sank die Zahl der Arbeiter von 1,3 Millionen auf 660.000. Seitdem stellen GM und Ford allerdings auch wieder kräftig ein: 2018 liegt die Zahl der Beschäftigten wieder bei fast einer Million.

Die USA sind auch weiterhin zweitgrößter Autobauer der Welt, hinter China. 2017 wurden innerhalb der Vereinigten Staaten 11,2 Millionen Fahrzeuge gefertigt, vor Japan und Deutschland mit 9,7 bzw. 5,6 Millionen.

Auch das Selbstbild von Amerikas Autobauern entspricht nicht recht dem Schreckensszenario, das Trumps Wirtschaftsminister Ross zeichnet. "Autohersteller und ihre Zulieferer sind Amerikas größter Exporteur", heißt es selbstbewusst im Bericht des "American Automotive Policy Council" zur Lage der Branche im Jahr 2017. Der Sektor hänge alle anderen Bereiche der US-Wirtschaft um 76 Milliarden Dollar ab.

Warum sind die Zölle Trump dennoch wichtig?

Die Statistiken zeigen, dass der Wert der Fahrzeugimporte in die USA seit 2010 tatsächlich deutlich gestiegen ist. Die Ausfuhren von in den USA gebauten Fahrzeugen legten allerdings sogar noch ein wenig stärker zu als die Einfuhren, nämlich um fast 60 Prozent.

Wie groß die Wirkung der Zölle - und der Nutzen für die US-Autoindustrie daraus - tatsächlich wäre, ist umstritten. Das "Wall Street Journal" stellt einen Zusammenhang zwischen der Initiative und Trumps Wiederwahlplänen 2020 her. Die US-Autoindustrie beschäftigt im Mittleren Westen Hunderttausende Arbeiter und baut zwei Drittel der in den USA gefertigten Fahrzeuge. Bei der Wahl 2016 lagen hier auch Trumps Hochburgen - weil er mit protektionistischen Versprechungen bei den Wählern punkten konnte.

Trumps Planspiele treiben allerdings nicht nur dem Top-Management der großen Automarken den Puls in die Höhe, auch viele Zulieferer betrachten sie mit Sorge. Grund dafür ist die Tatsache, dass nicht nur von Zöllen auf importierte Autos die Rede ist, sondern auch von Aufschlägen auf Autoteile.

Das Problem dabei ist, dass die Wertschöpfungsketten der Autoindustrie längst viele Ländergrenzen überschreiten: So werden Bauteile für Autokomponenten aus Mexiko zunächst nach Kanada geliefert und dann in den USA fertig zu Fahrzeugen zusammengesetzt. Eine Störung dieser Lieferketten könnte zu erheblichen Problemen für die US-Autoindustrie selbst führen, die eine große Zahl an Vorprodukten im Ausland bezieht.

Darüber hinaus ist die US-Zulieferbranche im Land ihrerseits in erheblichem Maße abhängig vom Export. Im vergangenen Jahr beliefen sich ihre Ausfuhren auf 85,6 Milliarden Dollar. Der Sektor wäre also anfällig für mögliche Vergeltungsmaßnahmen der Nachbarländer, aus Europa oder Asien.

Wie stark würden Trumps Autozölle Deutschland treffen?

Nach Berechnungen des Ifo-Instituts würde die Maßnahme Deutschlands Wirtschaftsleistung insgesamt um rund fünf Milliarden Euro mindern. Das wären empfindliche Verluste.

Gesamtwirtschaftlich würden sie allerdings kaum ins Gewicht fallen, sie entsprächen gerade einmal 0,16 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Auch die Autobranche könnte sie wohl verschmerzen. Ihre Ausfuhren in alle Welt beliefen sich im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt auf insgesamt 234 Milliarden Euro.

Die Branche könnte auch auf andere Absatzmärkte ausweichen. China etwa hat gerade angekündigt, Zölle für Autoeinfuhren zu senken.

insgesamt 117 Beiträge
etischler 25.05.2018
1. Sollten wir auch tun.
Wir sollten auch ab und zu auf unsere nationale Sicherheit verweisen und damit gewisse Schritte begründen. Das Gegenteil ist aber meist der Fall, weil wir einfach zu dumm sind. Die Amerikaner verweisen oft auf ihre nationale [...]
Wir sollten auch ab und zu auf unsere nationale Sicherheit verweisen und damit gewisse Schritte begründen. Das Gegenteil ist aber meist der Fall, weil wir einfach zu dumm sind. Die Amerikaner verweisen oft auf ihre nationale Sicherheit uns scheren sich nicht um Proteste anderer Staaten. Europa und Deutschland sollten ebenfalls mehr und heftiger ihre Interessen vertreten, wie der Amtseid es sagt.
Gmorker 25.05.2018
2. Wahrer Grund
Der einzige Grund, warum die amerikanische Automobilindustrie auf dem Zahnfleisch geht, ist der, das die US-Marken allesamt in der heutigen Welt von stetig steigenden Sprit-Preisen und ständig steigendem Serienmäßigen Luxus [...]
Der einzige Grund, warum die amerikanische Automobilindustrie auf dem Zahnfleisch geht, ist der, das die US-Marken allesamt in der heutigen Welt von stetig steigenden Sprit-Preisen und ständig steigendem Serienmäßigen Luxus keinen Platz haben. Selbst in den USA wollen viele Menschen lieber ein bequemes, sparsames und sicheres Auto fahren und das können die US-Marken eben nicht liefern, bzw. im Vergleich deutlich schlechter als die Importierten Marken.
KingTut 25.05.2018
3. Politische Entscheidungen aus purem Egoismus
Dass die Automobilbranche in den USA viele Arbeitsplätze abgebaut hat, kann Trump nicht den ausländischen Automobilkonzernen anlasten. Wenn Innovation und Qualität von anderen übertroffen werden, dann kaufen auch die [...]
Dass die Automobilbranche in den USA viele Arbeitsplätze abgebaut hat, kann Trump nicht den ausländischen Automobilkonzernen anlasten. Wenn Innovation und Qualität von anderen übertroffen werden, dann kaufen auch die Amerikaner ausländische Autos viel lieber als US-Marken. Da Trump aber die Realität nur in schwarz/weiß wahrnimmt, fehlt ihm auch die Fähigkeit zu differenzieren. Als Gegenmaßnahme sollten die deutschen Automobilkonzerne ihre Fabriken in den USA schließen. Dann möchte ich mal sehen, wie Trump reagieren wird, wenn die dortigen Arbeiter auf die Barrikaden sehen. Dass er diese Politik im Hinblick auf die Wahlen 2020 betreibt, ist extrem verwerflich, weil es ihm nicht um die Sache, sondern um sich selbst geht. Hoffen wir, dass seine Amtszeit spätestens 2020 endet, lieber noch viel früher.
ulrich.schlagwein 25.05.2018
4. Bestes Marketing
fuer die importierte Oberklassenfahrzeuge. Die paar % mehr zahlt man gerne, weil man es kann, und gehandelt wird immer. Und da gibt es noch markentreue Manager der KFZ Hersteller, die Frimenwagen fahren deren Partner aber mit [...]
fuer die importierte Oberklassenfahrzeuge. Die paar % mehr zahlt man gerne, weil man es kann, und gehandelt wird immer. Und da gibt es noch markentreue Manager der KFZ Hersteller, die Frimenwagen fahren deren Partner aber mit Begeisterung Importe. Um ein Produkt erstrebenswerter zu machen, ist eine Preiserhoeung ein guter Weg. Viel interessanter waere festzustellen, welche Fahrzeuge der Trump Clan faehrt. Vielleicht weiss das der POTUS selber nicht? Alles Fake News. Welche Fahrzeuge faehrt der am. Kongress, wenn nicht dienstlich unterwegs?
cuisinier81 25.05.2018
5. Vielleicht sollten...
BMW und, einfach mal laut nachdenken, wie es wäre, alle Werke und Standorte in den USA zu schließen... Um eben die Kosten zu reduzieren, den der Wegfall des amerikanischen Marktes bedeuten würde... Ich denke nicht, daß Trump [...]
BMW und, einfach mal laut nachdenken, wie es wäre, alle Werke und Standorte in den USA zu schließen... Um eben die Kosten zu reduzieren, den der Wegfall des amerikanischen Marktes bedeuten würde... Ich denke nicht, daß Trump sich damit beliebt machen würde,wenn die ganzen Leute nur noch Scheißautos kaufen könnten und eben dazu Ihre Jobs verlieren... Wie wäre es, wenn die Amis sich mal rein hängen und geniale Autos bauen... Aber egal, die es sich leisten können, zahlen auch die 25Prozent... Somit, scheiß drauf...

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