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Wirtschaft

EZB-Entscheidung

Warum Sparer auf höhere Zinsen noch lange warten müssen

Die Europäische Zentralbank leitet die Wende ein: Sie will ihr Anleihekaufprogramm bis zum Jahresende auslaufen lassen. Kommen die Zinsen jetzt zurück? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

REUTERS

EZB-Präsident Mario Draghi

Von
Donnerstag, 14.06.2018   18:55 Uhr

Steigt die Europäische Zentralbank (EZB) jetzt endlich aus ihrer expansiven Geldpolitik aus? Die EZB hat angekündigt, ihre monatlichen Käufe von Staatsanleihen bis zum Jahresende auslaufen zu lassen. "Es kommt etwas überraschend, dass sich die EZB so derart weit aus dem Fenster lehnt", sagte Holger Schmieding von der Berenberg Bank kurz nach der Entscheidung. Und Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts, kommentierte: "Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer Normalisierung der Geldpolitik."

Doch was bedeutet die Entscheidung? Die wichtigsten Antworten.

Was hat der EZB-Rat beschlossen?

Die EZB hat beschlossen, ihre umstrittenen Anleihekäufe zum Jahresende auslaufen zu lassen. Außerdem halbiert sie das Volumen der monatlichen Käufe in den letzten drei Monaten des Jahres auf 15 Milliarden Euro. Aktuell kauft die Notenbank für monatlich 30 Milliarden Euro vor allem Staatsanleihen der Euroländer, um die Inflation im Währungsraum anzuschieben.

Geld aus auslaufenden Anleihen, die sich bereits in Besitz der EZB befinden, will die Notenbank allerdings noch so lange wie nötig in neue Wertpapiere investieren. Mit anderen Worten: Die EZB wird das Volumen der von ihr gehaltenen Anleihen ab 2019 nicht weiter erhöhen - aber es auch nicht reduzieren.

Warum kauft die EZB überhaupt massenhaft Anleihen?

Anfang 2015 hat die EZB damit begonnen, in großem Stil Anleihen aufzukaufen - vor allem Staatspapiere der Euroländer. Mehr als zwei Billionen Euro hat die EZB so in den vergangenen zweieinhalb Jahren bereits in das System gepumpt.

Die Idee hinter den Anleihekäufen ist, die Wirtschaft anzukurbeln. In der Theorie funktioniert das Grundprinzip des sogenannten Quantitative Easing so: Die EZB kauft Geschäftsbanken im großen Stil Staats- und Unternehmensanleihen ab. Die Banken und anderen Investoren bekommen durch den Verkauf von Anleihen frisches Geld gutgeschrieben. Mit diesem Geld können die Institute Anleihen oder Aktien von Unternehmen kaufen. Dadurch bekommen wiederum die Unternehmen frisches Geld, das sie zum Beispiel in neue Maschinen und Waren investieren können.

Das lässt, so die Hoffnung der EZB, die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen steigen - und damit auch die Verbraucherpreise.

Was bedeutet das Ende der Anleihekäufe?

Überraschend ist, wie klar die EZB die Zukunft ihrer Geldpolitik kommuniziert. Sie macht unmissverständlich klar, dass der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik bald kommt: Die billionenenschweren Käufe werden definitiv enden. Danach ist der Weg frei für Zinserhöhungen.

Klar ist aber auch: Die Geldpolitik bleibt bis dahin expansiv. Denn die Alternative wäre gewesen, die Anleihekäufe schon im September enden zu lassen. Anleger reagierten deshalb hocherfreut auf die Entscheidungen: Die Aktienkurse legten in ganz Europa zu.

Ein weitere Möglichkeit für die EZB wäre gewesen, die Anleihekäufe gar nicht zu beenden und auf unbestimmte Zeit weiter laufen zu lassen, das hätte die Aktienkurse wohl noch stärker angetrieben. Aber hätte die Zentralbank mit einer Weichenstellung gezögert, hätte man das auch gut so verstehen können, dass sie sich von der jüngsten Entwicklung in Italien beeindrucken lässt. An den Finanzmärkten gab es jüngst Turbulenzen, weil die neue italienische Regierung aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung die öffentlichen Ausgaben in die Höhe treiben will. Mit ihrer Entscheidung an diesem Donnerstag hat die EZB deutlich gemacht, dass sie unbeirrt an ihrem Kurs festhält.

Denn die jüngsten Turbulenzen am Anleihemarkt waren laut EZB-Präsident Mario Draghi nur ein lokales Ereignis. Es habe keine Ansteckungsgefahren durch die jüngste politische Unsicherheit gegeben. "Die Nachrichten aus der Wirtschaft sind zwar nicht mehr so gut wie noch vor drei Monaten, aber sie sind noch überwiegend gut", sagte Draghi.

Trotz Handelskonflikt und Italienkrise kommt die EZB ihrem Inflationsziel von zwei Prozent langsam näher: Für das laufende Jahr erwartet die EZB nun eine Inflationsrate von 1,7 Prozent. 2019 und 2020 rechnen die Währungshüter ebenfalls mit 1,7 Prozent Preissteigerung.

Steigen jetzt die Zinsen wieder?

Bis die Sparer wieder mit deutlich höheren Zinsen rechnen können, dürfte es noch eine ganze Weile dauern. Denn die ultralockere Geldpolitik wird ja bis mindestens Dezember 2018 fortgesetzt.

Und es sind ja nicht nur die Anleihekäufe, die die Zinsen niedrig halten: Wohl noch wichtiger ist der sogenannte Leitzins, mit dem die EZB festlegt, zu welchem Zinssatz sich die Banken aus der Eurozone bei ihr Geld leihen können. Dieser Satz liegt seit März 2016 bei null Prozent - und soll mindestens bis Ende des Sommers 2019 auf seinem historischen Niedrigstand bleiben, wie Draghi ankündigte.

Das Beispiel USA zeigt, dass es auch dann noch ein bis zwei Jahre dauern kann, bis die Zinsen tatsächlich merklich steigen. Dort beendete die Notenbank Fed die Anleihekäufe im Oktober 2014, begann aber erst mehr als ein Jahr später mit einer vorsichtigen Mini-Zinserhöhung. Seit Mittwoch liegt der Leitzins wieder bei einer Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent - und auch das ist historisch gesehen noch sehr niedrig.

insgesamt 64 Beiträge
GoaSkin 14.06.2018
1. wen interessieren schon Zinsen?
Es gibt zwar wenig bis garkeine Zinsen, doch dafür ist der Aktienmarkt sowas von Banane geworden, dass man noch nicht einmal viel davon verstehen muss, um eine gute Rendite herauszuholen. Ob die Indices hoch oder runter gehen, [...]
Es gibt zwar wenig bis garkeine Zinsen, doch dafür ist der Aktienmarkt sowas von Banane geworden, dass man noch nicht einmal viel davon verstehen muss, um eine gute Rendite herauszuholen. Ob die Indices hoch oder runter gehen, hängt schließlich fast nur noch vom Geschwätz namhafter Politiker und Bankchefs ab, sodass man im Prinzip völlig darauf bauen kann, um zu wissen, wann es Zeit zum Kaufen oder Verkaufen ist.
mausi Worseck 14.06.2018
2. Wie wird denn die Schulden-Union heissen?
In den letzten Jahren hat dieser ehemalige Goldman&Sachs-Manager weit über 2.350 Milliarden € in "seinem Keller in Frankfurt gedruckt" - und damit dann Eurostaaten finanziert, unsere Spareinlagen zinslos gestellt [...]
In den letzten Jahren hat dieser ehemalige Goldman&Sachs-Manager weit über 2.350 Milliarden € in "seinem Keller in Frankfurt gedruckt" - und damit dann Eurostaaten finanziert, unsere Spareinlagen zinslos gestellt und Firmenanleihen von EU-Südfirmen und Pfandbriefe gekauft! Das ist rund das 6,5 fache des Bundeshaushalts!!! Ist das die einmalige Erfolgsgeschichte des Euro? Da schafft ein ehemaliger G&S-Manager das 6,5 fache des Bundeshaushaltes aus dem NICHTS. Dagegen stehen keine Werte. Keine Produktivitätssteigerungen - nichts! Und nun auf in die Schulden-Union! Ich bin auf den Namen der Schulden-Union gespannt.
MisterD 14.06.2018
3. Zinsen sind garantiert...
mit Aktien muss ich mich beschäftigen und ich darf niemals all mein Vermögen in Aktien stecken. Das Sparbuch garantiert(e) mir den Gewinn, ohne jedes Risiko eines Verlustes... aber Sie können beruhigt sein, die Party an den [...]
mit Aktien muss ich mich beschäftigen und ich darf niemals all mein Vermögen in Aktien stecken. Das Sparbuch garantiert(e) mir den Gewinn, ohne jedes Risiko eines Verlustes... aber Sie können beruhigt sein, die Party an den Märkten wird weitergehen, denn Draghi kann die Zinsen selbst mittelfristig nicht anheben. Wenn er das tut kollabieren Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und evtl. auch Frankreich innerhalb weniger Monate... und bei uns bricht die Rente zusammen...
Havel Pavel 14.06.2018
4. Kann auch ein sicherer Hafen sein!
Ja so sieht es wohl aus und er hat Europa schliesslich in diese Sackgasse geführt aus der es wohl über kurz oder lang kein Entrinnen mehr geben wird. Aber Hauptsache der Euro bleibt uns erhalten.
Zitat von MisterDmit Aktien muss ich mich beschäftigen und ich darf niemals all mein Vermögen in Aktien stecken. Das Sparbuch garantiert(e) mir den Gewinn, ohne jedes Risiko eines Verlustes... aber Sie können beruhigt sein, die Party an den Märkten wird weitergehen, denn Draghi kann die Zinsen selbst mittelfristig nicht anheben. Wenn er das tut kollabieren Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und evtl. auch Frankreich innerhalb weniger Monate... und bei uns bricht die Rente zusammen...
Ja so sieht es wohl aus und er hat Europa schliesslich in diese Sackgasse geführt aus der es wohl über kurz oder lang kein Entrinnen mehr geben wird. Aber Hauptsache der Euro bleibt uns erhalten.
auf_dem_Holzweg? 14.06.2018
5. mit wem hat Draghi den Deal
mit USA, Russland, China oder allen dreien? Er ist der konsequenteste Währungsvernichter ever. Und Madame Merkel noickt ihm noch nach und findet es "gut". Der Euro hat es ohnehin schon schwer, die Ersparnisse der [...]
mit USA, Russland, China oder allen dreien? Er ist der konsequenteste Währungsvernichter ever. Und Madame Merkel noickt ihm noch nach und findet es "gut". Der Euro hat es ohnehin schon schwer, die Ersparnisse der Euro-Bürger sind bereits vernichtet. Was will er eigentlich noch, eine Hyper-Inflation?

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Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

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