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Wirtschaft

Warenhaus-Zusammenschluss

Kartellamt stimmt Karstadt-Kaufhof-Fusion zu

Die kriselnden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof wollen ihr Heil in einem Zusammenschluss suchen. Nun geben die Behörden grünes Licht.

Getty Images

Kaufhof- und Karstadt-Filialen

Freitag, 09.11.2018   10:10 Uhr

Das Bundeskartellamt hat grünes Licht für die Fusion der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof gegeben. Das teilte die Wettbewerbsbehörde am Freitag in Bonn mit (hier geht's zur Mitteilung des Kartellamts).

"Wir haben das Vorhaben intensiv geprüft. Weder aus der Perspektive der Verbraucher, noch aus Sicht der Hersteller und Lieferanten gab es durchschlagende wettbewerbliche Bedenken", teilte Kartellamtschef Andreas Mundt mit. Karstadt und Kaufhof hätten nicht nur viele Konkurrenten im stationären Geschäft. Auch der Onlinehandel - Stichwort Amazon - sorge für zusätzlichen Wettbewerbsdruck. Der boomende Versandhandel hat maßgeblich zur Krise der beiden großen deutschen Warenhausketten beigetragen.

Der neue Konzern wird europaweit 243 Standorte haben und rund 32.000 Mitarbeiter beschäftigen. Unter dem Dach der neuen Holding werden nicht nur die deutschen Kaufhof- und Karstadt-Filialen vereint, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die erst kürzlich gegründeten Hudson's-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Internetanbietern.

Offiziell ist von einer "Fusion unter Gleichen" die Rede. Doch die Signa-Holding von Karstadt-Eigentümer René Benko wird die Mehrheit am neuen Unternehmen halten: Signa erhält 50,01 Prozent der Anteile, der kanadische Kaufhof-Eigentümer HBC 49,99 Prozent. An den Kaufhof-Immobilien, die viele Milliarden wert sind, wird Signa künftig mit 50 Prozent beteiligt sein.

Was die Fusion für Beschäftigte und Kommunen bringen wird, darüber besteht im Moment noch große Ungewissheit. Weder gibt es Zahlen zum erwarteten Stellenabbau, noch Angaben über mögliche Schließungen. Karstadt-Eigentümer René Benko bemühte sich zuletzt jedoch Ängste vor drastischen Einschnitten zu dämpfen: "Natürlich müssen wir sanieren, aber wir werden wie bisher um jede Filiale kämpfen und versuchen, sie in die schwarzen Zahlen zu bringen", betonte er.

Die Hintergründe der Kaufhauskrise erklärt ein Handels-Experte hier: "Man hat den Eindruck, da hängt ein Anzug zwei Jahre an der gleichen Stelle".

beb/dpa

insgesamt 10 Beiträge
schorsch_69 09.11.2018
1. Och Joh!
Erstaunlich, das Karstadt erneut Gelegenheit bekommt, von einem Mitbewerber faktisch übernommen zu werden und diesen vermutlich erneut finanziell ausquetscht, so wie zuvor die Quelle AG, um diesen damit vom "Markt" zu [...]
Erstaunlich, das Karstadt erneut Gelegenheit bekommt, von einem Mitbewerber faktisch übernommen zu werden und diesen vermutlich erneut finanziell ausquetscht, so wie zuvor die Quelle AG, um diesen damit vom "Markt" zu fegen. Karstadt, ein Beweis, das Zombies wahrhaft existieren!
owi7 09.11.2018
2. Willfährige Entscheidung ?!
Interessant finde ich den Satz: "Für eine stark wachsende Zahl von Verbraucherinnen und Verbrauchern sind Online-Händler in den meisten Warengruppen zudem eine wichtige Einkaufsalternative." Die Kaufhauskunden sind [...]
Interessant finde ich den Satz: "Für eine stark wachsende Zahl von Verbraucherinnen und Verbrauchern sind Online-Händler in den meisten Warengruppen zudem eine wichtige Einkaufsalternative." Die Kaufhauskunden sind aber vermutlich kein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung - das hätte auch mit einfließen dürfen. Schön auch: "Aus wettbewerblicher Sicht gibt es aber keinen sogenannten Warenhausmarkt." Und wo kein Markt, können alle munter fusionieren. Honi soit qui mal y pense?
AlBundee 09.11.2018
3.
Amazon macht den internationalen Einzelhandel platt und Deutschland beschäftigt sich mit Kartellrecht. Vielleicht sollte man die deutsche Kartellbehörde durch eine Beh?rde der deutschen Arbeitsplatzsicherung ersetzen, die [...]
Amazon macht den internationalen Einzelhandel platt und Deutschland beschäftigt sich mit Kartellrecht. Vielleicht sollte man die deutsche Kartellbehörde durch eine Beh?rde der deutschen Arbeitsplatzsicherung ersetzen, die Kaufhof und Karstadt danach bewertet, wie international konkurrenztauglich sie eigentlich sind (grosse robotergesteuerte Lager auf der grünen Wiese in der Nähe von Flughäfen vs. leere superteure Shoppingtempel in der Innenstadt, in der man mangels Verkäufer darum betteln muss, irgendwo bezahlen zu dürfen und Kreditkarten im Deutschland des 21. Jahrhunderts nicht akeptiert werden inkl. Online-Katalog der eigene Produkte nicht findet und nix über Verfügbarkeit weiss). Und die überbezahlte Geschäftsführung bei Nichterfüllung solange unter Elektroschocktherapie in eine Gummizelle einsperrt, bis sie mit den Mitteln von 2018 das auf die Reihe bekommt, wozu Gustav Schickedanz bereits 1927 in der Lage war: einen konkurrenzfähigen Versandhandel aufzubauen der soviel abwirft, dass man sich zusätzlich grosse Innenstadttempel MIT Service und Verkäufern leisten kann.
Braveheart Jr. 09.11.2018
4. Jetzt aber nix wie ran ...
... an die Filetstückchen: Beste Immobilien in zentraler Lage! Im Übrigen bin ich der Auffassung, daß "too big to fail" im Einzelhandel nicht funktioniert; Aber munter wird noch eine Verwaltungsebene obendrauf [...]
... an die Filetstückchen: Beste Immobilien in zentraler Lage! Im Übrigen bin ich der Auffassung, daß "too big to fail" im Einzelhandel nicht funktioniert; Aber munter wird noch eine Verwaltungsebene obendrauf geklatscht, deren einziger Zweck darin besteht, als Zitronenpresse zu fungieren. Wie wir schon bei Nicolas Berggruen erlebt haben. Jetzt kommt Quetsche 2.0, und dann ab in den Konkurs!
MannAusmNorden 09.11.2018
5. Versandhandel ist der Grund
Vor ein paar Jahren hat hier ein Gemischtwarenhändler (Haushalt, Spielzeug, Modellbau) dicht gemacht. Das "Hallo" in der Stadt war groß, gingen doch immer noch hunderte pro Monat da hin um ihre Geburtstagsgeschenke zu [...]
Vor ein paar Jahren hat hier ein Gemischtwarenhändler (Haushalt, Spielzeug, Modellbau) dicht gemacht. Das "Hallo" in der Stadt war groß, gingen doch immer noch hunderte pro Monat da hin um ihre Geburtstagsgeschenke zu kaufen. Aber die Preise im Internet sind teilweise 15% und mehr unter dem, was der Laden anbieten konnte. Der Vesandhandel spart sich die Ladenfläche, braucht an sich nur Logistik, und wenn alles direkt über Amazon versendet wird spart er sich auch noch das Lager.

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