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Wirtschaft

Airline in Finanznöten

Klamme Germania soll 40 Millionen Euro an Sohn des Firmengründers zahlen

Die Fluggesellschaft Germania steckt in Finanznöten. Nach SPIEGEL-Informationen belastet ein Rechtsstreit mit dem Sohn des Firmengründers die Suche nach einem Geldgeber zusätzlich.

DPA
Samstag, 12.01.2019   08:01 Uhr

Im vergangenen Jahr wurden in der Luftfahrt gleich mehrere Rekorde gebrochen, bei der Zahl der Verspätungen, Flugausfällen, aber auch bei Pleiten. Allein in Europa mussten rund ein halbes Dutzend kleinere Gesellschaften Insolvenz anmelden, darunter die skandinavische Primera Air oder die belgische VLM. Am vergangenen Dienstag sah es so aus, als würde bald eine weitere dazukommen, die Berliner Fluglinie Germania. In einer überraschenden Mitteilung kündigte Firmenchef und Alleineigentümer Karsten Balke an, "aktuell mehrere Optionen einer Finanzierung" zu prüfen, "um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern". Im Klartext: Germania braucht Geld, und das dringend und schnell.

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Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt. Zwei Finanzspritzen sollen bei der kränkelnden Airline eingegangen sein, gerettet ist sie damit allerdings noch nicht. Nach SPIEGEL-Informationen könnte die Suche nach einem Käufer oder langfristigen Investor durch eine ungeklärte, aber brisante Altlast deutlich erschwert werden. Die Firmenspitze streitet seit Jahren mit dem Sohn des Firmengründers Erik Bischoff, 52. Er war Ende 2015 aus einer Beteiligungsgesellschaft, welche die Flugzeuge hielt, ausgeschieden, und verlangt als Ausgleich für seine Anteile 40 Millionen Euro. Die Germania-Führung lehnt die Zahlung ab, Mitte Oktober sprach das Landgericht Cottbus Bischoff immerhin knapp zehn Millionen Euro nebst Zinsen zu.

Doch der Erbe will sich damit nicht zufriedengeben und ließ über seinen Anwalt Niklas Mirbach aus der Hamburger Kanzlei Huth Dietrich Hahn Mitte November beim Oberlandesgericht Brandenburg Berufung einlegen. Er will unter anderem Rechtsanwendungsfehler geltend machen und zeigt sich zuversichtlich, dass er für seinen Mandanten die volle Summe herausholen kann.

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did

insgesamt 6 Beiträge
eule_neu 12.01.2019
1. Gier in der Wirtschaft bringt viele Prrobleme ...
Manche Leute bekommen den Rachen nicht voll. 10 Millionen reichen nicht zum Leben? Der Sohn des Firmengründers bringt das Lebenswerk in die Gefahr des Scheiterns. Sein Vater war ein toller Kerl und Germania ist eine gute und [...]
Manche Leute bekommen den Rachen nicht voll. 10 Millionen reichen nicht zum Leben? Der Sohn des Firmengründers bringt das Lebenswerk in die Gefahr des Scheiterns. Sein Vater war ein toller Kerl und Germania ist eine gute und zuverlässige Flugfirma. Aber wie das so bei Kindern von guten Firmengründern und ihr Verständnis zum Geld ist, treibt die Gier dann Blüten .. Rechtsanwälte tragen dann dazu bei, das langwierige Prozesse geführt werden müssen und ihr Honorar mit der Höhe des Erfolges steigt. Das ist zwar nicht zulässig, aber man kann das schwer nachweisen. Erfolg hat eben viele Seiten. Ich hoffe, dass das Oberlandesgericht die Gier des Erben stoppt ...
kynik 12.01.2019
2. Das wäre echt schade
Ich mag Germania. Kleine aber feine Linie mit attraktiven Zielen und gutem Preis / Leistungs - Verhältnis. Die haben im Gegensatz zu anderen Snack und Getränke noch nicht abgeschafft.
Ich mag Germania. Kleine aber feine Linie mit attraktiven Zielen und gutem Preis / Leistungs - Verhältnis. Die haben im Gegensatz zu anderen Snack und Getränke noch nicht abgeschafft.
SanchosPanza 12.01.2019
3. Rettungsbankrott?
Will man die Airline insolvent machen, um den von einem Gericht rechtskräftig zugesprochenen Schadensersatz nicht bezahlen zu müssen und das Unternehmen dann entschuldet weiterzuführen? Offensichtlich sind da sehr unsaubere [...]
Will man die Airline insolvent machen, um den von einem Gericht rechtskräftig zugesprochenen Schadensersatz nicht bezahlen zu müssen und das Unternehmen dann entschuldet weiterzuführen? Offensichtlich sind da sehr unsaubere Dinge gelaufen.
moonjupp 12.01.2019
4. welche Arrogant
10 Millionen? Sollten für ein restliches Leben reichen. Vielleicht sollte der Sohn des Firmengründers einmal darüberbnachdenken, was er mit weiteren Forderungen anstellt. Eine Airline, die Pleite geht und Arbeitslose [...]
10 Millionen? Sollten für ein restliches Leben reichen. Vielleicht sollte der Sohn des Firmengründers einmal darüberbnachdenken, was er mit weiteren Forderungen anstellt. Eine Airline, die Pleite geht und Arbeitslose hinterlässt. So etwas hat dann auch schwerwiegende Folgen für Partner der Germania. An Reiseveranstalltern, die mit der Germania zusammenarbeiten, geht dies auch nicht spurlos vorüber.
Düsentrieb, der Denker 12.01.2019
5. Die Gier des Erben
Der Erbe wird im Forum als gierig bezeichnet, weil er sich mit dem Urteil des LG Cottbus und €10 Mio nicht zufrieden geben will. Leider fehlt im SPON Beitrag jeglicher Hinweis, auf welchen Ansprüche/Ansprüche sich der Sohn [...]
Der Erbe wird im Forum als gierig bezeichnet, weil er sich mit dem Urteil des LG Cottbus und €10 Mio nicht zufrieden geben will. Leider fehlt im SPON Beitrag jeglicher Hinweis, auf welchen Ansprüche/Ansprüche sich der Sohn beruft und vor allem aus welchen Gründen ihm nur 1/4 der geforderten Summe zugesprochen worden ist. Wir wissen auch nicht, wie hoch seine Beteiligung war. Daher ist es zumindest müßig darüber zu diskutieren, ob der Sohn tatsächlich nur gierig ist oder nur seine Investition zurück haben will. Wir wissen auch nicht, warum der Sohn seine Beteiligung aufgegeben hat. Vielleicht hat ihn ja sein Vater, der tolle Kerl, aus der Firma rausgedrängt. Sicherlich ist es bedauerlich, wenn eine Familienfehde zu existentiellen Problemen führt und dadurch Arbeitsplätze und Existenzen bedroht werden. Solange aber die tatsächlichen Hintergründe dieser Auseinandersetzung nicht bekannt sind, sollten Schuldzuweisungen und charakterliche Bewertungen wie gierig etc. nur - wenn überhaupt-mit äußerster Zurückhaltung getätigt werden.

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