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Wirtschaft

Handelsstreit

US-Präsident Trump droht EU mit Strafzöllen auf Autos von 20 Prozent

Donald Trump verschärft den Handelsstreit mit der EU. Der US-Präsident kündigte auf Twitter an, Autoimporte aus der Europäischen Union mit Zöllen von 20 Prozent zu belegen.

DPA

VW-Fahrzeuge

Freitag, 22.06.2018   16:45 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat im Handelsstreit mit der EU erneut angedroht, Strafzölle auf europäische Auto-Importe zu verhängen. Wenn die Europäische Union nicht "bald" ihre Handelsbarrieren für US-Produkte beseitige, würden die USA "einen 20-prozentigen Tarif auf alle ihre Autos verhängen, die in die Vereinigten Staaten kommen", schrieb Trump am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Die nun angedrohten Strafzölle auf Autos würden besonders die deutschen Hersteller hart treffen. Deutschland exportierte im vergangenen Jahr Pkw im Wert von knapp 22 Milliarden Euro in die USA. Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat entspricht das mehr als der Hälfte aller Autoexporte der EU in die USA.

Der Aktienindex für die europäische Autobranche gab in Reaktion auf den Tweet um etwa ein Prozent nach, der Dax um 0,2 Prozent. Nach dem Rutsch erholte sich der Leitindex jedoch wieder - zum Handelsende schloss er mit einem Plus von 0,54 Prozent und somit einem Tageshoch.

Auch die Aktien der einzelnen deutschen Autobauer gerieten unter Druck. Zu den größten Verlierern gehörte die Aktie des Autobauers BMW, die 2,4 Prozent einbüßte. Die Titel der Konkurrenten Daimler und Volkswagen sanken um etwa anderthalb Prozent, die des Autozulieferers und Reifenherstellers Continental knapp zwei Prozent. Bis zum Börsenschluss hatten sich auch einige der Einzeltitel wieder erholt. Deutsche Autobauer sind mit Werken und Zehntausenden Beschäftigten in den USA vertreten.

Auch die Aktien der größten US-Autobauer verloren nach Trumps Nachricht an Wert. Ford büßte 0,5 Prozent und General Motors um 0,3 Prozent ein. Fiat Chrysler verlor 2,8 Prozent. Das italienische Unternehmen wäre ebenfalls von den angedrohten Sonderzöllen betroffen.

Die EU hatte in der Nacht auf Freitag als Reaktion auf die US-Aufschläge auf Aluminium und Stahl Gegenzölle auf eine Reihe von US-Produkten in Kraft gesetzt. Wie auch bei vorherigen Drohungen Trumps hatte sie grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Jedoch hatte Brüssel die Bedingung gestellt, Trump müsse für die Zeit der Gespräche auf Strafzölle auf Stahl und Aluminium verzichten.

Wegen der Einführung von Strafzöllen stehen die USA derzeit auch mit anderen Ländern im Handelsstreit. Vergangene Woche hatte Trump zusätzliche Strafzölle von 25 Prozent auf 1102 Produkte aus China im Wert von 50 Milliarden Dollar verhängt. Peking brachte daraufhin Vergeltungszölle auf US-Waren im Wert von ebenfalls 50 Milliarden Dollar auf den Weg. Auch Russland kündigte Zusatzzölle auf Importe aus den USA an, Indien zog am Donnerstag nach.

Zahlreiche Länder halten die Zölle für nicht vereinbar mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO.

fdi/ire/AFP/dpa/Reuters/dpa-afxp

insgesamt 238 Beiträge
graubereich 22.06.2018
1. Handel einstellen
Mal eine provokative Position. Den Handel mit dem Trump Amerika einfach komplett einstellen. Nichts mehr liefern und nichts mehr einführen. Solange dort ein Psychopath Präsident ist, der Kinder einsperrt, sich mit Diktatoren [...]
Mal eine provokative Position. Den Handel mit dem Trump Amerika einfach komplett einstellen. Nichts mehr liefern und nichts mehr einführen. Solange dort ein Psychopath Präsident ist, der Kinder einsperrt, sich mit Diktatoren trifft und sonst allerhand erschreckende Dinge macht, sollte man mit diesem Land kein Handel treiben. Dadurch wird das ja noch unterstützt. Alternativ: Er schlägt 20% drauf, na dann schlagen wir 30% drauf. Basta. Trump ist nicht mehr bei Verstand.
stadtmusikant123 22.06.2018
2. wie erwartet
Ich denke mal, das ist keine Überraschung. Nach der andauernden verbissenen Auseinandersetzung mit China, wird er vor der EU garantiert nicht zurückschrecken. Zumal er mit den Autos nur bestimmte Produzenten-Länder trifft. [...]
Ich denke mal, das ist keine Überraschung. Nach der andauernden verbissenen Auseinandersetzung mit China, wird er vor der EU garantiert nicht zurückschrecken. Zumal er mit den Autos nur bestimmte Produzenten-Länder trifft. Über den Stil lässt sich streiten , in der Sache hat er Recht, und die WTO kann solche Dinge nicht mehr lösen. Also. Schon mal überlegen, ob Handelskrieg oder Verhandlungen.
missourians 22.06.2018
3.
...ich hoffe die EU setzt dann auch mal ernstgemeinde Strafzölle gegen US-Waren aus, nicht nur so Alibi-Zölle gegen Waren die eh kaum jemand kauft, bzw. die US-Firmen in China produziert und in die EU importiert werden! sobald [...]
...ich hoffe die EU setzt dann auch mal ernstgemeinde Strafzölle gegen US-Waren aus, nicht nur so Alibi-Zölle gegen Waren die eh kaum jemand kauft, bzw. die US-Firmen in China produziert und in die EU importiert werden! sobald die US-Wirtschaft und deren Firmen mal WIRKLICH betroffen sind, wird er internen Gegenwind bekommen, vorher nicht.
Andreas P. 22.06.2018
4. Der erkennt mal wieder nicht die Tragweite....
die meisten, zumindest deutschen Modelle werden ohnehin in den USA gebaut und sogar in hohem Maße von dort exportiert; auch nach Europa. Hersteller wie Mercedes, BMW und Volkswagen haben in den USA tausende Arbeitsplätze [...]
die meisten, zumindest deutschen Modelle werden ohnehin in den USA gebaut und sogar in hohem Maße von dort exportiert; auch nach Europa. Hersteller wie Mercedes, BMW und Volkswagen haben in den USA tausende Arbeitsplätze geschaffen. Da wird dann halt der Bentley oder Rolls Royce um 20% teurer, aber das juckt deren Kunden ohnehin nicht. Der Schuss geht nach hinten los...
audaxaudax 22.06.2018
5. Keine Zölle mehr
eine sehr gute Idee. Ist leider in der EU nicht umzusetzten. Da sind die EU-Bauern vor (Wein- und Obstbauern , die Schweinezüchter, die das Grundwasser mit Nitrat verpesten, Schafzüchter aus Griechenland etc. etc. etc.). Die EU [...]
eine sehr gute Idee. Ist leider in der EU nicht umzusetzten. Da sind die EU-Bauern vor (Wein- und Obstbauern , die Schweinezüchter, die das Grundwasser mit Nitrat verpesten, Schafzüchter aus Griechenland etc. etc. etc.). Die EU schottet sich ab, zum Nachteil der Bauern in Asien Afrika und Amerika sowie der europäischen Konsumenten.
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