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Wirtschaft

Handelskrieg mit den USA

Berlin buhlt um Harley-Davidson

Wegen der EU-Vergeltungszölle will der Motorradhersteller Harley-Davidson einen Teil seiner Produktion ins Ausland verlagern. Auch die deutsche Hauptstadt will davon profitieren.

AFP

Harley-Davidson vor dem Reichstagsgebäude

Freitag, 13.07.2018   15:02 Uhr

Fast schon schelmisch wirkt der Zusatz über dem Datum auf dem Geschäftsbrief: Da wünscht der Geschäftsführer der landeseigenen Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner dem Harley-Davidson-Boss einen "fröhlichen" 4. Juli, den amerikanischen Unabhängigkeitstag. Dabei dürfte der US-Motorradhersteller derzeit nur wenig Grund zur Freude haben - leidet er doch als Opfer unter Zöllen und Drohungen im europäisch-amerikanischen Handelskrieg.

Doch Stefan Franzke scheint es ernst zu meinen, mit seinen Wünschen an Harley-Davidson-Chef Matthew Levatich im US-Bundesstaat Wisconsin. Denn als Wirtschaftsförderer, so hofft er, könnte er den Traditionsbetrieb aus Milwaukee in die deutsche Hauptstadt locken. Harley-Davidson hatte Ende Juni angekündigt, wegen der EU-Strafzölle einen Teil seiner Produktion in andere Länder zu verlagern. Harley in der Hauptstadt könne also gut funktionieren, glaubt Berlin - und nennt dafür einige Gründe.

So hätten viele andere internationale Konzerne in den vergangenen Jahren ihren Firmensitz nach Berlin verlegt, schreibt Franzke in dem Brief. Die Stadt sei aufgeschlossen und verfüge über viele Fachkräfte.

Außerdem würden auch bereits Motorräder in Berlin gefertigt - und zwar jährlich 150.000 Stück im BMW-Werk im Stadtteil Spandau. Franzke stellte Harley-Davidson zudem Fördergeld in Aussicht. "Doch am wichtigsten: Berlin ist die Stadt der Freiheit", heißt es in dem Schreiben, über das zuvor der "Tagesspiegel" berichtet hatte.

Das passe gut zu Harley-Davidson, findet Berlin Partner, schließlich verfügten die Fahrer entsprechender Motorräder über "ein ganz besonderes Freiheitsgefühl". Die Wirtschaftsförderer mussten aber auch einräumen: "zugegeben, die Straße des 17. Juni ist nicht die Route 66".

Eine Antwort auf den Brief, den Berlin Partner nach eigenen Angaben "am amerikanischen Unabhängigkeitstag in die 'echte' Post gegeben" hat, steht noch aus. Das Schreiben sei laut Sendungsverfolgung aber inzwischen angekommen. Harley-Davidson war für eine Stellungnahme am Freitag zunächst nicht erreichbar.

Berlin Partner

Werbung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner

Ob sich Berlin nun auch noch andere von Zöllen und Sanktionen bedrohte US-Firmen wie Levi's wenden will? "Nein, aber nur, weil uns keine konkreten Umzugspläne von Levi's bekannt sind", teilte ein Sprecher mit. "Sollte sich das ändern, werden wir auch Chip Bergh anschreiben. Und auch jeden weiteren Konzernchef, der sich dazu entscheidet, seine Firmenpolitik nicht Populismus und Abschottung zu unterwerfen."

apr/AFP

insgesamt 21 Beiträge
rmondr 13.07.2018
1. Ist das wünschenswert ?
Wenn Harleys in Deutschland produziert würden, würden sich viele Motorradfahrer, die es sich leisten können, so ein - sorry folks ! - altmodisches StatusBike anzuschaffen, freuen. Aber: diese Freude geht immer und überall ganz [...]
Wenn Harleys in Deutschland produziert würden, würden sich viele Motorradfahrer, die es sich leisten können, so ein - sorry folks ! - altmodisches StatusBike anzuschaffen, freuen. Aber: diese Freude geht immer und überall ganz auf Kosten der Menschen, die diese lauten Dinger nicht ertragen können und wollen ! Weshalb verbietet der TÜV die Zulassung solcher Krachkanonen "mit Kultstatus" nicht ? Ich wünsche mir weniger Lärm in den Städten und auch draußen in der Natur !
Onkel Drops 13.07.2018
2. da gibt es auch garantiert genug bessere Städte
wie nahe Berlin!!! Grundstückspreise, fehlender Flughafen und grottenschlechte Bauarbeiten ( nix wird fertig und überall tropfts rein ). und gute Transport Anbindungen und Fachkräfte findet man auch anderswo in der BRD. Berlin [...]
wie nahe Berlin!!! Grundstückspreise, fehlender Flughafen und grottenschlechte Bauarbeiten ( nix wird fertig und überall tropfts rein ). und gute Transport Anbindungen und Fachkräfte findet man auch anderswo in der BRD. Berlin muss anscheinend unbedingt noch mehr wachsen , statt erstmal angefangenes zu Ende zu bringen!!! rund um Berlin jenseits der 50 km Zone gibt es viel Bauland und fleissige Arbeiter. wie wäre es mit HarleyZ mit dem Zwickau Z . warum BMW in Berlin baute, is auch son subventioniertes Unding(nach 45 vor 89)
manicmecanic 13.07.2018
3. Fachkräfte?
Ach was,auf einmal sind doch welche in der BRD zu haben?Lächerlich diese Werbung pro Berlin.Die Weltstadt wo nichts wirklich gut funktioniert und den größten Teil Sozialfälle beherbergt soll auf einmal guter Standort für KFZ [...]
Ach was,auf einmal sind doch welche in der BRD zu haben?Lächerlich diese Werbung pro Berlin.Die Weltstadt wo nichts wirklich gut funktioniert und den größten Teil Sozialfälle beherbergt soll auf einmal guter Standort für KFZ Produktion sein und genug passende Facharbeiter haben.Aber nur in Nahles TakaTukaland.
dekorte 13.07.2018
4. Die Deutschen!
Was seit ihr für ein sonderbares Volk? Ihr kritisiert die US Amerikaner für alles und jeden, findet sie aufgeblasen, laut und protzig. Aber diese lächerlichen Motorräder, die genau das verkörpern, findet ihr großartig! Wie [...]
Was seit ihr für ein sonderbares Volk? Ihr kritisiert die US Amerikaner für alles und jeden, findet sie aufgeblasen, laut und protzig. Aber diese lächerlichen Motorräder, die genau das verkörpern, findet ihr großartig! Wie soll man Euch ernst nehmen können?
syt 13.07.2018
5. Besser,Trump implodiert !
es macht nicht so viel Dreck !
es macht nicht so viel Dreck !

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