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Wirtschaft

Hedgefonds gegen Porsche

Gericht zweifelt an der Argumentation der Kläger

Lichtblick im Prozessmarathon: Im Kampf gegen Hedgefonds, die während der Übernahmeschlacht um VW viel Geld verloren hatten, hat ein Richter jetzt Stellung für die Porsche SE bezogen: Er machte den Klägern wenig Hoffnung, den Prozess zu gewinnen.

DPA

Vertreter von Porsche SE im Landgericht in Stuttgart: Erhebliche Prozessrisiken

Montag, 10.02.2014   18:08 Uhr

Stuttgart - Es geht um Schadenersatz in Milliardenhöhe und Kurswetten an der Börse: Im jüngsten Porsche-Prozess um die gescheiterte VW-Übernahme zweifelt das Gericht an der Argumentation der Kläger. "Wir sehen zunächst erhebliche Prozessrisiken für die Klägerin", sagte die Vorsitzende Richterin am Montag zum Prozessauftakt am Stuttgarter Landgericht. Dort fordern US-Hedgefonds 1,36 Milliarden Euro Schadenersatz von der Porsche SE, weil sie sich während Porsches Übernahmepoker um Volkswagen 2008 falsch informiert fühlten.

Damals hatte die Porsche SE (PSE) in einer Pressemitteilung "Spekulationen" über eine Aufstockung der VW-Anteile auf 75 Prozent zurückgewiesen. Später hatte sie aber genau dies angekündigt. Die Kurse schossen in die Höhe. Anleger, die auf sinkende Kurse gewettet hatten, verloren viel Geld. Genau das fordern die Fonds nun zurück.

Ob sie deswegen wirklich Schadenersatz verlangen können, zweifelte das Gericht am Montag an. "Wir haben hier die Frage, ob es überhaupt geeignet ist, solche Presseerklärungen als haftungsbegründende Handlung heranzuziehen", sagte die Vorsitzende Richterin. Das gelte selbst dann, wenn die Porsche SE damals wirklich schon vorgehabt hätte, VW mit 75 Prozent zu beherrschen.

Porsche weist Anschuldigungen zurück

Die Porsche Holding selbst wies die Vorwürfe vor Gericht zurück. "Das ist pure Spekulation", betonte einer der anwesenden Anwälte. Die Porsche SE hatte stets betont, man habe die Öffentlichkeit nach bestem Wissen und Gewissen informiert.

Das Gericht betonte zudem, dass die Porsche SE damals nicht einmal verpflichtet gewesen sei, ihre Pläne zu veröffentlichen. Bei den strittigen Presseerklärungen hatte es sich um freiwillige Veröffentlichungen und nicht um Pflichtmitteilungen gehandelt.

Die Porsche Holding hat wegen des gescheiterten Übernahmeversuchs von VW noch etliche Klagen am Hals. Auch die Clan-Chefs Ferdinand Piëch und sein Cousin Wolfgang Porsche sehen sich einer Milliardenklage gegenüber. Entscheidungen gab es bisher jedoch nur in kleineren Fällen. Manche Klagen wanderten zudem von einem Gericht zum anderen, weil die Zuständigkeiten umstritten waren. Unter anderem waren sich das Oberlandesgericht Hannover und das Landgericht Braunschweig uneins. Der aktuelle Rechtsstreit war ursprünglich in den USA ausgetragen worden, wo die Mehrheit der klagenden Hedgefonds sitzt.

Ganzer Parcours an Hindernissen

Die Anwälte der Fonds verwiesen vor Gericht auch auf Telefonate mit dem Investor Relations Manager. Er habe den Plan, die VW-Anteile auf 75 Prozent aufzustocken, ebenfalls bestritten und die Anleger so in die Irre geführt. Auch diese Argumentation ließ das Gericht nicht gelten: Wenn Porsche tatsächlich im Geheimen einen solchen Plan gehabt habe, sei es fraglich, ob der Mann überhaupt eingeweiht worden sei, sagte die Vorsitzende Richterin.

Als strittig sah sie auch die Höhe der Schadenersatz-Forderungen an. Die Schadensberechnung biete reichlich Diskussionspunkte, betonte sie. "Das ist schon ein ganzer Parcours an Hindernissen, den es hier zu springen gilt." Das Urteil könnte am 17. März verkündet werden.

Die Aktien der Porsche SE Chart zeigen gewannen nach Bekanntwerden der Zweifel am Nachmittag deutlich hinzu. Zuletzt zogen die Papiere um 2,25 Prozent auf 75,56 Euro an.

mik/dpa

insgesamt 9 Beiträge
richardheinen 10.02.2014
1. optional
Das statement der Richterin ist noch kein Urteil, erst recht kein rechtskräftiges. Allerdings scheint sie den wunden Punkt der Argumentationskette der Kläger genau bloß gelegt zu haben. Was die Kläger gerne hätten, wird in [...]
Das statement der Richterin ist noch kein Urteil, erst recht kein rechtskräftiges. Allerdings scheint sie den wunden Punkt der Argumentationskette der Kläger genau bloß gelegt zu haben. Was die Kläger gerne hätten, wird in diesem Prozess sehr deutlich: Zocken können mit Rückversicherung.
dasAndi 10.02.2014
2. Schlechte Verlierer
Auf fallende Kurse gewettet und verloren. Pech gehabt! Und jetzt wird wieder gewettet. Diesmal aber auf einen Vergleich. Die Fonds hoffen das Porsche und VW die Prozesse beenden wollen und sich mit ihnen vergleichen. Ich hoffe [...]
Auf fallende Kurse gewettet und verloren. Pech gehabt! Und jetzt wird wieder gewettet. Diesmal aber auf einen Vergleich. Die Fonds hoffen das Porsche und VW die Prozesse beenden wollen und sich mit ihnen vergleichen. Ich hoffe das passiert nicht. Und dann werden die Anlegen hoffentlich die Manager dieser Fonds bis aufs letzte Hemd verklagen!
Benjowi 10.02.2014
3. Lächerliches Unterfangen!
Die Börse als Casino benutzen und dann die entgangenen Gewinne einklagen? Diese Hedgefondsleute haben ein sonniges Gemüt. Das sollten sie mal in Las Vegas versuchen........ LOL
Die Börse als Casino benutzen und dann die entgangenen Gewinne einklagen? Diese Hedgefondsleute haben ein sonniges Gemüt. Das sollten sie mal in Las Vegas versuchen........ LOL
vorsicht.sarkasmus 11.02.2014
4. Blinde Justizia
Jeder Betrüger mit dem Enkeltrick wird von den Gerichten wegen Betrugs zu Recht verurteilt. Aber es ist ja bekannt, dass Justizia blind ist. Deshalb sprechen Anwälte ja auch davon, dass man auf hoher See und vor Gericht in [...]
Jeder Betrüger mit dem Enkeltrick wird von den Gerichten wegen Betrugs zu Recht verurteilt. Aber es ist ja bekannt, dass Justizia blind ist. Deshalb sprechen Anwälte ja auch davon, dass man auf hoher See und vor Gericht in Gottes Hand sei. Die Betrüger mit dem Enkeltrick machen ja auch keine Pflichtmitteilung, was die Richterin wohl als Voraussetzung für einen Betrug und entsprechende Schadenersatzforderungen ansieht. Im Geschäftsleben muss man sich auf die Aussagen verlassen können. Aber das Gericht in Stuttgart glaubt wohl, das Lügen für die Spitze der Gesellschaft erlaubt, und nur bei den kleinen Ganoven verboten sei. Porsche hat in einer offiziellen Stellungnahme eine Aussage getroffen, mit der andere Marktteilnehmer in die Irre geführt wurden. Wenn zu dem Zeitpunkt der Presseerklärung nicht beabsichtigt war, eine 75% Mehrheitsbeteiligung und beherrschende Stellung zu erreichen, so ist dies zu prüfen. Nach Berichten in der Presse, war dies jedoch zum Zeitpunkt der Presseerklärung geplant. Die vorherigen Kommentatoren verkennen, worum es in diesem Fall geht. Es geht nicht darum, aus wahren Angaben die falschen Schlüsse gezogen zu haben und somit die Markentwicklung falsch eingeschätzt zu haben. Vielmehr geht es darum, ob falsche Angaben verbreitet wurden, auf die sich Marktteilnehmer verlassen haben, die zu Schadenersatz verpflichten. Leider hat es den Eindruck, dass die Herren des Porsche-Clans geschont werden sollen.
wibo2 11.02.2014
5. @dasAndi
Die Kommunikation von Porsche war wohl nicht einwandfrei. So geht das einfach nicht. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Auch wenn die Hedgefonds aus verständlichen Gründen hierzulande unbeliebt sind.
Zitat von dasAndiAuf fallende Kurse gewettet und verloren. Pech gehabt! Und jetzt wird wieder gewettet. Diesmal aber auf einen Vergleich. Die Fonds hoffen das Porsche und VW die Prozesse beenden wollen und sich mit ihnen vergleichen. Ich hoffe das passiert nicht. Und dann werden die Anlegen hoffentlich die Manager dieser Fonds bis aufs letzte Hemd verklagen!
Die Kommunikation von Porsche war wohl nicht einwandfrei. So geht das einfach nicht. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Auch wenn die Hedgefonds aus verständlichen Gründen hierzulande unbeliebt sind.

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