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Wirtschaft

Wahl-Mail an Mitarbeiter

Ernst & Young ruft zur Wahl "demokratischer Kräfte" auf

Die E-Mail vom Chef ging an alle 10.000 Mitarbeiter: Die Unternehmensberatung EY warnt davor, "demokratische Errungenschaften" infrage zu stellen - ein Seitenhieb gegen die AfD vor den Wahlen in Hessen und Bayern.

Getty Images

Gebäude von EY (Archiv)

Donnerstag, 11.10.2018   18:38 Uhr

Nach dem Triebwerkshersteller MTU ruft auch die deutsche Geschäftsführung der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) ihre Mitarbeiter dazu auf, bei den anstehenden Landtagswahlen nicht für Populisten zu stimmen.

Beide Bundesländer stünden vor "richtungsweisenden Landtagswahlen", heißt es in einer E-Mail an die etwa 10.000 in Deutschland beschäftigten EY-Mitarbeiter. Der Inhalt der Nachricht liegt dem SPIEGEL vor. "Viele demokratische Errungenschaften, auf die wir zu Recht stolz sind, werden auch bei uns in Deutschland wieder infrage gestellt", schreibt Geschäftsführer Hubert Barth darin.

Der Manager ruft "alle Kolleginnen und Kollegen auf, von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, um die demokratischen und rechtsstaatlichen Kräfte in unserem Land zu stärken". Für Deutschland seien "Rechtsstaatlichkeit und unsere Internationalität" entscheidende Standortvorteile im weltweiten Wettbewerb - ein erkennbarer Seitenhieb gegen die AfD, auch wenn Barth die Partei in seiner Nachricht nicht namentlich erwähnt.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Flugzeugzulieferer MTU in einem Brief an die Konzernbelegschaft ähnlich Front gegen Populisten gemacht hat: "Abschottung auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene bringt keinerlei Fortschritt", schrieb das Management. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus dürften nirgendwo Platz haben.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, Ernst & Young habe eine SMS an die Mitarbeiter geschickt, es war aber eine E-Mail. Wir haben das korrigiert.

beb

insgesamt 127 Beiträge
deffnull 11.10.2018
1. Sehr gut!
Endlich beziehen auch mal Großkonzerne Stellung zur demokratiefeindlichen AfD. Nazis brauchen wir in Deutschland nie wieder an der Macht!
Endlich beziehen auch mal Großkonzerne Stellung zur demokratiefeindlichen AfD. Nazis brauchen wir in Deutschland nie wieder an der Macht!
wo_st 11.10.2018
2.
Eine SMS an die Politiker, damit besser reagiert werden würde, wäre sinnvoller gewesen, aber leider auch absolut nutzlos.
Eine SMS an die Politiker, damit besser reagiert werden würde, wäre sinnvoller gewesen, aber leider auch absolut nutzlos.
herwescher 11.10.2018
3. Darauf hat unsere Demokratie gewartet ...
... Chefs, die den Mitarbeitern ziemlich unverhüllt empfehlen, was sie zu wählen und was sie nicht zu wählen haben ... Wäre vor 10 Jahren ein Entrüstungsschrei durch die gesamte Republik gegangen, wenn´s aber gegen die [...]
... Chefs, die den Mitarbeitern ziemlich unverhüllt empfehlen, was sie zu wählen und was sie nicht zu wählen haben ... Wäre vor 10 Jahren ein Entrüstungsschrei durch die gesamte Republik gegangen, wenn´s aber gegen die AfD geht, dann ist es egal ...
interessierter10 11.10.2018
4. Wann hört es endlich auf, dass von Populisten geredet wird.
Diese Verharmlosung geht wahrscheinlich so lange, bis es zu spät ist. Die AFD ist eine rechtsradikale bzw. rechtextremistische Partei, die unsere Demokratie abschaffen will. Genau das wollen auch die Briefe an die Mitarbeiter [...]
Diese Verharmlosung geht wahrscheinlich so lange, bis es zu spät ist. Die AFD ist eine rechtsradikale bzw. rechtextremistische Partei, die unsere Demokratie abschaffen will. Genau das wollen auch die Briefe an die Mitarbeiter ausdrücken. Dann muss es auch so genannt werden - von den Absendern und von der SPON-Redaktion.
karldhammer 11.10.2018
5. Noch (!!) haben wir
ein geheimes Wahlrecht, und das ist gut so.
ein geheimes Wahlrecht, und das ist gut so.
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