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Wirtschaft

Huawei-Konflikt

Chinas rücksichtslose Revanche

Der Huawei-Konflikt zwischen Kanada und China eskaliert: Peking beantwortet die Festnahme einer Topmanagerin mit Repressionen gegen völlig unbeteiligte Kanadier - und bestätigt jedes Vorurteil über das rücksichtslose Regime.

REUTERS

Chinesische Demonstranten in Kanada

Ein Kommentar von
Donnerstag, 13.12.2018   15:56 Uhr

Empört reagierte Peking vor einer Woche auf die Festnahme einer Chinesin in Kanada: Warum sei Meng Wanzhou, die Finanzchefin des Hightechkonzerns Huawei, in Vancouver verhaftet worden? Welcher Vorwurf rechtfertige eine solche "Verletzung ihrer Menschenrechte"?

Tatsächlich ist der Vorwurf völlig klar, ob er nun zutrifft oder nicht: Das US-Justizministerium beschuldigt Frau Meng, sie habe die Wirtschaftssanktionen gegen Iran unterlaufen, und verlangt, dass Kanada sie ausliefert. Im Übrigen hat ein Gericht Frau Meng inzwischen auf Kaution entlassen, und US-Präsident Donald Trump deutet an, dass er sich das mit der Auslieferung noch einmal überlegen werde. Frau Meng kann in Vancouver mit ihrer Familie ein stilles Weihnachtsfest begehen.

Zwei Kanadier in China können das womöglich nicht. Der Geschäftsmann Michael Spavor und der ehemalige Diplomat Michael Kovrig sind in China festgenommen worden - angeblich, weil sie die "nationale Sicherheit" gefährden, in Wahrheit aber, weil Peking an ihnen ein Exempel statuiert: Wer sich mit dem großen China anlegt, wird bestraft. Wer genau diese Strafe zahlt, spielt keine Rolle. Da findet sich schon jemand. Wie du mir, so ich dir.

Völlig Unbeteiligte für politische Machtspiele zu missbrauchen, ist eine Taktik von Despoten. Saddam Hussein, Muammar al-Gaddafi, die Diktatoren Nordkoreas haben so etwas getan. Dass es jetzt auch ein Staat von der großen Kultur und dem wirtschaftlichen Gewicht Chinas tut, ist ein Skandal - und bestätigt jedes Vorurteil über das aufstrebende China: Je mächtiger es wird, desto rücksichtsloser setzt es sich über Normen hinweg, die es für seine eigenen Bürger einklagt.

Zugleich ist es eine Warnung: Was Peking mit Kanada tut, das kann es eines Tages auch mit Frankreich, Großbritannien oder Deutschland tun. Die europäischen Regierungen sollten sich mit Ottawa solidarisieren und die sofortige Freilassung der beiden Kanadier verlangen. Und Deutschlands Unternehmer in China sollten auf der Hut sein.

insgesamt 228 Beiträge
schueler79 13.12.2018
1. We didn't start the fire
Werden die Chinesen wohl denken und fühlen sich, auch meine Meinung, im Recht. Denn schon die Verhaftung von Meng war US Imperialstil vom Feinsten und bewies deren Willkür auf der ganzen Welt amerikanisches Recht gelten zu [...]
Werden die Chinesen wohl denken und fühlen sich, auch meine Meinung, im Recht. Denn schon die Verhaftung von Meng war US Imperialstil vom Feinsten und bewies deren Willkür auf der ganzen Welt amerikanisches Recht gelten zu lassen. Kann man noch offener die Weltherrschaftsansprüche zur Schau stellen? Finde es richtig wenn sich jemand dagegen auflehnt, und moderat hilft nicht, die Amis verstehen nur Tatsachen!
thomasz1970 13.12.2018
2. das, liebe Leser...
glaubt doch wohl selbst keiner. "Die europäischen Regierungen sollten sich mit Ottawa solidarisieren", dass ich nicht lache. Die werden bei China auf Kuschelkurs gehen aus Furcht vor Repressionen und damit verbundenen [...]
glaubt doch wohl selbst keiner. "Die europäischen Regierungen sollten sich mit Ottawa solidarisieren", dass ich nicht lache. Die werden bei China auf Kuschelkurs gehen aus Furcht vor Repressionen und damit verbundenen wirtschaftlichen Einbussen. Und je mächtiger China wird, umso mehr wird es sich über andere zwischenstaatliche Konventionen hinwegsetzen, mein Wort darauf. Bis hin zur Besetzung durch seine Streitkräfte. Dafür benötigt man keine Glaskugel...
m.klagge 13.12.2018
3. Jede Wette, dass die Chinesen jederzeit
diverse und ähnlich abgedrehte Beschuldigungen aus dem Hut zaubern können wie Herr Trump. Das soll jetzt nicht zu Verteidigung des chinesischen Systems dienen, kann aber aufzeigen, dass zur Zeit der Unterschied zwischen den USA [...]
diverse und ähnlich abgedrehte Beschuldigungen aus dem Hut zaubern können wie Herr Trump. Das soll jetzt nicht zu Verteidigung des chinesischen Systems dienen, kann aber aufzeigen, dass zur Zeit der Unterschied zwischen den USA und China so groß gat nicht ist.
Flugzeugfreak1 13.12.2018
4. Ich habe es schon vor 10 Jahren gesagt, China wird gefährlich werden
Wir hätten nie so viel in China investieren dürfen, unser Know-How nicht nach dort verschenken dürfen, ihre Studenten nicht ausbilden dürfen. China wird uns alle mit der schieren Wirtschaftskraft dominieren und die USA [...]
Wir hätten nie so viel in China investieren dürfen, unser Know-How nicht nach dort verschenken dürfen, ihre Studenten nicht ausbilden dürfen. China wird uns alle mit der schieren Wirtschaftskraft dominieren und die USA schwächen sich dauernd selber. Die Amerikanische Vorherrschaft ist mir dann doch lieber als Chinas Vision der Welt.
tiropites 13.12.2018
5. Ziemlich einseitig Herr Zand
Vielleicht sollten Sie in Ihre Analysen miteinbeziehen, ob es gerechtfertigt ist, dass die USA den Iran sanktionieren und in wie weit es diktatorisch ist, die Einhaltung dieser Sanktionen anderen Ländern vorzuschreiben. Diesen [...]
Vielleicht sollten Sie in Ihre Analysen miteinbeziehen, ob es gerechtfertigt ist, dass die USA den Iran sanktionieren und in wie weit es diktatorisch ist, die Einhaltung dieser Sanktionen anderen Ländern vorzuschreiben. Diesen Aspekt lassen Sie völlig aus. Ja, China macht hier auch etwas falsch, aber der Agressor ist hier nicht China und die Floskel „wie du mir, so ich dir“ passt auch sehr gut zur USA, denen nämlich die wirtschaftliche Stärke Chinas ein Dorn im Auge ist und jede erdenkliche Gelegenheit dazu genutzt wird zu denunzieren.

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