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Wirtschaft

Nach Protesten

Großbank nimmt Gehaltserhöhung für Chef zurück

Um stolze 50 Prozent sollte das Gehalt von Ralph Hamers steigen, dem Chef der niederländischen Großbank ING. Daraus wird vorerst nichts. Man habe "die öffentliche Reaktion unterschätzt", heißt es zur Begründung.

REUTERS

ING-Zentrale in Amsterdam

Dienstag, 13.03.2018   13:19 Uhr

Die niederländische Großbank ING verzichtet angesichts öffentlicher Kritik darauf, das Gehalt ihres Vorstandschefs Ralph Hamers um 50 Prozent zu erhöhen. Dadurch solle weiterer Schaden abgewendet werden, sagte Aufsichtsratschef Jeroen van der Veer am Dienstag. Kunden, Mitarbeiter und Politiker hatten empört auf die geplante Gehaltserhöhung reagiert.

Van der Veer hatte trotz der heftigen Kritik zunächst an der Gehaltserhöhung festgehalten. Hamers sei seit Jahren unterbezahlt, argumentierte der frühere Chef des Ölkonzerns Shell. Auch die niederländische Regierung hatte nach Wegen gesucht, um die Gehaltserhöhung von zwei auf gut drei Millionen Euro zu blockieren. "Wir haben die öffentliche Reaktion unterschätzt", so van der Veer.

ING hatte vergangene Woche erklärt, die Vergütung solle lediglich an den europäischen Schnitt angepasst werden. Doch viele Niederländer erinnerten daran, dass die Bank in der Finanzkrise 2008 mit Steuergeld vor dem Kollaps gerettet wurde. Das Geld hat die Bank inzwischen zurückgezahlt, die letzte Tranche wurde 2014 an den Staat überwiesen.

Selbst nach der Gehaltserhöhung hätte Hamers weniger Geld erhalten als zahlreiche Chefs großer Banken, die Bezahlung hätte auf dem durchschnittlichen Niveau anderer niederländischer Großkonzerne gelegen. Der Aufsichtsrat will nun in Ruhe prüfen, wie die Vergütung angepasst werden kann. Erst 2019 kann ING seinen Aktionären einen neuen Vergütungsvorschlag unterbreiten.

dab/Reuters

insgesamt 5 Beiträge
DerHerrMustermann 13.03.2018
1. Sehr gut!
Das sind doch mal ambitionierte Gehaltswünsche. Solche Erhöhungen hätte ich auch gerne. Da wundert mich nicht, dass ich als Kunde der ING-DiBa mittlerweile nur noch 0,05% Zinsen auf mein Sparbuch bekomme. Offenbar werden die [...]
Das sind doch mal ambitionierte Gehaltswünsche. Solche Erhöhungen hätte ich auch gerne. Da wundert mich nicht, dass ich als Kunde der ING-DiBa mittlerweile nur noch 0,05% Zinsen auf mein Sparbuch bekomme. Offenbar werden die Gelder für andere Zwecke dringender benötigt.
jujo 13.03.2018
2. ...
Nun, eine Anpassung der Gehälter anderer Bankmanager an das Niveau der ING wäre angemessen. Die Frage stellt sich aber ob extrem hohe Gehälter in Wortsinne verdient sind. Das Argument wir müssen soviel zahlen sonst kriegen [...]
Nun, eine Anpassung der Gehälter anderer Bankmanager an das Niveau der ING wäre angemessen. Die Frage stellt sich aber ob extrem hohe Gehälter in Wortsinne verdient sind. Das Argument wir müssen soviel zahlen sonst kriegen wir keine guten Leute bzw. diese würden sonst abwandern, kann ich nicht gelten lassen. In der Kaste der Spitzenmanager und Aufsichtsräte wird sich gegenseitig hochgejubelt bei den Einkommen und Boni. Der Manager der Firma A ist Aufsichtsrat bei Firma B. Der Manger von Firma B ist Aufsichtsrat bei C. Der Manager von Firma C ist Aufsichtsrat bei A u.s.w. Tust Du mir was Gutes , sorge ich dafür das Dir auch was Gutes getan wird.
Newspeak 13.03.2018
3. ...
"Selbst nach der Gehaltserhöhung hätte Hamers weniger Geld erhalten als zahlreiche Chefs großer Banken, die Bezahlung hätte auf dem durchschnittlichen Niveau anderer niederländischer Großkonzerne gelegen." Das [...]
"Selbst nach der Gehaltserhöhung hätte Hamers weniger Geld erhalten als zahlreiche Chefs großer Banken, die Bezahlung hätte auf dem durchschnittlichen Niveau anderer niederländischer Großkonzerne gelegen." Das ist doch auch ein sinnvoller Vergleichsmasstab. Wieso muss sich ein niederlaendischer Bankchef mit Bankchefs in anderen Laendern vergleichen? Es ist sehr viel sinnvoller, wenn man die Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes zugrundelegt, die sich in den Gehaeltern anderer Manager von Grosskonzernen in diesem Wirtschaftsraum spiegelt. Wer sich mit dem vergleicht, der am meisten bekommt, ohne zu beruecksichtigen, dass jedes Gehalt einer individuellen Leistung entsprechen sollte, und erwirtschaftet werden muss, der ist einfach nur gierig.
issernichsüss 13.03.2018
4. "...ob extrem hohe Gehälter in Wortsinne verdient sind...."
Dazu ein alter Banker-Witz: Neulich in einer Bank in Frankfurt fragt der Bewerber den Personalchef: "Haben Sie eine Stelle für mich?" "Was können Sie denn so?" "Nichts." "Macht [...]
Zitat von jujoNun, eine Anpassung der Gehälter anderer Bankmanager an das Niveau der ING wäre angemessen. Die Frage stellt sich aber ob extrem hohe Gehälter in Wortsinne verdient sind. Das Argument wir müssen soviel zahlen sonst kriegen wir keine guten Leute bzw. diese würden sonst abwandern, kann ich nicht gelten lassen. In der Kaste der Spitzenmanager und Aufsichtsräte wird sich gegenseitig hochgejubelt bei den Einkommen und Boni. Der Manager der Firma A ist Aufsichtsrat bei Firma B. Der Manger von Firma B ist Aufsichtsrat bei C. Der Manager von Firma C ist Aufsichtsrat bei A u.s.w. Tust Du mir was Gutes , sorge ich dafür das Dir auch was Gutes getan wird.
Dazu ein alter Banker-Witz: Neulich in einer Bank in Frankfurt fragt der Bewerber den Personalchef: "Haben Sie eine Stelle für mich?" "Was können Sie denn so?" "Nichts." "Macht nichts, aber die Führungspositionen sind bei uns schon schon besetzt." ;-)
flitzepete 13.03.2018
5. Den Bezug zur Realität verloren
Zitat aus dem Artikel „Hamers sei seit Jahren unterbezahlt, argumentierte der frühere Chef des Ölkonzerns Shell. Auch die niederländische Regierung hatte nach Wegen gesucht, um die Gehaltserhöhung von zwei auf gut drei [...]
Zitat aus dem Artikel „Hamers sei seit Jahren unterbezahlt, argumentierte der frühere Chef des Ölkonzerns Shell. Auch die niederländische Regierung hatte nach Wegen gesucht, um die Gehaltserhöhung von zwei auf gut drei Millionen Euro zu blockieren.“ Egal in welche Relation man ein 2 Mio. Jahresgehalt setzt. Wer hier von unterbezahlt spricht hat meiner Meinung nach schon lange den Bezug zur Realität verloren.

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