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Wirtschaft

Scharfe Kritik

Ver.di fordert Nachbesserungen am Kaufhof-Sanierungskonzept

Beim kriselnden Warenhauskonzern Kaufhof wird über eine Neuausrichtung verhandelt. Ver.di will verhindern, dass die Sanierung zulasten der Arbeitnehmer geht.

DPA

Kaufhof-Filiale in Trier

Freitag, 18.05.2018   18:01 Uhr

Die Kaufhof-Geschäftsführung und die Gewerkschaft Ver.di haben sich auf einen Fahrplan für die Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag verständigt. Der Ver.di-Verhandlungsführer Bernhard Franke sagte nach Gesprächen in Frankfurt, es sei geplant, in einem ersten Schritt gemeinsame Ziele und Grundsätze für die Sanierung zu erarbeiten.

Als zweiter Schritt sei dann die Entwicklung eines für beide Seiten akzeptablen Sanierungskonzepts vorgesehen. Kaufhof-Chef Roland Neuwald sagte, er hoffe "im Sinne der Beschäftigten auf zügige Fortschritte und Ergebnisse".

Kaufhof kämpft mit Umsatzrückgängen und Verlusten. Viele Kunden kehren Innenstädten und Warenhäusern den Rücken und bestellen ihre Einkäufe lieber bei Onlinehändlern von Amazon bis Zalando. Der Warenhauskonzern war 2015 vom börsennotierten nordamerikanischen Handelskonzern HBC übernommen worden. HBC hatte in der Vergangenheit Übernahmeangebote des Karstadt-Eigners Rene Benko für den Kaufhof ausgeschlagen. (Mehr über den Niedergang von Kaufhof lesen Sie hier.)

Ver.di kritisiert Schieflage

Auf dem Weg zu einer Sanierung sind laut Ver.di aber noch einige Hürden zu überwinden. Die Gewerkschaft kritisierte "eine Schieflage zulasten der Arbeitnehmer". Franke bezeichnete das bislang von der Kaufhof-Führung vorgelegte Sanierungskonzept als völlig unzureichend. "Allein mit Kostensenkungen zulasten der Arbeitnehmer wird eine Sanierung nicht gelingen."

Notwendig seien nachvollziehbare Konzepte, wie die Kaufhäuser wieder attraktiver gemacht und Umsätze zurückgewonnen werden könnten, bevor über möglicherweise notwendige Lohnzugeständnisse geredet werden könne.

Kaufhof will in Modernisierung investieren

Kaufhof-Chef Neuwald sieht das eigene Sanierungskonzept dagegen als einen soliden Entwurf, der "neben Kosteneinsparungen vor allem auch Investitionen beinhaltet". Die Senkung der Personalkosten sei dabei aber ein wichtiger Baustein, ohne den eine nachhaltige Trendwende beim Kaufhof nicht gelingen könne.

Neuwald will in die Modernisierung der Warenhäuser investieren, zugleich will er das Onlinegeschäft ankurbeln und mehr Partner in die Warenhäuser holen. Die Verhandlungen sollen am 8. Juni fortgesetzt werden.

cop/dpa/Reuters

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