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Wirtschaft

US-Urteil

Johnson & Johnson soll 4,69 Milliarden Dollar zahlen

22 Frauen haben dem US-Pharmakonzern Johnson & Johnson vorgeworfen, für ihre Krebserkrankungen verantwortlich zu sein. Eine Jury verhängte nun eine Milliardenstrafe gegen den Konzern. Der wehrt sich.

Christian Gooden/St. Louis Post-Dispatch/AP

Anwalt Mark Lanier (r.) mit Kollegen und einer Klägerin in St. Louis

Freitag, 13.07.2018   10:46 Uhr

Der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson (J&J) ist zu einer Milliardenstrafe verurteilt worden, weil bestimmte Körperpflegeprodukte Krebs verursacht haben sollen. Beim Prozess in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri befand eine Jury J&J einstimmig für schuldig und ordnete Schadenersatz- und Strafzahlungen in Höhe von insgesamt 4,69 Milliarden Dollar an, das sind umgerechnet etwa 4 Milliarden Euro. Als Reaktion fielen die J&J-Aktien Chart zeigen im nachbörslichen Handel um ein Prozent.

Geklagt hatten 22 Frauen, die an Eierstockkrebs leiden. Sie machen J&J-Produkte wie das Körperpuder "Baby Powder" für ihre Erkrankungen verantwortlich und werfen dem Konzern vor, Gefahren verschwiegen zu haben. Klägeranwalt Mark Lanier beschuldigt Johnson & Johnson, seit über 40 Jahren Beweise zu vertuschen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Geschworenengericht das Unternehmen verurteilt. Einige hohe Strafen wurden später in Berufungsverfahren zurückgenommen, in anderen Fällen stehen Entscheidungen höherer Instanzen noch aus. J&J kündigte auch diesmal an, das Urteil mit allen möglichen Mitteln anfechten zu wollen. Das Verfahren sei hochgradig unfair gewesen.

Wegen angeblicher Krebsgefahren von Körperpflegeartikeln, die das Magnesiumsilikat Talkum enthalten, ist der Konzern in den USA mit Tausenden Klagen konfrontiert. In einigen Fällen, wie dem aktuellen, behaupten die Klägerinnen auch, dass diese Produkte Asbest enthalten würden. Johnson & Johnson weist die Vorwürfe zurück.

aar/dpa/Reuters

insgesamt 7 Beiträge
ichliebeeuchdochalle 13.07.2018
1.
Zitat aus dem Artikel: "In einigen Fällen, wie dem aktuellen, behaupten die Klägerinnen auch, dass diese Produkte Asbest enthalten würden. Johnson & Johnson weist die Vorwürfe zurück." Verstehe ich nicht, denn [...]
Zitat aus dem Artikel: "In einigen Fällen, wie dem aktuellen, behaupten die Klägerinnen auch, dass diese Produkte Asbest enthalten würden. Johnson & Johnson weist die Vorwürfe zurück." Verstehe ich nicht, denn das sollte sich doch im Labor analysieren lassen, oder nicht?
der.tommy 13.07.2018
2.
Da weiß man ja etwa was Bayer bevorsteht aufgrund der Klagen gegen monsanto. Welche unfähige Rechtsabteilung bei Bayer diesen Deal abgesegnet hat ist mir ein Rätsel.
Da weiß man ja etwa was Bayer bevorsteht aufgrund der Klagen gegen monsanto. Welche unfähige Rechtsabteilung bei Bayer diesen Deal abgesegnet hat ist mir ein Rätsel.
Pinin 13.07.2018
3. Stimmt
Jetzt da Monsanto deutsch ist werden in den USA alle Schranken fallen. Bei Bayer muss man wirklich am ... zweifeln.
Zitat von der.tommyDa weiß man ja etwa was Bayer bevorsteht aufgrund der Klagen gegen monsanto. Welche unfähige Rechtsabteilung bei Bayer diesen Deal abgesegnet hat ist mir ein Rätsel.
Jetzt da Monsanto deutsch ist werden in den USA alle Schranken fallen. Bei Bayer muss man wirklich am ... zweifeln.
Überfünfzig 13.07.2018
4. Heute reicht schon eine Vermutung,.......
.......... Halbwissen, Grummeln in der Magengegend um sein Gegenüber in die Hölle zu prozessieren. Eindeutige Beweise? Braucht man heute nicht! Man schwimmt auf der Moralwelle der Guten und wenn es dabei gegen die in bestimmten [...]
.......... Halbwissen, Grummeln in der Magengegend um sein Gegenüber in die Hölle zu prozessieren. Eindeutige Beweise? Braucht man heute nicht! Man schwimmt auf der Moralwelle der Guten und wenn es dabei gegen die in bestimmten Kreise verhasste Großindustrie geht, umso besser! Es zählt nicht mehr das Recht nach Gesetz und was beweisbar ist, sondern nur noch das Unwohlsein von Aktivisten, NGO’s und interessierten Lobbyisten. Nicht das ich Mitleid mit J & J habe, aber so eine Art Rechtsprechung höhlt den Rechtsstaat, wie er von unseren Gründerväter angedacht worden ist, mehr und mehr aus und wie am Beispiel der DUH macht man jetzt mit Hilfe geistig nahestehenden Richter auch Jagd auf den einfachen Bürger.
JerryKraut 13.07.2018
5. Leute,
das liest sich immer sehr schön, aber warum werden viele solcher Prozesse wohl in Bundesstaaten wie z.B. Texas verhandelt? Weil da unabhängig von den gigantischen Strafen, die die Jury verhängen mag, der Konzern maximal wenige [...]
das liest sich immer sehr schön, aber warum werden viele solcher Prozesse wohl in Bundesstaaten wie z.B. Texas verhandelt? Weil da unabhängig von den gigantischen Strafen, die die Jury verhängen mag, der Konzern maximal wenige Millionen zahlen muss, denn eine solche Beschränkung ist dort im Gesetz verankert. Pure Augenwischerei. Außerdem kann J&J so eine Strafe, selbst wenn der Konzern sie wirklich zahlen müßte, aus der Portokasse begleichen. Viel schlimmer ist der Image-Schaden. Saß kürzlich in einem Weinlokal mit einem deutsch-amerikanischen Ex-Manager einer Fluggesellschaft am Tisch, der auf Cape Cod lebt, und in Deutschland zu Besuch war. Der sprach mich auf diese Klagen gegen J&J an (einer von vielen Fällen, wie er meinte) und hatte nichts nettes mehr über den Konzern zu sagen, der einst eine Ikone der Corporate Social Responsibility in den USA war (damals schon vollkommen zu Unrecht, wie jeder feststellen wird, wenn er sich mal die Mühe macht seine Geschichte zu googlen!). Man sollte ihn in Janus&Janus umbenennen. J&J ist sehr gut in Propaganda in eigener Sache und im Vertuschen von Schweinereien. Früher wurde an der HBS der Fall der Tylenol-Vergiftungen durch einen Erpresser gelehrt und und wie vorbildlich J&J darauf reagiert habe soll (die Wahrheit sieht ein klein wenig anders aus). Heute lehrt man dort die widerrechtlichen heimlichen "Rückrufaktionen" unter Ex-CEO Bill Wheldon in einem ähnlich gelagerten, viel späteren Fall.

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