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Wirtschaft

Lehman-Insolvenz

Amtsgericht kassiert 67 Millionen Euro Gebühr

Die Lehman-Bank sorgt auch Jahre nach ihrer Pleite für Aufregung: Das Frankfurter Amtsgericht stellt 67 Millionen Euro Gebühr für die Abwicklung der deutschen Tochter in Rechnung. Am Ende könnte der Betrag doppelt so hoch ausfallen.

DPA

Einstige Deutschland-Zentrale von Lehman Brothers (Archivbild): Endabrechnung höher?

Freitag, 15.03.2013   11:57 Uhr

Frankfurt am Main - Die Summe klingt rekordverdächtig: Im Insolvenzverfahren um die deutsche Tochter der Pleitebank Lehman Brothers hat das Amtsgericht Frankfurt eine Rechnung in Höhe von vorläufig 67 Millionen Euro gestellt. Zur Endabrechnung könnte sich der Betrag verdoppeln. Die 67 Millionen seien bereits vom Insolvenzverwalter gezahlt worden, bestätigte am Freitag ein Justizsprecher einen "Handelsblatt"-Bericht. Über die Höhe sei aber noch nicht abschließend entschieden, derzeit laufe eine Prüfung.

Der Stuttgarter Insolvenzexperte Volker Grub kritisiert die Abrechnung scharf und verlangt eine Kappung der Gebühren bei 275.000 Euro. Gerichtsgebühren, so seine Argumentation im "Handelsblatt", müssten in einem "vernünftigen Verhältnis" zum Aufwand stehen.

Der Fall Lehman sorgt auch vier Jahre nach der Pleite immer wieder für Aufregung. Erst vor wenigen Monaten gerieten Gläubiger mit dem Insolvenzverwalter des deutschen Verfahrens in Streit. Denn Michael Frege und die Kanzlei CMS Hasche Sigle könnten bis zu 800 Millionen Euro erhalten. Die Abwicklung der Pleitebank durch den Juristen der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle wäre damit mehr als 20-mal so teuer wie beim bisherigen Rekordhalter: 2010 bekam der Karstadt-Insolvenzverwalter rund 32 Millionen Euro.

Die Kanzlei CMS Hasche Sigle verteidigt die geforderte Summe vehement. Das Lehman-Insolvenzverfahren wird nicht als ein klassisches Streitverfahren betrachtet, für die die Gebührenordnung geschaffen wurde. Somit gelte die Kappungsgrenze nicht. Dazu kommt, dass das Geld natürlich nicht an einen einzelnen Mann gezahlt wird. Laut Freges Kanzlei sind seit 2008 rund hundert Anwälte und Experten durchgehend mit der Abwicklung der Lehman-Tochter befasst.

yes/dpa

insgesamt 44 Beiträge
el burgués furioso 15.03.2013
1. Gier....
...macht nicht vor den Türen von Anwaltskanzleien statt. 800 Mio durch 100 Anwälte und 4 Jahre macht 2 Mio pro Nase Jahreseinkommen. Wenn man berücksichtigt, dass die Experten nur einen Bruchteil davon von den beauftragenden [...]
...macht nicht vor den Türen von Anwaltskanzleien statt. 800 Mio durch 100 Anwälte und 4 Jahre macht 2 Mio pro Nase Jahreseinkommen. Wenn man berücksichtigt, dass die Experten nur einen Bruchteil davon von den beauftragenden Anwälten kriegen dürfte deren Einkommen weit höher liegen. Und was den Staat betrifft: der sollte sich mal bei der eigenen Nase fassen, wenn es darum geht, unmoralischen Abgriff von Millionensummen zu Lasten der Investoren geht, zu begrenzen.
Magikweiß 15.03.2013
2.
Schon klar, die Banken (wenn auch nicht Lehman) bekommen Milliardenbeträge, die Insolvenzverwalter erhalten 800 Millionen und Vater Staat, der die systemrelevanten Banken stützen soll, soll sich mit 275.000 euro zufrieden geben. [...]
Schon klar, die Banken (wenn auch nicht Lehman) bekommen Milliardenbeträge, die Insolvenzverwalter erhalten 800 Millionen und Vater Staat, der die systemrelevanten Banken stützen soll, soll sich mit 275.000 euro zufrieden geben. Die Unverforenheiten nehmen kein Ende!
matbhmx 15.03.2013
3. Tja, irgendwie erstaunlich!
Wenn denn ausnahmsweise die Justiz, die ansonsten ja kaum kostendeckend arbeitet, nach einer bestehenden Gebührenordnung das ihr gesetzlich zustehende Geld erhält, meckert jemand, der hauptberuflich "Selbstbereicherer" [...]
Wenn denn ausnahmsweise die Justiz, die ansonsten ja kaum kostendeckend arbeitet, nach einer bestehenden Gebührenordnung das ihr gesetzlich zustehende Geld erhält, meckert jemand, der hauptberuflich "Selbstbereicherer" ist, gleich rum (bleibt nämlich für einen selbst und die eigene Klientel weniger übrig). Ansonsten gilt: Es sind ja gerade die Insolvenzverwalter, die bei den Insolvenzen kräftig und schamlos abgreifen - und dabei zumeist noch nicht einmal die ihnen vom Gesetz anvertraute Aufgabe, nämlich die Betriebe möglichst zu erhalten und nicht abzuwickeln, wahrnehmen. Mich würde im Übrigen Mal interessieren, wie der Herr Insolvenzexperte festgestellt haben will, wie hoch der Arbeitsaufwand des Gerichts bei der Abwicklung der deutschen Niederlassung Lehmanns gewesen sein soll. Ich möchte nicht wissen, wieviel Zeit die Bediensteten des Amtsgerichts geleistet haben, um des Verfahrens Herr zu werden, zumal kaum zu erwarten ist, dass auch nur eine einzige Arbeitskraft für die Erledigung des Verfahrens zusätzlich eingestellt worden ist. Darüber hinaus scheint dem Herrn Insolvenzexperten entgangen zu sein, dass mit einem solchen Verfahren auch Haftungsrisiken einhergehen, die ebenfalls durch das Gebührenvolumen mit abgedeckt werden müssen.
altchemnitzer 15.03.2013
4.
Da bleibt hoffentlich nichts mehr für die Anleger übrig und das Finanzamt kann dann sagen ein Totalverlust kann steuerlich nicht mit Gewinnen verrechnet werden. So kommt zum Schaden wenigstens noch richtig Spott dazu.
Da bleibt hoffentlich nichts mehr für die Anleger übrig und das Finanzamt kann dann sagen ein Totalverlust kann steuerlich nicht mit Gewinnen verrechnet werden. So kommt zum Schaden wenigstens noch richtig Spott dazu.
sabine_26 15.03.2013
5. Arme Gesellschaft
Anwälte zehren wie Parasiten an unserer Gesellschaft. Letzten Endes ist dies unser aller Vermögen welches den Anwälten zufließt. Kein Wunder: Wird unser Parlament doch von Anwälten dominiert und entspricht keineswegs einem [...]
Anwälte zehren wie Parasiten an unserer Gesellschaft. Letzten Endes ist dies unser aller Vermögen welches den Anwälten zufließt. Kein Wunder: Wird unser Parlament doch von Anwälten dominiert und entspricht keineswegs einem Abbild der Bevölkerung.

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