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Wirtschaft

Streit um Zuckergehalt

Lemonaid darf sich doch weiter Limonade nennen

Der Hamburger Getränkehersteller Lemonaid sollte sein Produkt nicht mehr Limonade nennen dürfen - weil es weniger als sieben Prozent Zucker hat. Nun rudern die Gesundheitsbehörden zurück.

picture alliance/dpa

Limonade der Marke Lemonaid (Archivbild)

Donnerstag, 10.01.2019   17:50 Uhr

Eine Limonade besteht zu mindestens sieben Prozent aus Zucker - so steht es in den Leitsätzen für Erfrischungsgetränke. Eine Abmahnung, die der Hamburger Hersteller Lemonaid für sein weniger gezuckertes Trendgetränk erhalten hatte, bleibt nun zunächst doch ohne Konsequenzen: Das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte werde die Limonade vorerst nicht beanstanden, teilte die Hamburger Gesundheitsbehörde mit.

Ein Fachamt des Bezirks Mitte hatte Lemonaid abgemahnt, weil eine Limonadensorte des Szene-Herstellers nicht den vorgeschriebenen Mindestzuckergehalt enthalte. Dem Hersteller wurde angeraten, entweder das Produkt umzubenennen oder den Zuckergehalt heraufzusetzen. Lemonaid hatte das abgelehnt.

Konkret geht es in dem kuriosen Fall um die Limetten-Limo der Firma. Es war das erste Produkt, das die Hamburger vor zehn Jahren auf den Markt brachten - bislang hatte keine Behörde daran etwas auszusetzen. Die Limonaden sind nicht nur bio und Fairtrade - von jeder verkauften Flasche spendet Lemonaid nach eigenen Angaben einen Betrag von fünf Cent für einen guten Zweck.

"Leitsätze für Lebensmittel überprüfen"

Der Zuckergehalt von sechs Prozent sei seit Produktstart unverändert und transparent auf der Flasche ausgewiesen, heißt es von der Firma. Die anderen Geschmacksrichtungen von Lemonaid haben demnach zum Teil einen noch geringeren Zuckergehalt.

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) kündigte nun an, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, "dass die Leitsätze für Lebensmittel hinsichtlich möglicher gesundheitsschädlicher Mindestgehalte überprüft werden". Lebensmittel mit wenig Zucker sollten nicht bestraft werden, "sondern der Normalfall sein".

"Der aktuelle Fall zeigt: Die Leitsätze für Erfrischungsgetränke sind in manchen Bereichen nicht nachvollziehbar und konterkarieren unsere Strategie zur Zuckervermeidung sowie zur gesundheitsbewussten Ernährung", sagte Prüfer-Storcks. Es sei "ein Stück aus dem Tollhaus, dass Leitsätze der Kommission für Lebensmittel zwar den Begriff Limonade schützen wollen, dadurch aber gleichzeitig der Reduzierung von Zucker entgegenwirken".

kko/dpa

insgesamt 13 Beiträge
eckawol 10.01.2019
1. Zur rechten Zeit in der Amtsstube aufgewacht,
um am konkreten Fall Lemonaid zu erkennen, dass die Umsetzung von bestehenden Regeln ( Mindeszuckergehalt) gelegentlich Dank Tiefschlaf in einer Amtsstube nicht erfolgt und eines Tages erkannt wird, dass das beanstandete Produkt [...]
um am konkreten Fall Lemonaid zu erkennen, dass die Umsetzung von bestehenden Regeln ( Mindeszuckergehalt) gelegentlich Dank Tiefschlaf in einer Amtsstube nicht erfolgt und eines Tages erkannt wird, dass das beanstandete Produkt den neuen Absichten/Strategien ( weniger Zucker ) weit voraus ist. Vom Steuerzahler bezahlter Tiefschlaf ist gelegentlich hilfreich.
Korken 10.01.2019
2. Alles verzuckert
Mich nervt es ungemein, dass man in unseren Supermärkten meist nur gezuckerte Limonaden und Säfte bekommen kann. Selbst Tee ist katastrophal versüßt. Kein Wunder, dass wir uns ungesund ernähren. Wenn man was mit Geschmack [...]
Mich nervt es ungemein, dass man in unseren Supermärkten meist nur gezuckerte Limonaden und Säfte bekommen kann. Selbst Tee ist katastrophal versüßt. Kein Wunder, dass wir uns ungesund ernähren. Wenn man was mit Geschmack trinken will nimmt man fast automatisch kalorienbomben zu sich. Wo bleiben ungesüßte bezahlbare(!) Getränke? In Japan und wohl auch anderen aisatischen Ländern gibt es soviel Abwechslung selbst beim Tee, dass einem das ganze verpappte Zeug in den Supermärkten hier zum Halse raushängt.
dasfred 10.01.2019
3. Ich fasse es nicht
In kürzester Zeit siegt die Vernunft über die Rechtslage. Wann hat es das in Hamburg zuletzt gegeben? Und alles ohne monatelanger Diskussion.
In kürzester Zeit siegt die Vernunft über die Rechtslage. Wann hat es das in Hamburg zuletzt gegeben? Und alles ohne monatelanger Diskussion.
der Pöter 10.01.2019
4. Was müssen manche Leute
Langeweile haben, sich um so einen Quatsch zu kümmern. Dafür bleiben wichtige Dinge liegen. Und wahrscheinlich stand bei der Entscheidungshilfe im Amt noch eine Flasche Cola auf dem Schreibtisch.
Langeweile haben, sich um so einen Quatsch zu kümmern. Dafür bleiben wichtige Dinge liegen. Und wahrscheinlich stand bei der Entscheidungshilfe im Amt noch eine Flasche Cola auf dem Schreibtisch.
heissSPOrN 10.01.2019
5. Leitsätze sind nicht rechtsverbindlich
Die sog. Leitsätze sind nicht rechtsverbindlich und dienen nur der Orientierung, wie ein Produkt beschaffen sein sollte - in erster Linie anhand althergebrachter Rezepturen. Da Zucker inzwischen als doppelplusböse gilt, weil [...]
Die sog. Leitsätze sind nicht rechtsverbindlich und dienen nur der Orientierung, wie ein Produkt beschaffen sein sollte - in erster Linie anhand althergebrachter Rezepturen. Da Zucker inzwischen als doppelplusböse gilt, weil viel zu viel davon in alle möglichen Lebensmittel eigentlich unnötig zur "Geschmacksverstärkung" beigemengt wird, sollten sich die Lebensmittelbehörden freuen, wenn ein Hersteller mit weniger auskommt - und nicht per Ordnungsverfügung (eine "Abmahnung" ist was anderes) mehr Zucker fordern. Zumal der niedrigere Zuckergehalt ja durchaus korrekt angegeben wird, eine Verbrauchertäuschung also nicht stgattfindet. Es wäre zu wünschen, Metzger würden genauso ehrlich angeben, wieviel Eis sie in die Wurst rühren, einzig, um ihren Profit zu erhöhen...

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