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Wirtschaft

Vetternwirtschaft in China

US-Behörden ermitteln gegen Morgan Stanley

Das US-Justizministerium und die Wertpapieraufsicht SEC haben ihre Ermittlungen wegen angeblicher Vetternwirtschaft in China offenbar ausgeweitet. Sie prüfen laut Reuters, ob auch die Investmentbank Morgan Stanley Kinder prominenter Chinesen eingestellt hat, um lukrative Aufträge zu erhalten.

REUTERS

Morgan-Stanley-Gebäude in Kalifornien: Ermittlungen von SEC und US-Justiz

Mittwoch, 27.11.2013   11:02 Uhr

Washington - Die Ermittlungen der US-Behörden wegen des Vorwurfs der Vetternwirtschaft in China betreffen einem Insider zufolge nun auch die Investmentbank Morgan Stanley. Das US-Justizministerium arbeite dabei eng mit der Wertpapieraufsicht SEC zusammen, die mehrere Banken unter die Lupe nehme, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person. Es werde geprüft, ob die Institute durch die Anstellung von Kindern prominenter Landsleute in China lukrative Aufträge gewonnen und damit möglicherweise gegen US-Korruptionsgesetze verstoßen hätten. Ein Sprecher von Morgan Stanley lehnte eine Stellungnahme ab.

Ein weiterer Insider bestätigte, dass die SEC bei Morgan Stanley Informationen zu der Anstellungspraxis in China angefordert habe. Im August war bekannt geworden, dass die Aufsichtsbehörde wegen Vetternwirtschaft in China gegen JP Morgan Chase ermittelt. Die Großbank soll in Hongkong Kinder mächtiger Manager von Staatsbetrieben eingestellt haben. Die US-Großbank sicherte zu, mit den Behörden zu kooperieren. Welche weiteren Geldhäuser untersucht werden, war zunächst nicht bekannt.

Bei Investmentbanken ist es Insidern zufolge gängige Praxis, nach Angestellten mit Regierungsbeziehungen Ausschau zu halten. Vor allem in China ist dies wegen der wichtigen Rolle der Kommunistischen Partei in der Wirtschaft von Bedeutung. Das US-Recht verbietet es Unternehmen zwar nicht, politisch gut vernetzte Mitarbeiter anzustellen. Kritisch wird es aber dann, wenn die Anstellungen vor allem den Zweck haben, daraus neue Geschäftsbeziehungen zu generieren - dann könnte es sich um einen Verstoß gegen Anti-Korruptions-Gesetze der USA handeln, die es verbieten, ausländische Regierungsbeamte zu begünstigen.

Wegen einer ähnlichen Ermittlung der SEC gegen Praktiken von US-Öl- und Gasunternehmen unter anderem in Afrika zahlten sechs Konzerne, darunter Shell, insgesamt 236 Millionen Dollar.

nck/Reuters

insgesamt 7 Beiträge
LarsLondon 27.11.2013
1. Keine Ueberraschung
Das ueberrascht nicht. Letzten Endes werden Leute eingestellt, die mehr Geschaeft generieren. Ob sie das nun durch "Faehigkeit" oder Beziehungen tun, ist egal.
Das ueberrascht nicht. Letzten Endes werden Leute eingestellt, die mehr Geschaeft generieren. Ob sie das nun durch "Faehigkeit" oder Beziehungen tun, ist egal.
manugel 27.11.2013
2. War ganz normal
als ich mich um eine Ausbildung in der Werbebranche Anfang der 90er beweorben habe. "Sorry, aber erst MiKis und KuKis". Also, erst wurden Mitarbeiter-Kinder und Kunden-Kinder berücksichtigt. Und sicher hat man sich bei [...]
als ich mich um eine Ausbildung in der Werbebranche Anfang der 90er beweorben habe. "Sorry, aber erst MiKis und KuKis". Also, erst wurden Mitarbeiter-Kinder und Kunden-Kinder berücksichtigt. Und sicher hat man sich bei den KuKis auch mehr Umsatz beziehungsweise stabile Kundenbeziehungen und Zugang zum Klientel gewünscht. Also, nichts Neues unter der Sonne...
pepe_sargnagel 27.11.2013
3.
Ist hier in Deutschland alles Besser! Hier zählen nicht die Kontakte, sondern die Leistung! Ich liebe unsere Marktwirtschaft - frag mich nur, wieso so viele Deutsche glauben, dass Leistung nicht lohnt (Umfrage in [...]
Zitat von sysopREUTERSDas US-Justizministerium und die Wertpapieraufsicht SEC haben ihre Ermittlungen wegen angeblicher Vetternwirtschaft in China offenbar ausgeweitet. Sie prüfen laut Reuters, ob auch die Investmentbank Morgan Stanley Kinder prominenter Chinesen eingestellt hat, um lukrative Aufträge zu erhalten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/moegliche-vetternwirtschaft-in-china-ermittlungen-gegen-morgan-stanley-a-935896.html
Ist hier in Deutschland alles Besser! Hier zählen nicht die Kontakte, sondern die Leistung! Ich liebe unsere Marktwirtschaft - frag mich nur, wieso so viele Deutsche glauben, dass Leistung nicht lohnt (Umfrage in Deutschland: "Leistung lohnt sich nicht" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/umfrage-in-deutschland-leistung-lohnt-sich-nicht-a-798150.html#js-article-comments-box-pager)). Ich denke, dass die Textpassage "Bei Investmentbanken ist es Insidern zufolge gängige Praxis, nach Angestellten mit Regierungsbeziehungen Ausschau zu halten. keinesfalls auf die westlichen Marktwirtschaften zu übertragen ist. Das kann doch gar nicht sein! Man braucht auch keine politischen Kontakte um jedem klar zu verdeutlichen wie wichtig bzw. alternativlos Investmentbanking ist! Und was heute gilt, das gilt auch schon seit jeher morgen auch. (Dieser letzte Absatz wird hiermit als Sarkasmus gekennzeichnet)
titopoli 27.11.2013
4. So war es in der DDR auch:
Kinder von Akademikern durften nicht studieren. Wenn die SEC das Recruiting der Banken kontrollieren will und gewisse Bewerber von vornherein ausschließen will, wird es wirklich kritisch - oder auch lächerlich angesichts der [...]
Kinder von Akademikern durften nicht studieren. Wenn die SEC das Recruiting der Banken kontrollieren will und gewisse Bewerber von vornherein ausschließen will, wird es wirklich kritisch - oder auch lächerlich angesichts der Tatsache dass der Wechsel von Politikern zu Banken und umgekehrt in den hohen Etagen gang und gäbe ist.
philemajo 27.11.2013
5. Wieso in die Ferne schweifen?
Auch in den USA beschäftigen Unternehmensberatungen und Investmentbanken gerne Söhne und Töchter der Einflussreichen. So z.B. Chelsea Clinton und zahlreiche andere ... Dürfte allerdings in den meisten Fällen - zumindest wenn [...]
Auch in den USA beschäftigen Unternehmensberatungen und Investmentbanken gerne Söhne und Töchter der Einflussreichen. So z.B. Chelsea Clinton und zahlreiche andere ... Dürfte allerdings in den meisten Fällen - zumindest wenn die Kinder nicht offensichtliche Blindgänger sind - schwer zu belegen sein, dass korrumpiert wurde.

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