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Wirtschaft

Einigung im Streit um Kultmarke

Naketano zahlt an Ex-Investor

Der Streit zwischen den Gründern des Modelabels Naketano und einem früheren Investor ist beigelegt. Fünf Jahre nach seinem Anteilsverkauf bekommt der Kläger weiteres Geld.

EPA-EFE

Kapuzenpullover von Naketano

Von
Donnerstag, 25.10.2018   13:04 Uhr

"Wir haben fertig", verkünden die Macher von Naketano auf ihrer Webseite - und zählen die Tage bis zum selbstverkündeten Aus. In gut zwei Monaten wollen sie demnach das erfolgreiche Label aufgeben. "Wie bereits zu Beginn dieses Jahres angekündigt, werden wir mit dem Ablauf des 31.12.2018 unseren Online-Shop offline nehmen", heißt es.

Ein weiteres wichtiges Thema kann die Firma jetzt schon abhaken: den Streit mit einem früheren Investor, der die Gründer verklagt hat. Der ehemalige Miteigentümer hatte den beiden Naketano-Gründern Sascha Peljhan und Jozo Lonac vorgeworfen, sie hätten ihn beim Verkauf seiner Anteile im Jahr 2013 unter Wert ausbezahlt und hatte Klage eingereicht. Der Ex-Geschäftspartner sah sich arglistig getäuscht und forderte seine Gesellschafteranteile zurück.

Nun haben sich beide Seiten auf einen Vergleich geeinigt. Die Naketano-Gründer zahlen dem früheren Geschäftspartner fünf Jahre nach dessen Anteilsverkauf noch einmal Geld nach, wie der SPIEGEL erfuhr. Zur Höhe der Zahlung äußern sich beide Seiten nicht.

Arne Koch von der Kanzlei Göhmann bestätigte als Anwalt des Klägers die Einigung und sprach von einem zufriedenstellenden Ergebnis für seinen Mandanten. "Es ging mir mit der Klage nicht darum, mich durch den Prozess nachträglich am Geschäftserfolg von Naketano zu bereichern. Es hat mich ja seinerzeit niemand zum Verkauf gezwungen", teilte der frühere Naketano-Geschäftspartner mit, der anonym bleiben möchte. "Durch die jetzige Zahlung sehe ich mich aber bestätigt, dass dem damaligen Verkaufspreis falsche Zahlen zugrunde lagen."

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Auch Martin Gaehme, Anwalt der Naketano-Gründer, bestätigte die Einigung. Man habe sich "ohne Beweisaufnahme und Einholung eines Sachverständigengutachtens auf den durch das Gericht vorgeschlagenen Vergleich geeinigt und den Rechtsstreit so beigelegt", hieß es. "Die Gründer haben den Vergleich ohne Anerkennung einer Rechtspflicht nur geschlossen, um das Verfahren kurzfristig zu beenden und keinen jahrelangen Rechtsstreit zu führen", teilte Gaehme mit.

Der frühere Geschäftspartner zeigt sich zufrieden. Die nun insgesamt gezahlte Summe kommt seinem Anwalt zufolge einem Betrag nahe, zu dem er im Jahr 2013 wohl auch verkauft hätte, wenn er damals über mehr Informationen verfügt hätte.

Der Streit war zuletzt vor dem Landgericht Essen verhandelt worden. Dort schlug die Vorsitzende Richterin bei einem Termin im April beiden Seiten einen Vergleich vor.

Ohne Vergleich hätte sich das Verfahren wohl hingezogen

Der frühere Investor, ein Geschäftsmann aus Hamburg, hatte im Jahr 2013 beim Verkauf seiner Naketano-Anteile etwa 1,3 Millionen Euro und einen Beratervertrag in Höhe von 160.000 Euro erhalten. Drei Jahre später stellte er fest, dass die Geschäfte bei Naketano schon 2013 wesentlich besser liefen, als er damals wusste. Der Ex-Geschäftspartner sah sich von Peljhan und Lonac getäuscht und mit einer zu niedrigen Summe abgespeist.

Ohne einen Vergleich hätte sich das Verfahren länger hingezogen. So hätte wohl ein vom Gericht berufener Sachverständiger klären müssen, ob den Naketano-Gründern zum Zeitpunkt der Verkaufsverhandlungen im September 2013 bewusst war, dass der Gewinn höher ausfallen würde als von ihnen dargelegt. Hätte die Klage des Ex-Miteigentümers Erfolg gehabt, hätte der Verkaufsvertrag rückabgewickelt werden müssen - ein enorm aufwendiges und kostspieliges Verfahren für die Gründer.

naketano

Oberteile im Naketano-Onlineshop

Naketano hatte mit seinem angekündigten Aus zu Jahresbeginn für Schlagzeilen gesorgt. Das Label hatte in der umkämpften Modebranche außergewöhnliche Erfolge erzielt. Die beiden Gründer haben sich bislang nicht dazu geäußert, warum sie aufhören wollen. Sichtbares Erkennungsmerkmal von Naketano sind dicke Kordeln und Kapuzenpullover. Zudem haben die Kleidungsstücke teils anzügliche Namen.

(Lesen Sie hier die Hintergründe zum Streit um Naketano)

insgesamt 10 Beiträge
_gimli_ 25.10.2018
1.
Sehr schade, dass diese Marke aufgegeben wird. Für junge Leute sehr ansprechende Kleidung mit super Qualität. Im Schrank meiner Tochter hängt allerdings mittlerweile Naketano-Outfit, das gefühlt für 10 Jahre reicht. Sie hat [...]
Sehr schade, dass diese Marke aufgegeben wird. Für junge Leute sehr ansprechende Kleidung mit super Qualität. Im Schrank meiner Tochter hängt allerdings mittlerweile Naketano-Outfit, das gefühlt für 10 Jahre reicht. Sie hat erst vor 2 Wochen angesichts der anstehenden Schließung nochmal heftig investiert. Sieht alles sehr cool aus. Da können sich andere Marken mehr als nur eine Scheibe abschneiden.
technikaffin 25.10.2018
2. Ja jedes Jahr ne neue Marke
Also wer gern aussehen will wie der Durchschnitt und Werbung für seinen Klamottenhersteller macht, sollte weiterhin zu solchen Marken wie Camp David, Bench (gibt's die noch?) oder Naketano machen.. Mainstream halt..
Also wer gern aussehen will wie der Durchschnitt und Werbung für seinen Klamottenhersteller macht, sollte weiterhin zu solchen Marken wie Camp David, Bench (gibt's die noch?) oder Naketano machen.. Mainstream halt..
eric_HH 25.10.2018
3. Angsthäschen
Wenn er mehr Informationen gehabt hätte, hätte er zu einem höheren Preis verkauf?!? Warum hat er nicht danach gefragt und lieber zu einem niedrigeren Preis verkauft? Gierig und Angst! Verkauft bevor er nichts bekommt, klagt, [...]
Wenn er mehr Informationen gehabt hätte, hätte er zu einem höheren Preis verkauf?!? Warum hat er nicht danach gefragt und lieber zu einem niedrigeren Preis verkauft? Gierig und Angst! Verkauft bevor er nichts bekommt, klagt, weil er sich benachteiligt fühlt und schließt dann einen Vergleich bevor er leer ausgeht. Das allerschlimmste ist aber, dass er sich als Hamburger Investor ausgiebt, obwohl er aus Unna kommt.
Crom 25.10.2018
4.
Offenbar fühlte er sich nicht nur benachteiligt sondern wurde es auch, weil von Käuferseite offenbar falsche Informationen an ihm gegeben wurden.
Zitat von eric_HHWenn er mehr Informationen gehabt hätte, hätte er zu einem höheren Preis verkauf?!? Warum hat er nicht danach gefragt und lieber zu einem niedrigeren Preis verkauft? Gierig und Angst! Verkauft bevor er nichts bekommt, klagt, weil er sich benachteiligt fühlt und schließt dann einen Vergleich bevor er leer ausgeht. Das allerschlimmste ist aber, dass er sich als Hamburger Investor ausgiebt, obwohl er aus Unna kommt.
Offenbar fühlte er sich nicht nur benachteiligt sondern wurde es auch, weil von Käuferseite offenbar falsche Informationen an ihm gegeben wurden.
U. Sielaff 25.10.2018
5. @jautaealis
"Hinter ihren Trägern verbergen sich nämlich in erdrückend großer Mehrzahl Personen, die in irgendeiner Form Dreck am Stecken haben..." Soso, jetzt müssen Sie nur noch irgendwie den Bezug zu Nazis und [...]
"Hinter ihren Trägern verbergen sich nämlich in erdrückend großer Mehrzahl Personen, die in irgendeiner Form Dreck am Stecken haben..." Soso, jetzt müssen Sie nur noch irgendwie den Bezug zu Nazis und AFD-Wählern herstellen, dann passts. Also wirklich. Sie kommen auf Ideen.

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