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Wirtschaft

Drohendes Veto

Nord Stream 2 könnte an Dänemark vorbeilaufen

In Dänemark regt sich Widerstand gegen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Jetzt legen die Bauherren Pläne für eine neue Route vor, die nicht durch dänische Hoheitsgewässer läuft.

DPA

Bauarbeiten für Nord Stream in Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild)

Freitag, 10.08.2018   14:43 Uhr

Angesichts eines drohenden Vetos aus Dänemark hat der Pipelinebauer Nord Stream 2 eine alternative Route für die Ostsee-Pipeline vorgeschlagen. Die Gasleitung könne auch nordwestlich der Insel Bornholm verlegt werden, teilte das Unternehmen mit. Damit würde sie nur durch die dänische Wirtschaftszone laufen, nicht aber durch dänische Hoheitsgewässer.

Die dänische Energiebehörde erklärte, sie habe den Antrag für die neue Strecke bekommen und werde ihn nun prüfen. Dänemark hat noch nicht entschieden, ob es einer Leitungsführung durch seine Gewässer zustimmt. Die Regierung hat eine Abstimmung über ein Vetogesetz im Parlament verschoben. Sollte es angenommen werden, könnten die Parlamentarier unter Hinweis auf Sicherheitserwägungen ein Veto gegen das Projekt einlegen.

Wie in anderen europäischen Ländern spielen neben Umweltaspekten vor allem geostrategische Überlegungen eine Rolle. So will die Regierung in Kopenhagen verhindern, dass die Ukraine als bisheriges Transitland beim Gasgeschäft leer ausgeht. Wie Deutschland auch fordert Dänemark deshalb von Russland Zusagen, dass die Ukraine durch Nord Stream 2 nicht die Transitgebühren verliert.

Nord Stream 2, eine Tochter des russischen Energiekonzerns Gazprom, soll zusätzlich zur bereits existierenden Leitung Nord Stream eine zweite Pipeline durch die Ostsee von Russland nach Deutschland bauen. Durch die 1200 Kilometer lange und 9,5 Milliarden Euro teure Leitung soll ab 2020 russisches Gas nach Europa fließen. Die USA, Polen und die baltischen Staaten kritisieren das Projekt, weil sie eine zu große Abhängigkeit der EU von russischem Gas befürchten.

An der deutschen Ostseeküste werden die ersten Rohre schon verlegt. Parallel zum neuen Antrag hält Nord Stream 2 an dem bisherigen Streckenvorschlag fest. Der Antrag von April 2017 für die bevorzugte Trasse werde nicht zurückgezogen, hieß es in der Mitteilung. An dem Projekt sind auch westliche Firmen wie die BASF-Tochter Wintershall beteiligt.

dab/Reuters/dpa

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