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Wirtschaft

Verbraucherschützer hoffen

Mega-Deal zwischen E.on und RWE könnte zu sinkenden Strompreisen führen

E.on und RWE wollen die RWE-Öko-Tochter Innogy unter sich aufteilen. Das könnte sinkende Strompreise zur Folge haben, hoffen Verbraucherschützer - sofern die Kartellbehörde den Deal genehmigt.

dpa

RWE-Innogy-Windpark vor der Küste von Nordwales

Montag, 12.03.2018   10:13 Uhr

Verbraucherschützer hoffen nach der Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch E.on auf sinkende Strompreise in Deutschland. Jeder Wettbewerber, der vom Strommarkt verschwinde, sei zwar für den Verbraucher "eine traurige Nachricht", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, dem "Handelsblatt". "Innogy ist aber ein eher teurer Grundversorger, darum ist zu hoffen, dass E.on die Strompreise senken wird." Dennoch sollte das Kartellamt aus Müllers Sicht einen kritischen Blick auf die Fusion werfen, um sicherzugehen.

E.on und RWE hatten am Wochenende überraschend angekündigt, ihre Geschäfte aufteilen zu wollen. E.on will dazu in einem ersten Schritt die RWE-Ökostrom- und Netztochter Innogy kaufen und im Gegenzug den Konkurrenten RWE am eigenen Unternehmen beteiligen. E.on würde das lukrative Netzgeschäft von Innogy erhalten, während die erneuerbaren Energien unter dem Dach von RWE vereint werden sollen. Das erst zwei Jahre alte Unternehmen Innogy würde damit zerschlagen.

Durch den Deal mit E.on sollen die erneuerbaren Energien von Innogy zu RWE zurückkehren. Zudem soll RWE das bisherige E.on-Geschäft mit den Ökoenergien übernehmen. E.on würde im Gegenzug zu einem Unternehmen, das sich ganz auf die Energienetze und das Endkundengeschäft konzentriert.

Für den designierten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) reagieren E.on und RWE mit ihren Plänen auf die Energiewende. Die Entscheidung mache deutlich, "dass die großen Energieversorger sich auf die Energiewende einstellen und neue Geschäftsmodelle etablieren", sagte Altmaier der "Rheinischen Post".

Die geschäftsführende Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat sich im Grundsatz positiv zu den Plänen geäußert. "Es ist gut, wenn es in Deutschland wettbewerbsfähige und international orientierte Energieversorger gibt. Die jetzigen Pläne können dazu ein Beitrag sein", sagte die scheidende Ministerin. Eine Konzentration auf bestimmte Geschäftsfelder könne notwendige Investitionen bei Erzeugung und Verteilnetzen befördern.

Innogy äußert sich nicht zu den Plänen

Innogy will sich vorerst nicht zu den Zerschlagungsplänen äußern. "Wir werden uns zu einem späteren Zeitpunkt in angemessener Weise äußern", sagte Vorstandschef Uwe Tigges am Montag auf der Bilanzpressekonferenz in Essen.

Unter den mehr als 40.000 Mitarbeitern von Innogy herrscht die Sorge, dass es zu einem Jobabbau kommen könnte - etwa im Vertrieb oder der Verwaltung. In einem internen Schreiben versuchte der Innogy-Chef, die Mitarbeiter zu beruhigen. "Vorstand und Aufsichtsrat werden die vorgeschlagene Transaktion sorgfältig prüfen", schrieb der Manager. "Wir versichern Ihnen, dass die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Unternehmens ebenso wie die unserer Aktionäre weiterhin an vorderster Stelle von uns verfolgt werden."

RWE hatte das eigene Geschäft mit erneuerbaren Energien, dem Vertrieb und dem Netz erst im Oktober 2016 unter dem Namen Innogy an die Börse gebracht. Seitdem hält RWE noch knapp 76,8 Prozent an Innogy. RWE behielt die konventionellen Großkraftwerke und den Stromgroßhandel.

Innogy war zuletzt schwer gebeutelt. Nach einer Gewinnwarnung und einem Kursverlust an der Börse räumte Vorstandschef Peter Terium im vergangenen Dezember seinen Posten. Seitdem führt Personalvorstand Uwe Tigges kommissarisch den Vorstand.

hej/dpa/Reuters

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