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Wirtschaft

Wertlose Zertifikate

Deutsche Lehman-Opfer erstreiten 7,4 Millionen Euro

Mehr als sieben Millionen Euro hatte ein Ehepaar aus Hannover in Lehman-Zertifikate investiert - und bei der Pleite der US-Investmentbank alles verloren. Das Oberlandesgericht Hamburg entschied jetzt: Wegen Falschberatung muss die Bank das Paar entschädigen.

REUTERS

Lehman-Brothers-Zentrale in New York: 7,4 Millionen Euro Schadensersatz

Mittwoch, 22.08.2012   15:48 Uhr

Hamburg/Hannover - Jahrelang kämpften deutsche Besitzer von Lehman-Zertifikaten um Entschädigung, seit April werden die ersten Entschädigungsschecks versendet. Doch die Summe, die nun ein Ehepaar aus Hannover erstritt, dürfte die Ausnahme bleiben: Wegen falscher Beratung sprach das Hamburger Oberlandesgericht (OLG) den Eheleuten 7,4 Millionen Euro Schadensersatz zu. Mit dem Urteil (Az. 14 U 291/10) bestätigte das OLG eine Entscheidung des Hamburger Landgerichts.

Das vermögende Paar besaß bereits Lehman-Papiere, als ihm die Bethmann-Bank im April 2008 vorschlug, Commerzbank-Zertifikate zu verkaufen und dafür weitere Zertifikate von Lehman Brothers zu kaufen. Im April 2008 erwarb das Geldinstitut für das Paar weitere Lehman-Zertifikate im Wert von knapp 3,7 Millionen Euro. Im September des Jahres meldete die US-Bank dann Insolvenz an - die Pleite erschütterte die Finanzmärkte weltweit. Das Ehepaar reichte Klage gegen seine Hausbank ein.

Beratungspflichten verletzt

Im September 2010 verurteilte das Landgericht Hamburg die Bethmann-Bank zur Zahlung von Schadensersatz wegen einer Pflichtverletzung aus dem Anlageberatungsvertrag. Die Bank hätte das Paar aufklären müssen, dass es mit Lehman bergab ging, hieß es zur Begründung.

Die Bank habe ihre Beratungspflichten unter anderem deshalb verletzt, weil sie den Anlegern vor dem Tausch der Commerzbank- in Lehman-Zertifikate ein falsches, schlechteres Rating zur Commerzbank genannt habe, sagte ein OLG-Sprecher. "Um einen Vergleich der Papiere zu ermöglichen, hätten wesentliche Informationen zu beiden Zertifikaten richtig und vollständig sein müssen."

Auch die negative Presseberichterstattung über Lehman habe die Bank verschwiegen. Sie hätte aber über Risikofaktoren aufklären müssen - unabhängig davon, ob im April 2008 bereits ein konkretes Insolvenzrisiko für Lehman vorhersehbar war. Noch Ende Juli 2008 habe das Institut das Paar jedoch nicht auf die Herabstufung des Ratings von Lehman hingewiesen, sondern vom Verkauf der Zertifikate abgeraten.

nck/dpa

insgesamt 8 Beiträge
jetzt:hördochauf 22.08.2012
1. keine Ahnung...
Meinem Gefühl nach sollte der "Welpenschutz" spätestens bei der Millionen aufhören... Es ist etwas eigenartig extrem Vermögend zu sein und sich darauf zu berufen mit Geld nicht umgehen zu können - dann wäre es ja [...]
Meinem Gefühl nach sollte der "Welpenschutz" spätestens bei der Millionen aufhören... Es ist etwas eigenartig extrem Vermögend zu sein und sich darauf zu berufen mit Geld nicht umgehen zu können - dann wäre es ja richtig das der Berater automatisch steinreich sein sollte - von dem wird es ja verlangt ... Fragen über Fragen..
kimba2010 22.08.2012
2. optional
Vermögend muss man sein, um sich so einen jahrelangen Rechtsstreit leisten zu können. Oma Tüttelbeck bekommt im Gegensatz zu dem reichen Ehepaar aus Hannover nach einer Falschberatung natürlich keinen Cent zurück, sie kann [...]
Vermögend muss man sein, um sich so einen jahrelangen Rechtsstreit leisten zu können. Oma Tüttelbeck bekommt im Gegensatz zu dem reichen Ehepaar aus Hannover nach einer Falschberatung natürlich keinen Cent zurück, sie kann sich eben keine Herde von Rechtsanwälten leisten.
JohannWolfgangVonGoethe 22.08.2012
3. Nicht kleckern - klotzen
Bin ja mal gespannt ob Lieschen Müller und ihre Oma, die je 800EUR angelegt hatten, auch entschädigt werden.
Bin ja mal gespannt ob Lieschen Müller und ihre Oma, die je 800EUR angelegt hatten, auch entschädigt werden.
return33 22.08.2012
4. hm
Ohne den genauen Inhalte des Beratungsvertrages zu kennen kann man dazu nun wenig sagen... insbesondere weil sich der Anspruch ja wohl ganz wesentlich auf eine Veretzung des Beratungsvertrages stüzt. Endurteil? Keine Revision [...]
Ohne den genauen Inhalte des Beratungsvertrages zu kennen kann man dazu nun wenig sagen... insbesondere weil sich der Anspruch ja wohl ganz wesentlich auf eine Veretzung des Beratungsvertrages stüzt. Endurteil? Keine Revision beim BGH zugelassen? Nichtzulassungsbeschwerde wurde vom BGH abgelehnt? Tenor der Urteilsbegründungen? Im Moment seh ich n OLG Urteil was noch nicht das Ende der juristischen Fahnenstange sein muss und viele viele offene Fragen ;)
firlefanzus 22.08.2012
5. Roulette
Letzte Woche habe ich in der Spielbank 100 € verloren. Die haben mir vorher nicht gesagt, dass ich das ganze Geld verlieren kann. Wurde ich falsch beraten, soll ich die Gerichte anrufen ? Im Ernst: Es müssen staatlich [...]
Letzte Woche habe ich in der Spielbank 100 € verloren. Die haben mir vorher nicht gesagt, dass ich das ganze Geld verlieren kann. Wurde ich falsch beraten, soll ich die Gerichte anrufen ? Im Ernst: Es müssen staatlich kontrollierte Genossenschaftsbanken her. Wer Geld zum sparen bringt, erhält 2 % Zinsen. Wer Geld borgt, etwa weil er ein Haus baut, oder eine Wohnung kauft, zahlt 4 % , meinetwegen auch 5 % Zinsen für ein Anschaffungsdarlehen. Den Rest sollen die sogenannten " Geschäftsbanken " übernehmen, allerdings müssen sie nach dieser Rechtssprechung deutlich den Zusatz > Achtung Casino < im Logo führen

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