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Wirtschaft

Problematische Inhalte

Unilever droht Facebook und Google mit Werbeentzug

Soziale Medien sind ein "Sumpf": Diese Warnung kommt nicht von besorgten Eltern oder Politikern, sondern einem Großkonzern. Unilever droht Google, Facebook und Co. mit dem Entzug milliardenschwerer Werbegelder.

AFP

Unilever-Gebäude in Rotterdam

Montag, 12.02.2018   14:29 Uhr

Der Konsumgüterkonzern Unilever will Digitalkonzernen Werbeaufträge entziehen, wenn diese ihre Plattformen nicht besser überwachen. Das geht laut dem TV-Sender CNN und der Agentur Reuters aus dem Manuskript einer Rede hervor, die Unilever-Marketingvorstand Keith Weed auf einer Werbekonferenz in Kalifornien halten soll. Unilever Chart zeigen will demnach nicht länger eine digitale Verwertungskette unterstützen, "die im Hinblick auf ihre Transparenz zeitweise kaum besser ist als ein Sumpf".

Weiter heißt es in der Rede, Unilever werde nicht auf Plattformen werben, die zur gesellschaftlichen Spaltung beitragen und den Jugendschutz vernachlässigen. Fragwürdige Inhalte schadeten dem sozialen Vertrauen, den Nutzern und der Demokratie, so Weed. "Das ist nichts, das beiseitegewischt oder ignoriert werden kann."

Die Warnung hat Gewicht, denn mit Marken wie Dove, Lipton oder Ben & Jerry's gehört Unilever zu den wichtigsten Werbekunden der Welt. Das jährliche Marketing-Budget des britisch-niederländischen Unternehmens beträgt CNN zufolge rund 9,8 Milliarden Dollar, ein Viertel der Anzeigen sei digital.

Unilever selbst war voriges Jahr stark in die Kritik geraten wegen einer Dove-Werbung auf Facebook, die vielen als rassistisch galt. Das Unternehmen hatte sich daraufhin entschuldigt.

Facebook Chart zeigen und Google Chart zeigen beherrschen laut einer Schätzung zusammen 61 Prozent des Online-Werbeumsatzes. Beide Unternehmen werden immer wieder dafür kritisiert, dass sie nicht ausreichend gegen gefälschte, gewaltverherrlichende oder aus anderen Gründen problematische Inhalte vorgehen.

Weed prophezeit laut Redetext, 2018 werde entweder das Jahr eines "Techlash", in dem die Welt sich von den Technologieriesen abwende, oder das "Jahr des Vertrauens". Es könne ein Jahr werden, "in dem wir gemeinsam neues Vertrauen in unsere Systeme und Gesellschaft aufbauen".

dab/Reuters

insgesamt 21 Beiträge
C. Schmidt 12.02.2018
1. Sollen sie probieren
Da pokert Unilever, um günstigere Konditionen zu kriegen. Sollen sie es doch wagen, Google (Youtube) und Facebook zu boykottieren; nach einem Jahr kommen sie dann doch wieder angeschissen, aus einem simplen Grund: Sie müssen da [...]
Da pokert Unilever, um günstigere Konditionen zu kriegen. Sollen sie es doch wagen, Google (Youtube) und Facebook zu boykottieren; nach einem Jahr kommen sie dann doch wieder angeschissen, aus einem simplen Grund: Sie müssen da werben, wo die Zielgruppe ist. Und die ist heutzutage eben immer mehr im Internet, und dabei sehr konzentriert in den sozialen Netzen und auf Youtube. Wenn sie auf Werbung in diesem Umfeld verzichten, schießen sie sich selbst in den Fuß. Und in einem Jahr kümmert es auch keinen mehr, ob Unilever heute so tut, als könnten sie die Werbung auf solchen Plattformen nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren.
hello_again 12.02.2018
2. @C. Schmidt
"Und in einem Jahr kümmert es auch keinen mehr, ob Unilever heute so tut, als könnten sie die Werbung auf solchen Plattformen nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren." Ich empfehle Ihnen einen Blick in den Unilever [...]
"Und in einem Jahr kümmert es auch keinen mehr, ob Unilever heute so tut, als könnten sie die Werbung auf solchen Plattformen nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren." Ich empfehle Ihnen einen Blick in den Unilever Geschäftsbericht. Von den Konsumgütergiganten gehört Unilever noch zu denjenigen, die ihren sozialen und ökologischen Anspruch am höchsten haben. Die Ankündigung ist deshalb nur ein weiterer Schritt auf der Agenda. Bevor Sie fragen, ja ich habe als Kleinanleger Anteile am Unternehmen, ja ich schätze die nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens.
arviaja 12.02.2018
3. Don't be evil...
Die Tech-Giganten schreiben sich alle auf die Fahne, nur das Beste für die Menschheit im Sinn zu haben. Und vielleicht wollen sie das auch. Aber wir können uns nicht einfach auf irgendwelche Firmen-Werte verlassen, die jemand [...]
Die Tech-Giganten schreiben sich alle auf die Fahne, nur das Beste für die Menschheit im Sinn zu haben. Und vielleicht wollen sie das auch. Aber wir können uns nicht einfach auf irgendwelche Firmen-Werte verlassen, die jemand mal irgendwo hingeschrieben hat. Das ist zwar gut, aber lange noch kein Garant für irgendwas. Es mag sein, dass sich ein Tim Cook und die Herren Brin und Page (Alphabet/Google) soziales Engagement auf die Fahnen geschrieben haben. Bei Facebook ist das schon zweifelhaft. Und wer sagt mir, dass in 10 Jahren, wenn mal ganz andere Typen an der Spitze stehen, diese Werte dann noch bestand haben? Nein, die Politik darf sich nicht davonstehlen. Und es scheint mir als ob - auch wenn es gegen die populäre Auffassung und Meinung vieler geht - sich die EU Kommission hier in die richtige Richtung bewegt. Mal schauen.
makeup 12.02.2018
4. Ich finde es zumindest mal für den Anfang gut
vielleicht folgen noch ein paar andere Unternehmen und vor allen Dingen sollten sie mal Ebay boykottieren, denn dort ist inzwischen jedes 3 Produkt ein Plagiat. Die Produktpiraterie der Chinetzen geht mir so etwas auf den Senkel.
vielleicht folgen noch ein paar andere Unternehmen und vor allen Dingen sollten sie mal Ebay boykottieren, denn dort ist inzwischen jedes 3 Produkt ein Plagiat. Die Produktpiraterie der Chinetzen geht mir so etwas auf den Senkel.
unpolit 12.02.2018
5. Sehe ich nicht so
1. Werbung wird auch auf Youtube und FB als das wahrgenommen, was es ist: ein nerviges Stehlen von Lebenszeit. Und je mehr Konsum auf diesen Kanälen, desto nerviger. 2. Werber wollen Produkte verkaufen. Das bedeutet, dass [...]
Zitat von C. SchmidtDa pokert Unilever, um günstigere Konditionen zu kriegen. Sollen sie es doch wagen, Google (Youtube) und Facebook zu boykottieren; nach einem Jahr kommen sie dann doch wieder angeschissen, aus einem simplen Grund: Sie müssen da werben, wo die Zielgruppe ist. Und die ist heutzutage eben immer mehr im Internet, und dabei sehr konzentriert in den sozialen Netzen und auf Youtube. Wenn sie auf Werbung in diesem Umfeld verzichten, schießen sie sich selbst in den Fuß. Und in einem Jahr kümmert es auch keinen mehr, ob Unilever heute so tut, als könnten sie die Werbung auf solchen Plattformen nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren.
1. Werbung wird auch auf Youtube und FB als das wahrgenommen, was es ist: ein nerviges Stehlen von Lebenszeit. Und je mehr Konsum auf diesen Kanälen, desto nerviger. 2. Werber wollen Produkte verkaufen. Das bedeutet, dass die Sehenden auch über signifikante Budgets verfügen sollten. Und ob es sich lohnt, für 1000 Deo-Roller 1 Mio Klicks zu zahlen, das wird wohl immer genauer hinterfragt. In diesen Medien funktionieren eh andere Mechanismen. 3. Es tut gut, wenn sich Unternehmen an Markenhygiene erinnern. Mich haben wegen Werbung in einem Blog mit Äußerungen, die meinen Vorstellungen vom Miteinander diametral gegenläufig sind, 3 Unternehmen als Kunden verloren. Inklusive kurze Nachricht an diese Unternehmen. Übrigens, auch die Werbemedien tun gut daran, hier zu korrigieren. Bekanntlich hängt der TKP auch von der Glaubwürdigkeit des Mediums ab.

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