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Wirtschaft

Verblüffender Milliardengewinn

Warum VW so viel Geld verdient

Dieselaffäre, Kartellskandal, Fahrverbote - das vergangene Geschäftsjahr war für Volkswagen nicht wirklich ein Selbstläufer. Trotzdem steht unter dem Strich ein Rekordgewinn. Über das Geheimnis des VW-Erfolgs.

DPA

E-Golf-Produktion in der Gläsernen Fabrik in Dresden

Von
Dienstag, 13.03.2018   19:34 Uhr

Es ist nicht allzu lange her, da hätte niemand auf die Zukunft von Volkswagen gewettet. Wer würde nach den Skandalen um manipulierte Abgastests und Absprachen in Hinterzimmern noch einen Golf oder Passat kaufen wollen? Und welche Risiken würde die Aufarbeitung der Vergangenheit noch mit sich bringen, die die Wolfsburger in den USA bereits Milliarden gekostet hatte?

Jetzt ist das Staunen groß. Denn die Jahresbilanz für 2017 erweckt den Eindruck, als habe es die ganzen Probleme nie gegeben. Mehr als 10,7 Millionen Autos verkauften alle Marken des Konzerns weltweit. Der Umsatz stieg um 6,2 Prozent auf 230,7 Milliarden Euro. Und unter dem Strich blieben für die Aktionäre 11,4 Milliarden Euro übrig - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Vielzahl von Klagen

Natürlich machte sich auch die "Dieselthematik" - wie man es bei Volkswagen beschönigend formuliert - bemerkbar. Mit 3,2 Milliarden Euro belastete der Dieselskandal das operative Geschäft. Was viel Geld ist, aber immerhin nur noch die Hälfte von dem Betrag, der 2016 zu Buche schlug. Darin enthalten ist auch eine Milliarde Euro, die Konzernchef Matthias Müller für Rechtsrisiken reserviert hat, also die Kosten für die Prozesse mit Kunden, die sich durch die Abgasmanipulationen betrogen fühlen. Rein vorsorglich sind auch noch einmal weitere 4,3 Milliarden Euro in den Rückstellungen ausgewiesen, die für Rechtsstreitigkeiten reserviert sind.

Deren Zahl ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Und immer häufiger entscheiden die Richter dabei für die Kläger, wie das "Handelsblatt" nach einer Auswertung einer Vielzahl solcher Urteile berichtet. VW begegnet dem Trend mit einer spürbar höheren Bereitschaft zu Kompromissen. Dazu zählen großzügige Entschädigungen ebenso wie der Rückkauf des betreffenden Fahrzeugs. Noch ist in tausenden Fällen kein Urteil gesprochen, doch es ist absehbar, dass sich das Thema allmählich erledigt, weil die Klagefrist zum Jahresende abgelaufen ist.

Die Belastungen durch den Abgasskandal glichen allerdings die VW-Konzerntöchter locker aus. Porsche, Audi, Volkswagen, Seat und Skoda verzeichneten allesamt satte Zuwächse im operativen Geschäft. Auch die Lastwagen-Sparte konnte sich verbessern. Lediglich die Luxusmarke Bentley musste Einbußen hinnehmen, bleibt aber weit von der Verlustzone entfernt.

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Das VW-Imperium: Zwölf Marken sollt ihr sein

Ein Übriges trug US-Präsident Donald Trump bei. Dessen Steuerreform habe einen positiven Effekt von rund einer Milliarde Euro auf den Nettogewinn gehabt, sagte VW-Finanzvorstand Frank Witter.

Interessanter noch ist die Entwicklung der Sparte Finanzdienstleistungen, denn hier wird auch das Geschäft mit den Leasingfahrzeugen abgerechnet. Vor allem der schnelllebige Handel mit Dienstwagen gilt als besonders guter Gradmesser dafür, ob sich Kunden von einer Marke abwenden oder nicht. Auch der Wertverlust der sogenannten Rückläufer fällt ins Gewicht, also der Leasingfahrzeuge, deren Vertrag endet. Ein fettes Minus in der Bilanz von 2017 hätte angesichts der Skandale also kaum verwundert. Stattdessen erreichte das operative Ergebnis des Bereichs sogar einen neuen Rekordwert.

Dienstwagengeschäft brummt

Der Geschäftserfolg kommt nur für Außenstehende überraschend. "An den Ergebnissen der Quartale konnte man die Entwicklung bereits ablesen", erklärt Jürgen Pieper, der im Bankhaus Metzler für die Analyse der Autoindustrie verantwortlich ist. Gemessen daran hätten einige sogar noch etwas mehr erwartet. Das Bild in der Öffentlichkeit sei jedoch stark von den Skandalen in der Vergangenheit geprägt - und gleichermaßen von der Verunsicherung durch die Diskussion um Dieselfahrverbote und Mobilitätskonzepte für die Zukunft, in denen Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren kaum noch eine Rolle spielten. "Das ist natürlich kein Umfeld, in dem man große Umsatz- und Gewinnzuwächse erwartet."

Dass die Geschäfte dennoch so gut liefen, dafür hat Pieper eine einfache Erklärung: "Das Image von Volkswagen ist weltweit viel besser, als es hierzulande den Anschein hat." Die negativen Schlagzeilen über VW seien in dieser Intensität nur in Deutschland zu lesen gewesen. Bereits in den anderen EU-Staaten sei der Abgasskandal hingegen längst kein Thema mehr. Selbst in den Niederlanden, wo der Umweltschutz eine wichtige Rolle spiele, sei das Interesse schnell abgeebbt, in den wichtigen Märkten in Asien und Südamerika erst recht.

Auch die Situation in Deutschland gelte es differenziert zu beurteilen. "Die Kritiker bestimmen hier zwar den Tenor der Diskussion um Volkswagen. Bei der Entscheidung für den Kauf eines Autos spielen aber andere Kriterien eine Rolle." Jemand, der einen sehr großen Teil seines Einkommens für den Unterhalt eines Autos aufwende, stelle auch besondere Ansprüche. In Deutschland stünden da Sicherheit und Zuverlässigkeit an erster Stelle. In diesen Disziplinen schnitten aber nicht zuletzt Modelle aus dem VW-Konzern sehr gut ab.

insgesamt 131 Beiträge
Mach999 13.03.2018
1.
Rückstellungen sind super. Die mindern die Steuerlast, und das ist gut für die Liquidität und führt damit entweder zu Renditen für Geldanlagen oder zu eingesparten Kreditzinsen. Wenn jetzt noch die Politik zustimmt, dass der [...]
Rückstellungen sind super. Die mindern die Steuerlast, und das ist gut für die Liquidität und führt damit entweder zu Renditen für Geldanlagen oder zu eingesparten Kreditzinsen. Wenn jetzt noch die Politik zustimmt, dass der Steuerzahler die Umrüstung bezahlen soll, kommt gleich noch eine direkte Subventiuon dazu. Die Preise für die Umrüstung werden ja von VW selbst festgelegt. VW hat mit dem Betrug alles richtig gemacht.
Onkel Dittmeyer 13.03.2018
2. Fahrt Volkswagen endlich mal vor den Karren!!
Milliardengewinne trotz Geheule bei der Umrüstung? Die Zeichen die da ausgesandt werden sind eine Frechheit für alle Betroffenen und die Staatsanwaltschaft sollte da mal das Geflecht der Verstrickungen auflösen, inclusive [...]
Milliardengewinne trotz Geheule bei der Umrüstung? Die Zeichen die da ausgesandt werden sind eine Frechheit für alle Betroffenen und die Staatsanwaltschaft sollte da mal das Geflecht der Verstrickungen auflösen, inclusive Kanzleramt und KBA.
L_P 13.03.2018
3. Beeindruckende Performance
Die Performance des VW Konzerns angesichts der fortgesetzten Kampagnen gegen eines seiner Hauptprodukte ist in der Tat beeindruckend. Ein klarer Punktsieg für Menschen, die Realität machen statt sie herbeischreiben zu wollen.
Die Performance des VW Konzerns angesichts der fortgesetzten Kampagnen gegen eines seiner Hauptprodukte ist in der Tat beeindruckend. Ein klarer Punktsieg für Menschen, die Realität machen statt sie herbeischreiben zu wollen.
PaulchenGB 13.03.2018
4. Richtig, das Geschrei gibt es nur in Deutschland und
nur von wenigen. Volkswagen produziert die besten und sichersten Autos der Welt, dass da mit einer Software betrogen wurde betrifft doch nur die Umwelt und die interessiert doch nur die wenigsten, was am Absatz/Umsatz ja abzulesen [...]
nur von wenigen. Volkswagen produziert die besten und sichersten Autos der Welt, dass da mit einer Software betrogen wurde betrifft doch nur die Umwelt und die interessiert doch nur die wenigsten, was am Absatz/Umsatz ja abzulesen ist. VW hat alles richtig gemacht und die 50 Mio € an Boni für den Vorstand sind gerechtfertigt.
jupp78 13.03.2018
5.
Sorry, aber das ist eine vollkommen verquere Logik! Wenn VW gut an Umrüstungen verdient, werden dafür auch gute Steuern fällig. Rückstellungen sind nur Kosten der kommenden Jahre. Fallen diese nicht an, dann wird die [...]
Zitat von Mach999Rückstellungen sind super. Die mindern die Steuerlast, und das ist gut für die Liquidität und führt damit entweder zu Renditen für Geldanlagen oder zu eingesparten Kreditzinsen. Wenn jetzt noch die Politik zustimmt, dass der Steuerzahler die Umrüstung bezahlen soll, kommt gleich noch eine direkte Subventiuon dazu. Die Preise für die Umrüstung werden ja von VW selbst festgelegt. VW hat mit dem Betrug alles richtig gemacht.
Sorry, aber das ist eine vollkommen verquere Logik! Wenn VW gut an Umrüstungen verdient, werden dafür auch gute Steuern fällig. Rückstellungen sind nur Kosten der kommenden Jahre. Fallen diese nicht an, dann wird die Steuer fällig.
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