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Wirtschaft

Männerdomäne Vorstand

Frauen gelangen in Deutschland schwer in Führung

Trotz aller Bekundungen haben Börsenfirmen in Deutschland kaum weibliche Top-Kräfte, das zeigt eine Studie. Es gibt demnach mehr Vorstandsmitglieder, die Thomas oder Michael heißen, als Frauen in den Leitungsgremien.

DPA

Seltene Erscheinung: Frauen im Vorstand

Samstag, 01.04.2017   13:05 Uhr

Seit Jahren belegen Experten, wie wichtig ein höherer Frauenanteil in der Konzernführung ist, und schreiben sich Unternehmen Frauenförderung werbewirksam auf die Fahnen. Doch wenn es drauf ankommt, ducken sich die Firmenlenker weg. Börsennotierte Unternehmen in Deutschland kommen mit der ausgeglichenen Besetzung ihrer Vorstände kaum voran, zeigt eine Studie. Unter den insgesamt 676 Vorstandsmitgliedern der 160 Unternehmen in den Indizes der Frankfurter Börse, Dax, MDax, SDax sowie TecDax sind nur 46 Frauen.

Das zeigt eine neue Analyse der gemeinnützigen Allbright-Stiftung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Stiftung, die 2011 in Stockholm von einem Unternehmer gegründet wurde, setzt sich für mehr Frauen und Diversität in Führungspositionen der Wirtschaft ein.

Ein Umdenken lasse sich bislang noch nicht feststellen, stellen die Studienautoren nun für Deutschland fest. "Geht es so weiter, haben wir erst in 45 Jahren ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in deutschen Vorständen." Laut dem Papier gibt es mehr Vorstandsmitglieder, die Thomas oder Michael heißen, als Frauen in Leitungsgremien.

Chefetage: fast 90 Prozent Männer bei Neuanstellungen

"Die Unternehmen rekrutieren, als sei nur ein männlicher, 53-jähriger, westdeutscher Betriebswirt in der Lage, im Vorstand eines Unternehmens mitzuwirken", sagte die Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung, Wiebke Ankersen. Seit März vergangenen Jahres waren laut Studie fast 90 Prozent der Neuanstellungen in Chefetagen männlich. Bei zwei Dritteln handelte es sich um Deutsche, und 64 Prozent der seit diesem Zeitpunkt eingestellten Vorstände sind in Westdeutschland ausgebildet worden.

"Je höher es in der Hierarchie geht, umso seltener sind konkrete Ausschreibungen oder Bewerbungsverfahren die Regel", sagte Ankersen zu möglichen Ursachen. Sachliche Kriterien fielen deshalb weg. Stattdessen würden die Vorstände "nach Bauchgefühl" rekrutiert. Die Unternehmen gingen auf Nummer sicher und orientierten sich an dem, was schon in der Vergangenheit funktioniert habe.

Eine Pflicht für Firmen, ihre Vorstände ausgeglichen zu besetzen, gibt es nicht. Eine gesetzliche Frauenquote gilt nur für Aufsichtsräte. Und dort sind die deutschen Unternehmen laut der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) auf einem guten Weg. "Alle Quoten-pflichtigen Unternehmen, die 2016 den Aufsichtsrat gewählt haben, haben die Quote erfüllt", sagte ein Sprecher.

Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigen das. Demnach lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 106 Unternehmen, die seit Anfang vergangenen Jahres zur Quote verpflichtetet sind, bei rund 27 Prozent. Anders sieht es bei den Vorständen aus. Bei denselben 106 Unternehmen lag der Anteil der weiblichen Führungskräfte 2016 nur bei 6,5 Prozent, so das DIW.

Häufiges Ziel für den Frauenanteil im Vorstand: null

Aufgrund des Rückstands in deutschen Führungsetagen fordert Familienministerin Manuela Schwesig nun eine harte Frauenquote. Denn es gibt zwar seit 2015 die Vorgabe, dass sich Unternehmen Ziele für einen höheren Anteil von Frauen in der Führung verordnen. Doch Strafen gibt es nicht, falls diese verfehlt werden. Noch schlimmer: Etliche Unternehmen haben sich bereits als Ziel für den Frauenanteil im Vorstand "null" verordnet.

"Ein gutes Team ist möglichst vielfältig aufgestellt, um Selbstkritik, Innovationsfähigkeit und Profitabilität zu gewährleisten", sagte Allbright-Geschäftsführerin Ankersen. Beispiele wie VW oder die Deutsche Bank zeigten, wohin das immer gleiche und homogene Rekrutierungsprinzip führten. "In Zukunft wird das nicht mehr funktionieren. Die Wirtschaft braucht flexible und breit aufgestellte Führungsstrukturen."

"Immerhin werden die Frauen sichtbarer, da einige nun an der Spitze von Unternehmen stehen", stellt die Studie fest. Aktuell gebe es mit der RTL Group, der Hamburger Hafen und Logistik AG und dem Biotech-Unternehmen Medigene drei Konzerne, deren Vorstandschefs weiblich sind.

kig/dpa

insgesamt 49 Beiträge
Kanalysiert 01.04.2017
1. Früher ansetzen, sie denken zu
Denken sie mal tiefer - es ist schon schwer, trotz großer Leistung und Einsatz, so gut wie nie krank sein und dem Lob aller Abteilungen, mit denen man zusammen arbeitet, überhaupt die Teamleitung gegen den männlichen Kollegen [...]
Denken sie mal tiefer - es ist schon schwer, trotz großer Leistung und Einsatz, so gut wie nie krank sein und dem Lob aller Abteilungen, mit denen man zusammen arbeitet, überhaupt die Teamleitung gegen den männlichen Kollegen zu bekommen, der nur viel rumtextet, wenig Leistung abliefert und verdächtig oft die berühmten 1-2 Tage am Montag oder Freitag krank ist. Es gibt deshalb wenig Frauen in Spitzenjobs, weil man sie schon viel früher ausbremst. Das hat nichts damit zu tun, dass sie nicht wollen würden oder das ewig nervende Kinderthema oder sonstigen Mist.
quark2@mailinator.com 01.04.2017
2.
Bekanntlich gibt es 2 Wege, um an solche Positionen zu kommen - durch den Ausleseprozeß und durch Protegierung (Vitamin-B). Ich hätte wirklich zu gern mal eine fundierte Statistik gesehen, welche zeigt, welchen Weg Menschen [...]
Bekanntlich gibt es 2 Wege, um an solche Positionen zu kommen - durch den Ausleseprozeß und durch Protegierung (Vitamin-B). Ich hätte wirklich zu gern mal eine fundierte Statistik gesehen, welche zeigt, welchen Weg Menschen zurücklegen mußten, um an Posten zu kommen, die z.B. mehr als 500.000,- EUR Jahresgehalt bringen. Wieviel Risiko zu scheitern war involviert, wie lange hat es gedauert, welche außergewöhnlichen Leistungen waren nötig. Und dann hätte ich das gern nach Geschlechtern getrennt. Und wenn sich DANN zeigt, daß eine Frau im Schnitt mehr mitbringen mußte, um auf solche Posten zu kommen, dann weiß man, wie groß die Abweichung ist und dann gehört das beseitigt. Aber solange hier immer nur darauf gesehen wird, wieviel % der Erfolgreichen Frauen sind, ohne zu betrachten, wieviele Frauen es prozentual wirklich ernsthaft versucht haben ... Schwierig.
kleinbürger 01.04.2017
3. luxus
mich wundert e immer wieso ein solches luxusproblem so breiten raum in den medien einnehmen kann. den aller, aller meisten menschen ist es schlicht egal wer die firma führt wenn die gehälter und das arbeitsklima stimmt.
mich wundert e immer wieso ein solches luxusproblem so breiten raum in den medien einnehmen kann. den aller, aller meisten menschen ist es schlicht egal wer die firma führt wenn die gehälter und das arbeitsklima stimmt.
NahGha09 01.04.2017
4. Nur Häutplinge?
Ich arbeite in einem mittelständischen Betrieb. Knapp 200 Angestellte. Von den sieben Führungspositionen sind drei mit Frauen besetzt. Es ist wahrscheinlicher, dass ich (Physiker in F&E) einen Sechser im Lotto habe als dass [...]
Ich arbeite in einem mittelständischen Betrieb. Knapp 200 Angestellte. Von den sieben Führungspositionen sind drei mit Frauen besetzt. Es ist wahrscheinlicher, dass ich (Physiker in F&E) einen Sechser im Lotto habe als dass ich jemals eine der sieben Führungspositionen bekomme. Das liegt abe nicht daran, dass ich ein Mann oder eine Frau bin. Es liegt an meiner Einstellung zur Arbeit und zum Leben. Und natürlich daran, dass es nicht so furchtbar viele Führungspositionen gibt. P.S.: Alleine über die Definition des Begriffes "Führungsposition" könnte man ja schon ein paar Tage diskutieren.
schillerphone 01.04.2017
5. Linksorientierte Experten
Linksorientierte Experten belegen so etwas. Die Gegenseite könnte genau das Gegenteil belegen. Solche Belege sind Unsinn und sind nur dem Feminismus geschuldet. Wenn Frauen die nötige Power und das nötige Fachwissen haben, [...]
Linksorientierte Experten belegen so etwas. Die Gegenseite könnte genau das Gegenteil belegen. Solche Belege sind Unsinn und sind nur dem Feminismus geschuldet. Wenn Frauen die nötige Power und das nötige Fachwissen haben, dann kommen sie auch in die entsprechenden Positionen. Aber es nun mal Fakt, dass es nicht nur aufs Fachwissen ankommt. Man muss sich auch durchsetzen können und gewisse Skrupel abbauen. Ist nicht schön, aber Tatsache. Frauen tuen sich damit schwer. Ergo sind sie auch weniger in Spitzenpositionen vertreten. In hohen Positionen sind in der Regel Menschen mit schwachen Charaktereigenschaften. Für die Frauen sollte es also eher ein Kompliment sein weniger in diesen Positionen vertreten zu sein. Wer Charakter hat will gar nicht in solche Positionen gelangen. Das gilt für Männer und für Frauen. Natürlich würden mehr Frauen in Spitzenpositionen dafür sorgen, dass die männlichen Kollegen in ihren Entscheidungen nicht mehr solche charakterlosen Menschen wären. Dadurch würden sich die untergebenen Mitarbeiter besser fühlen. Aber zu gut sollte man sich in der Arbeitswelt auch nicht fühlen. Ein gesunder Konkurrenzkampf und Erfolgsdruck muss sein, um produktiv zu bleiben.

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