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Wirtschaft

Risiko "genereller Marktverunsicherung"

Finanzaufsicht verbietet Spekulationen auf fallende Wirecard-Kurse

Die Finanzaufsicht BaFin verbietet neue Leerverkäufe von Wirecard-Aktien. Der Kurs des Dax-Konzerns hatte zuvor mehrfach drastisch an Wert verloren.

DPA

Wirecard-Kreditkarte (Archiv)

Montag, 18.02.2019   09:53 Uhr

Die Finanzaufsicht BaFin hat neue Spekulationen auf fallende Aktienkurse beim Zahlungsdienstleister Wirecard Chart zeigen untersagt. Ab sofort sei es zwei Monate lang verboten, neue Netto-Leerverkaufspositionen in Aktien der Wirecard AG zu begründen oder bestehende Netto-Leerverkaufspositionen zu erhöhen, teilte die Behörde mit.

Die im Leitindex Dax enthaltene Wirecard-Aktie hatte in den vergangenen Tagen nach einer rasanten Talfahrt rund 40 Prozent ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt. Derart große Kursschwankungen sind bei Dax-Konzernen sehr ungewöhnlich. "In der derzeitigen Situation besteht das Risiko, dass die Verunsicherung des Marktes zunimmt und sich zu einer generellen Marktverunsicherung ausweitet", schrieb die BaFin.

Auslöser der jüngsten Verkaufswelle bei Wirecard sind Berichte der "Financial Times" über mögliche Bilanzmanipulationenin der Wirecard-Niederlassung in Singapur. Der Finanzkonzern weist die Vorwürfe als haltlos zurück und kündigte rechtliche Schritte gegen die Zeitung an. In der Vergangenheit gab es wiederholt Vorwürfe gegen Wirecard, denen Aktienkurseinbrüche und Ermittlungen wegen Marktmanipulation folgten.

Sammelklagen gegen Wirecard eingereicht

Wirecard war nach Angaben der BaFin in den Jahren 2008 und 2016 auch Ziel von sogenannten "Short"-Attacken, bei denen Leerverkäufer durch das Eingehen entsprechender Positionen profitiert haben - diese hätten auch zu Kursrückgängen geführt.

Als Leerverkäufer, im Börsenjargon auch englisch "Short-Seller", werden Spekulanten bezeichnet, die mit fallenden Kursen Geld verdienen wollen. Dafür leihen sie sich bei Aktionären gegen Gebühr Aktienpakete und verkaufen diese am Markt. Sinkt der Aktienkurs, können sie die Papiere günstiger zurückkaufen, um sie dem Eigentümer zum festgelegten Zeitpunkt zurückzugeben.

Selbst wenn sich mit dem Verbot der Leerverkäufe der Aktienkurs von Wirecard nun stabilisieren sollte, muss der Zahlungsdienstleister nach den Berichten jedoch mit Gerichtsprozessen in den USA rechnen. Mehrere US-Kanzleien haben in den vergangenen Tagen von Kursverlusten betroffene Anleger dazu aufgerufen, sich Sammelklagen anzuschließen. Die ersten Sammelklagen wegen angeblicher Verstöße gegen Wertpapiergesetze wurden bereits eingereicht.

apr/dpa/Reuters

insgesamt 18 Beiträge
Der Terraner 18.02.2019
1. Wirecard ist Opfer und nicht Täter
Mit ihren Sammelklagen werden die US Anwälte also ins Leere laufen, zumal die Klagen in Deutschland geführt werden müssen. Ohnehin ist die Financial Times der richtige Adressat. Schon merkwürdigt, wie leichtfertig die Zeitung [...]
Mit ihren Sammelklagen werden die US Anwälte also ins Leere laufen, zumal die Klagen in Deutschland geführt werden müssen. Ohnehin ist die Financial Times der richtige Adressat. Schon merkwürdigt, wie leichtfertig die Zeitung ihren guten Ruf verspielt. Nachdem sie schon einmal Fake News bezüglich Wirecard verbreitet hatte ist jetzt Schluss mit Lustig. Neben hohen Strafzahlungen dürfte vor allem der beschädigte Ruf noch sehr teuer werden.
soundcheck 18.02.2019
2. Na endlich
Wurde höchste Zeit dass die Bafin reagiert hat. Ich hätte nichts dagegen wenn diese Leerverkäufe generell untersagt werden würden. Es kann doch nicht angehen, dass innerhalb von wenigen Tagen Milliardenwerte vernichtet werden [...]
Wurde höchste Zeit dass die Bafin reagiert hat. Ich hätte nichts dagegen wenn diese Leerverkäufe generell untersagt werden würden. Es kann doch nicht angehen, dass innerhalb von wenigen Tagen Milliardenwerte vernichtet werden nur weil finanzkräftige Fonds aus USA die Möglichkeit haben diese Art von Spekulation hier durchzuführen. Schuld sind in meinen Augen aber auch diejenigen, welche ihre Stücke an diese Fonds verleihen. Es ist ja nicht der erste Fall, das Aktien in ihrem Kurswert in kurzer Zeit durch Leerverkäufer halbiert wurden. Spontan fallen mir DB, Aurelius und Osram dazu ein. Auch finde ich die Rolle der FT mit ihrer Berichtserstattung etwas dubios. Bin ja gespannt ob das noch irgendwelche Folgen hat. Kein Wunder dass sich in D immer weniger Anleger für Aktien interessieren, wenn diese das Gefühl haben, dass die Märkte nur noch von Zockern beherrscht werden.
Steve111 18.02.2019
3. Warum nicht gleich so ?
Shortselling ist der Tod jeglicher Aktienkultur - gerade in Deutschland ist man doch gegenüber der Wertpapieranlage sehr skeptisch eingestellt - warum verbietet man denn nicht einfach Leerverkäufe für sämtliche deutsche [...]
Shortselling ist der Tod jeglicher Aktienkultur - gerade in Deutschland ist man doch gegenüber der Wertpapieranlage sehr skeptisch eingestellt - warum verbietet man denn nicht einfach Leerverkäufe für sämtliche deutsche Aktienwerte ? Und warum kam das dringend notwendige Verbot bei Wirecard erst jetzt ?
bernie86 18.02.2019
4. Verständnis und Kritik
Das bringe ich der BaFin gerade entgegen - ich verstehe, dass sie die anderen DAX-Konzerne vor korrelationsbedingten Wertverlusten schützen möchten, andererseits sehe ich ihr spätes Einschreiten kritisch. Soll der Markt sich [...]
Das bringe ich der BaFin gerade entgegen - ich verstehe, dass sie die anderen DAX-Konzerne vor korrelationsbedingten Wertverlusten schützen möchten, andererseits sehe ich ihr spätes Einschreiten kritisch. Soll der Markt sich doch tot laufen, vllt lernen dann "Finanzberater" und Anleger, dass die Finanzmärkte NIE Werte schaffen, sondern im Fall eines Zusammenbruchs IMMER Werte in der Realwirtschaft vernichten - derartige Krisen (von denen große Teile der Weltbevölkerung mangels Zugang zum Aktienmarkt ohnehin unbehelligt sind) hatten wir eigentlich schon genug, um das zu lernen. Spätestens als der Wunsch nach Risikostreuung die G20 geschaffen hat, hätte man STOP! sagen müssen.
snigger 18.02.2019
5. cui bono?
es stellt sich immer die Frage: WEM nutzt es? ich bin mir sicher, auch ein Journalist der Financial Times ist käuflich. Man sollte sich auch Mitbewerber von Wirecard anschauen, welcher würde (am meisten) davon profitieren, [...]
es stellt sich immer die Frage: WEM nutzt es? ich bin mir sicher, auch ein Journalist der Financial Times ist käuflich. Man sollte sich auch Mitbewerber von Wirecard anschauen, welcher würde (am meisten) davon profitieren, wenn Wirecard insolvent geht? Damit würde man einen guten Verdächtigen haben. Der Rest ist nur Beharrlichkeit ....

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