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Wirtschaft

"Financial Times"-Berichte

Staatsanwaltschaft ermittelt nach Kursrutsch bei Wirecard gegen Journalist

Der Aktienkurs des Dax-Konzerns Wirecard verlor nach Berichten der "Financial Times" mehrfach drastisch an Wert. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen den Verfasser der Artikel.

REUTERS

Wirecard-Terminal in Köln (Archiv)

Montag, 18.02.2019   12:20 Uhr

Die Staatsanwaltschaft München I geht nach den heftigen Kursrutschen beim Zahlungsabwickler Wirecard gegen einen Journalisten vor. Einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bestätigte die Anklagebehörde laut Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Der Mann soll in der Finanzzeitung "Financial Times" mehrere kritische Berichte über die Unternehmensniederlassung in Singapur verfasst haben, schreibt die "FAZ". Ein auf fallende Kurse spezialisierter Börsenhändler sagte demnach bei den Ermittlern aus, über den Zeitpunkt des Erscheinens der Artikel vorab informiert gewesen zu sein.

Die im Leitindex Dax enthaltene Wirecard-Aktie Chart zeigen hatte in den vergangenen Tagen rund 40 Prozent ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt. Derart große Kursschwankungen sind bei Dax-Konzernen sehr ungewöhnlich. Als Auslöser gelten die Berichte der "Financial Times" über mögliche Bilanzmanipulationen in der Wirecard-Niederlassung in Singapur. Der Finanzkonzern weist die Vorwürfe als haltlos zurück.

Die Staatsanwaltschaft München wiederum hatte bereits Vorermittlungen wegen des Verdachts auf Marktmanipulation aufgenommen. Die Finanzaufsicht BaFin untersagte am Morgen neue Spekulationen auf fallende Aktienkurse bei Wirecard .

Eine Justizsprecherin sagte laut Nachrichtenagentur Reuters, generell seien die Voraussetzungen für den Status als Beschuldigter niedrig: Eine begründete Anzeige reiche aus. Die Ermittlungen stünden erst am Anfang. Die Staatsanwaltschaft sammle sowohl belastendes als auch entlastendes Material.

Zu dem bereits gesammelten Material zähle auch die Aussage eines Aktienkaufinteressenten, er habe von einem der "Financial- Times"-Berichte bereits vor dessen Veröffentlichung erfahren, sagte die Behördensprecherin.

apr/dpa-AFX/Reuters

insgesamt 24 Beiträge
mm12345 18.02.2019
1. Leerverkäufe
sollten grundsätzlich verboten werden (Optionen auf Aktien am besten gleich mit). Damit würde auch ein wichtiger Grund für Marktmanipulationen jedweder Art entfallen. Ob hier Manipulation seitens der FT vorlag, wird hoffentlich [...]
sollten grundsätzlich verboten werden (Optionen auf Aktien am besten gleich mit). Damit würde auch ein wichtiger Grund für Marktmanipulationen jedweder Art entfallen. Ob hier Manipulation seitens der FT vorlag, wird hoffentlich transparent aufgeklärt.
#besserwisser 18.02.2019
2. Es ist ein Skandal ...
... wie leicht selbst die Kurse DAX notierter Unternehmen manipulierbar sind. Wann endlich verbietet die EU den Handel von Aktien, die gar nicht im Besitz des Verkäufers sind? Von diesen Leerverkäufen profitieren nur die Banken [...]
... wie leicht selbst die Kurse DAX notierter Unternehmen manipulierbar sind. Wann endlich verbietet die EU den Handel von Aktien, die gar nicht im Besitz des Verkäufers sind? Von diesen Leerverkäufen profitieren nur die Banken und Hedgefonds, deren Gewinne entstehen nicht auf Basis realer Wirtschaftsleistung, sondern letztlich nur auf Betrug am Kleinaktionär ...
guka-le. 18.02.2019
3. komisch
Der selbe Journalist hat doch vor ca. 10 Jahren bereits schon mal einen Bericht veröffentlicht der parallelen zum aktuellen Fall aufweist. Wenn ich mich richtig erinnere wurde dieser Journalist verurteilt.
Der selbe Journalist hat doch vor ca. 10 Jahren bereits schon mal einen Bericht veröffentlicht der parallelen zum aktuellen Fall aufweist. Wenn ich mich richtig erinnere wurde dieser Journalist verurteilt.
Watschn 18.02.2019
4. Nein. ja kein Verbot, denn Leerverkäufte sind ein wichtiges Korrektiv
Man denke da nur an die unzähligen gefakten u. glatt gelogenen Unternehmensberichte des ehem. Neuen Markts, und ihren stronzo-optimistischen, aber fast durchwegs ins Blaue dahinerzählten Aktienkommentaren (welche im Nachhinein [...]
Man denke da nur an die unzähligen gefakten u. glatt gelogenen Unternehmensberichte des ehem. Neuen Markts, und ihren stronzo-optimistischen, aber fast durchwegs ins Blaue dahinerzählten Aktienkommentaren (welche im Nachhinein sich als teils von interessierter Seite üppigst bezahlt entlarvt wurden; i.d.R. mit Geld oder gar mit Lustreisen...uam). Leerverkäufer waren da ein gutes u. schnell eingreifendes Korrektiv, bringen Kurs-Schwankungen mit ins Geschäft, welche nicht zuletzt Kleinanleger vorsichtig werden lassen.
fin2010 18.02.2019
5. Seile verbieten?
Tolle Logik. Mit Seilen kann man jemanden töten, also müssen sie verboten werden. Hier wird mal wieder das Werkzeug bzw. der Überbringer (Leerverkäufer) der Nachricht geschlagen statt des ggf. vorhandenen Täters (zu [...]
Zitat von mm12345sollten grundsätzlich verboten werden (Optionen auf Aktien am besten gleich mit). Damit würde auch ein wichtiger Grund für Marktmanipulationen jedweder Art entfallen. Ob hier Manipulation seitens der FT vorlag, wird hoffentlich transparent aufgeklärt.
Tolle Logik. Mit Seilen kann man jemanden töten, also müssen sie verboten werden. Hier wird mal wieder das Werkzeug bzw. der Überbringer (Leerverkäufer) der Nachricht geschlagen statt des ggf. vorhandenen Täters (zu belegender Vorwurf Marktmanipulation - dazu müsste die Story über wirecard erst mal falsche sein - ggf. wird wirecard die Finanzialtimes auf Schadenersatz verklagen).

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